Eltern sein dagegen sehr

  • SAFE will Eltern zeigen, wie sie ihren Kindern von Anfang an Halt geben.
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    SAFE will Eltern zeigen, wie sie ihren Kindern von Anfang an Halt geben.

Das SAFE-Konzept will Eltern lehren, ihr Baby emotional zu "lesen". Das schaffe die Grundlage für eine intakte Bindung. Nun starten die Kurse in Österreich

Wie sehr Kinder von sicheren und emotional stabilen Bindungen in den ersten Lebensjahren profitieren, zeigt die Entwicklungspsychologie: Diese Kinder sind später im Leben selbstsicherer, kreativer, sozial kompetenter und Belastungen eher gewachsen als Gleichaltrige, denen diese Bindungen versagt bleiben. Sie sind nachweislich weniger aggressiv und in vielen Lebenslagen leistungsfähiger, entwickeln mehr Empathie für ihre Mitmenschen und besitzen oft bessere kognitive Fähigkeiten Die Bindung zwischen Eltern und Kind beginnt bereits vor der Geburt und wird durch Erfahrungen während der Schwangerschaft, der Geburt und den ersten Lebensmonaten beeinflusst. 

Elternbildung für Kinderbindung

Das Elternprogramm SAFE, das seit kurzem auch in Österreich angeboten wird, baut auf diesen Erkenntnissen auf. SAFE steht dabei für "Sichere Ausbildung für Eltern" - entwickelt wurde das Konzept vom deutschen Kinderarzt Karl Heinz Brisch. Er leitet die Abteilung für Pädiatrische Psychosomatik und Psychotherapie eines großen Münchner Kinderspitals. In regelmäßigen Schulungen will SAFE werdenden Eltern die Grundlagen vermittelt, die es braucht, um eine sichere Bindung zum Kind aufzubauen. Im sogenannten Feinfühligkeitstraining lernen die Väter und Mütter anhand von Eltern‐Kind‐Interaktionen auf Video, die Signale von Säuglingen und Babys richtig zu deuten und angemessen darauf zu reagieren. Das soll ihnen helfen, sicherer durch die erste, oft anstrengende Zeit mit dem Kind zu kommen.

Wanted: Elterliche Selbstreflexion

"Die Eltern erfahren auch, dass Kinder durch ihr Schreien und Weinen unverarbeitete traumatische Erfahrungen bei ihnen wachrufen können und dies unter Umständen zu schwer kontrollierenden Gefühlsausbrüchen bei ihnen selbst führen kann", ist man bei SAFE überzeugt. In Einzelterminen sollen sich die Eltern daher mit ihrer eigenen Geschichte auseinanderzusetzen. Dadurch könne die Wiederholung eines Traumas der Eltern bzw. die generationsübergreifende Weitergabe traumatischer Erlebnisse an die Kinder reflektiert und in Folge zumeist verhindert werden.

Zehn Termine, geringe Kosten

An vier Sonntagen werden Eltern vor der Geburt ihres Kindes bei SAFE geschult. Nach der Geburt folgen weitere sechs Sonntage. Die Kurse richten sich an alle werdende Väter und Mütter - egal ob gemeinsam oder allein erziehend. Neben den regelmäßigen Kursen steht den Eltern eine telefonische Hotline für akut schwierige Situationen zur Verfügung - wenn sich der Säugling etwa nicht beruhigen lässt. Die nächsten SAFE-Gruppen starten am 30. September 2012 in Wien, im Oktober folgen Kurse in Niederösterreich.

Hinter SAFE in Österreich steht die gemeinnützige Österreichische Liga für Kinder- und Jugendgesundheit, die unabhängig von Parteien und Kirchen agiert. Durch eine Stiftung sind die Elterngruppen fast vollständig finanziert, heißt es von SAFE. Für die Familien bleibt ein Unkostenbeitrag von 100 Euro pro Familie bzw. 50 Euro für AlleinerzieherInnen für einen Kurs. (Lisa Mayr, derStandard.at, 21.9.2012)

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