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vergrößern 645x430Alte Kärntner Bauernhäuser boten das Holz, aus dem Seeleitn am Faaker See errichtet wurde.
Info: www.naturelhotels.com
Robert Rogner wird heute vor allem mit dem Hundertwasser-Kitsch seines Bads Blumau in Verbindung gebracht. Aber es gab eine Zeit, da hatte der Baumeister aus Kärnten noch Geschmack. Ende der Siebzigerjahre ließ er Fichtenholz von bis zu 400 Jahre alten verfallenen Kärnter Bauernhäusern zusammentragen und errichtete damit vier Hoteldörfer im Bungalowstil in der Region. Zwei von ihnen - Seeleitn und Schönleitn - stehen direkt am bzw. unweit des Faaker Sees.
Jahrzehntelang im Mehrheitseigentum und unter dem Management der deutschen Tui, die sie unter ihrer "Dorfhotel"-Marke betrieb, gingen die beiden Ferienanlagen heuer vollständig in Kärntner Besitz über und laufen jetzt unter dem Namen "Naturel Hotels". Verbunden damit ist eine sanfte Neuausrichtung, mit der Ko-Eigentümer Michaela Widnig-Tiefenbacher und Wolfgang Schneeweiß sowie Direktor Manfred Gruber versuchen, lokale Akzente vor allem in der Küche zu setzen, ohne das Tui-gewohnte Publikum zu vergrämen.
Der Faaker See südlich von Villach hat das vielleicht schönste türkisfarbene Wasser aller Kärntner Seen und die prachtvolle Kulisse der Karawanken, aber als Urlaubsort ist er für manche gewöhnungsbedürftig. An seinen Ufern häufen sich Campingplätze, Imbissbuden, Bootsverleihe, kleine Frühstückspensionen und alles andere, was man mit traditionellem Kärntner Billigtourismus verbindet. Bei so wenig Qualitätshotellerie - selbst das bekannte Inselhotel mitten im See hat schon bessere Zeiten gesehen - fällt es den Naturel-Hoteldörfern recht leicht hervorzustechen.
Zusammen haben Schönleitn und Seeleitn wohl alles, was man sich von einem Seeurlaub wünscht. Das Problem ist nur, dass sie rund vier Kilometer voneinander getrennt sind, und das eine das bieten kann, was dem anderen fehlt - und umgekehrt. Das etwas kleinere Seeleitn hat den See, wobei der Strandzugang nur wenige Meter breit ist. Dafür sind die Häuser mit jeweils vier Appartements auf dem kleinen Grundstück recht dicht gedrängt.
Schönleitn liegt auf einer Anhöhe oberhalb des Sees, hat dafür vier Sterne (Seeleitn nur drei), viel mehr Platz, ein Außen- und ein Innenpool, Sauna, Fitness und Masage sowie eine prachtvolle Aussicht. Ein Sprung in den See im Schwesterhotel erfordert allerdings einen längeren Spaziergang, eine Radtour mit schweißtreibender Rückfahrt oder eine kurze Autofahrt.
Als alternativer Badeplatz bietet sich der nur zwei Kilometer entfernte Aichwaldsee an, ein idyllisch gelegener Moorsee mit etwas trübem, aber sauberem Wasser, der ganz leicht zu Fuß oder mit dem Rad erreichbar ist. Der Eintritt ist für Hotelgäste gratis.
Appartements gibt es in unterschiedlicher Größe und ähnlicher Einrichtung, die auch wegen des dunklen Holzes zwar gemütlich, aber ein wenig veraltet wirkt. Für die typische Familienklientel ist die Ausstattung gerade richtig.
Seeleitn ist nur im Sommer im Betrieb und kostet in der Hochsaison so viel wie Schönleitn. Dort wiederum herrscht Ganzjahresbetrieb - im Frühjahr und Herbst dominiert das Seminargeschäft, im Winter fahren Shuttlebusse zu den kleinen Skigebieten Dreiländereck und Gerlitzen. Und wenn Schnee die Wege zwischen den Häusern bedeckt, dann offenbart sich der romantische Charme der Anlage am besten.
Auf zum Dorfwirt
Geführt werden beide Anlagen als eine Art Flexi-Club: eine günstige Halbpension (mit Lunch und Jause für Kinder) wird als Option geboten, viele Familien aber sind Selbstversorger und gehen gelegentlich ins À-la-carte-Restaurant Dorfwirt, wie das rustikale Gebäude im Zentrum der beiden Feriendörfer heißt.
Kinderbetreuung gibt es fast rund um die Uhr, und in der Hochsaison kümmert sich der sympathische Eddy aus Tansania um Jugendliche. Er fährt mit ihnen auch mal zum Klettern oder zum Übernachten auf einer Hütte.
In der hügeligen Gegend bietet sich als Sport besonders das Mountainbiken an - etwa hinauf zur Burgruine Finkenstein auf 900 Meter Seehöhe, in deren Burgarena hoch oberhalb des Drautales im Sommer fast täglich Konzerte stattfinden. Wanderwege gibt es in der Region en masse. Und bei einem Adriatief bietet sich ein Besuch der neuen Kärnten-Therme in Warmbad Villach an, ein Ausflug in die Villacher Altstadt - oder ein Einkaufstrip nach Tarvis. (Eric Frey, Album, DER STANDARD, 8.9.2012)
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