Containerschiff Flaminia nach Irrfahrt in deutschem Hafen gelandet

10. September 2012, 06:45
  • Am 14. Juli war im Laderaum der "MSC Flaminia" Feuer ausgebrochen.
    foto: dapd/reederei nsb

    Am 14. Juli war im Laderaum der "MSC Flaminia" Feuer ausgebrochen.

  • Am Sonntagabend landete das Containerschiff im JadeWeserPort bei Wilhelmshaven.
    foto: dapd/reederei nsb

    Am Sonntagabend landete das Containerschiff im JadeWeserPort bei Wilhelmshaven.

  • Der havarierte Frachter musste einen weiten Weg zurücklegen, ehe er in einem Hafen landen konnte.
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    Der havarierte Frachter musste einen weiten Weg zurücklegen, ehe er in einem Hafen landen konnte.

Bereits im Juli hatte es auf dem mit Industriechemikalien beladenen Frachter gebrannt - Erst jetzt konnte das havarierte Schiff anlegen

Cuxhaven - Nach ihrer zweimonatigen Irrfahrt ist die durch einen Brand schwer beschädigte "MSC Flaminia" am Ziel: Das Containerschiff dockte am Sonntagabend im JadeWeserPort bei Wilhelmshaven (deutsches Bundesland Niedersachsen) an, wie das Havariekommando in Cuxhaven mitteilte. Die Fahrt sei ohne Probleme verlaufen. Der Liegeplatz des havarierten Schiffs im Hafen ist weiträumig abgesperrt.

Der Schleppverband habe in der Früh gegen 08.00 Uhr die Tiefwasserreede bei Helgoland verlassen und "zügig den Weg nach Wilhelmshaven zurückgelegt", teilte das Havariekommando mit. Die Fahrt verlief demnach reibungslos. In den kommenden Tagen gebe es "aus Arbeitsschutzgründen weitere Untersuchungen an Bord der MSC Flaminia".

Kontaminiertes Löschwasser

Anschließend werde ein noch vermisster Seemann gesucht, bevor mit dem Entladen des Schiffes begonnen werde. Dafür ist jedoch auch die Zustimmung der Staatsanwaltschaft erforderlich. Das Entladen und die Entsorgung des mit Giftstoffen kontaminierten Löschwassers wird nach Angaben des Havariekommandos mehrere Wochen dauern.

Die Havarie der "MSC Flaminia" hielt den deutschen Eigner, die Reederei NSB, und die Behörden mehrerer europäischer Länder wochenlang in Atem. An Bord des mit mehr als 2800 Containern beladenen Schiffs war am 14. Juli auf dem Atlantik ein Feuer ausgebrochen, Teile der Ladung explodierten. Ein Seemann starb, ein Crewmitglied wird seitdem vermisst, drei weitere wurden verletzt. Die Feuer in den riesigen Laderäumen des 289 Meter langen Frachters wüteten tagelang unkontrolliert, letzte Brandnester wurden erst vor kurzem gelöscht.

Anrainerstaaten verweigerten Notliegeplatz

Atlantik-Anrainerstaaten wie Großbritannien und Frankreich hatten dem Schiff keinen Notliegeplatz zur Verfügung gestellt. Nach wochenlangen Verhandlungen hatte sich Deutschland als verantwortlicher Flaggenstaat daher bereit erklärt, den Frachter in seine Gewässer zu schleppen und die Ladung dort bergen zu lassen.

Sorgen bereiten vor allem die an Bord befindlichen Container mit Gefahrgut, von denen eine potenzielle Umweltgefahr ausgeht. Die "MSC Flaminia" hatte nach Angaben des Havariekommandos 151 Boxen mit bedenklichen Industriechemikalien geladen - darunter etwa Klebstoffe, der pharmazeutische Grundstoff Testosteron, entzündliche Kosmetik-Sprays sowie Nitromethan, ein brennbares Lösungs- und Reinigungsmittel, das auch als Treibstoffzusatz im Motorsport verwendet wird. Etwa 100 Gefahrgut-Container sind durch Brände beschädigt oder zerstört worden.

Indutriechemikalien

Eine besondere Herausforderung sind dem deutschen Havariekommando zufolge vor allem die größeren Löschwassermengen im Schiffsrumpf, die durch Gefahrgut- und Brandrückstände verunreinigt sind. Auch sie müssten sicher geborgen und entsorgt werden, teilte das deutsche Krisenzentrum für maritime Notfälle mit. Die Lage auf dem Schiff ist nach Angaben des Havariekommandos und der Reederei stabil, akute sicherheitstechnische Probleme bestehen demnach derzeit nicht. Wie stark die 20 Millionen Liter Löschwasser kontaminiert seien, stehe noch nicht endgültig fest, sagte Jens Rauterberg vom Havariekommando. Das würden erst die genauen Analysen zeigen.

Die Weigerung der Atlantik-Anrainerstaaten, der "MSC Flaminia" im Rahmen des existierenden europäischen Havarie-Notfallkonzepts einen Liegeplatz anzubieten, sorgte in Deutschland für Irritationen. Der Verband Deutscher Reeder (VDR) kündigte am Freitag an, den Fall dem europäischen Reederverband vorzulegen. Die Grünen im deutschen Bundestag forderten Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) auf, auf EU-Ebene schnellstens über ein verbindliches Nothafenkonzept zu verhandeln. (APA, 9.9.2012)

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24 Postings
Testosteron geladen!

Na das kann ja tatsächlich zu ganz schlimme Auswirkungen auf Fauna und Bevölkerung haben.

Da hat mans schon schwer: rundherum nur Wasser aber trotzdem brennt alles ab!

warum hätten die engländer oder französen das schiff anlegen lassen sollen?

imerhin ist der entfernungsunterschied zwischen brandherd und gb/f-küste und de quasi vernachlässigbar. und deutschland selbst wollte das schiff ja wohl auch nicht haben, da brauchen sie sich jetzt wirklich nicht beschweren.

Ich würde vorschlagen Sie schauen mal auf Google-Map

Das Schiff mußte nun mangels Liegeplatz in GB oder F durch den ÄRMELKANAL fahren und ich denke dadurch entstand eine zusätzliche und völlig unnötige Gefahr für den Schiffsverkehr, als wenn das Schiff vorher hätte anlegen können. Jedenfalls aus meiner Sicht wäre es wünschenswert gewesen, wenn das Schiff schon viel früher hätte anlegen können, das macht mehrere Tage/Seemeilen aus.

offensichtlich gabats da so ein notfallkonzept, auf das gb und f in diesem fall aber anscheinend vergessen haben (letzter absatz)

keiner will verantwortung und kosten tragen - drum is atomenergie ja grün und das billigste und beste!!!!

So abergläubisch wie die Seefahrer sind, haben die ihr Schiff tatsächlich Flaminia genannt?

Das hat ja so kommen müssen.

Seeleute sind nicht abergläubisch

wegen eines Namens. Ich zähle aus eigener Erfahrung (auf nordischen Schiffen) auf, was Unglück bringt:

Hufeisen
Regenschirm
Pastoren und Pfarrer, die Schiffe besuchen.

Wir hatten einmal eine 3-Tage dauernde Serie von andauernden Maschinenstopps und -reparaturen. Bis der 2. Ingenieur durch Zufall herausfand, dass einer von der Maschinenbesatzung sich eine Mini-Wetterstation in Form eines Hufeisens für seine Kabine gekauft hatte.
Auf dringendes Anraten des gestressten Ingenieurs (ein 2-Meter-Norweger!) wurde das Ding sofort über Bord entsorgt.

Die nächsten 14 Tage verliefen im Maschinenraum ohne besondere Probleme...grins......grins.....

nomen est omen
einmal mehr

..ihr Schiff tatsächlich Flaminia genannt

namen werden nicht von den seeleuten vergeben

Ich wusste garnicht das Charleston einen großen Hafen hat ...

Sind schon lustig, die Engländer und Franzosen.

Bezüglich des radioaktiven Abwassers, welches diese beiden Nationen seit Jahrzehnten aus ihren Atomanlagen direkt ins Meer einleiten, haben sie ja interessanterweise nicht so große Sicherheitsbedenken.

Was war mit der Crew? - Ist die bei Ausbruch des Brandes geborgen worden? - Und warum Irrfahrt? - Wer hat das Schiff gesteuert? - Ich kann mir vorstellen, dass in dieser verseuchten Umgebung niemand gern den Captain spielt....

Als Mannschaft

sind (waren) an Bord:

5 Deutsche (wahrscheinlich Kapitän, Chefingenieur und 3 weitere leitende Offiziere -der 1. Offizier bei Explosion verstorben)

15 Philipinos

3 Polen

2 Passagiere

Die Reederei bietet auch ein paar Passagierskabinen auf diesem Schiff an.

Irrfahrt --> weil man zuerst in Frankreich bzw. England (was geographisch viel näher liegt als Deutschland) in einen Nothafen wollte und niemand das Schiff anlegen ließ.

Flaminia

Nomen est omen

Aber nichts gegen die Brände
der WTC .
Nichteinmal die Schiffswand ist geschmolzen

Mitunter wäre der Eigner froh gewesen, wenn der Pott überhaupt gleich abgesoffen wäre.

hab ich mir auch gedacht. wobei ich der reederei meinen respekt zollen muss, dass sie beim absaufen nicht nachgeholfen haben.

... wahrscheinlich auch nur, weil der Bau eines neuen Schiffes teurer kommt als die Reparatur. Außerdem was würde Greenpeace oder so machen (besonders da ja alles in den Medien war)

Also wenn ich mir die Bilder so anschau, kann ich mir nicht vorstellen, dass da noch was zu reparieren wäre.

Ich denke da liegst Du falsch.

Erst werden die unbeschädigten Container entladen, dann der ausgebrannte Schrott.

Das teuerste an einem Schiffbau ist der Maschinenraum mit Hauptmotor, Hilfsmotoren und elektrischer Installation sowie der Aufbau mit der Navigationsbrücke.

Beide haben laut Berichten nicht unter dem Feuer gelitten.

Man wird den Containerfrachter in ein Drockendock bringen, die ausgeglühte Sektion des Vorschiffes wird herausgeschnitten und durch eine neue ersetzt.

Und wenn es die gesamt-Stabilität zulässt, vielleicht sogar etwas verlängern, um noch 1oder 2 Reihen Container zusätzlich transportieren zu können.

Shareholders value........

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