Containerschiff Flaminia nach Irrfahrt in deutschem Hafen gelandet

  • Am 14. Juli war im Laderaum der "MSC Flaminia" Feuer ausgebrochen.
    foto: dapd/reederei nsb

    Am 14. Juli war im Laderaum der "MSC Flaminia" Feuer ausgebrochen.

  • Am Sonntagabend landete das Containerschiff im JadeWeserPort bei Wilhelmshaven.
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    Am Sonntagabend landete das Containerschiff im JadeWeserPort bei Wilhelmshaven.

  • Der havarierte Frachter musste einen weiten Weg zurücklegen, ehe er in einem Hafen landen konnte.
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    Der havarierte Frachter musste einen weiten Weg zurücklegen, ehe er in einem Hafen landen konnte.

Bereits im Juli hatte es auf dem mit Industriechemikalien beladenen Frachter gebrannt - Erst jetzt konnte das havarierte Schiff anlegen

Cuxhaven - Nach ihrer zweimonatigen Irrfahrt ist die durch einen Brand schwer beschädigte "MSC Flaminia" am Ziel: Das Containerschiff dockte am Sonntagabend im JadeWeserPort bei Wilhelmshaven (deutsches Bundesland Niedersachsen) an, wie das Havariekommando in Cuxhaven mitteilte. Die Fahrt sei ohne Probleme verlaufen. Der Liegeplatz des havarierten Schiffs im Hafen ist weiträumig abgesperrt.

Der Schleppverband habe in der Früh gegen 08.00 Uhr die Tiefwasserreede bei Helgoland verlassen und "zügig den Weg nach Wilhelmshaven zurückgelegt", teilte das Havariekommando mit. Die Fahrt verlief demnach reibungslos. In den kommenden Tagen gebe es "aus Arbeitsschutzgründen weitere Untersuchungen an Bord der MSC Flaminia".

Kontaminiertes Löschwasser

Anschließend werde ein noch vermisster Seemann gesucht, bevor mit dem Entladen des Schiffes begonnen werde. Dafür ist jedoch auch die Zustimmung der Staatsanwaltschaft erforderlich. Das Entladen und die Entsorgung des mit Giftstoffen kontaminierten Löschwassers wird nach Angaben des Havariekommandos mehrere Wochen dauern.

Die Havarie der "MSC Flaminia" hielt den deutschen Eigner, die Reederei NSB, und die Behörden mehrerer europäischer Länder wochenlang in Atem. An Bord des mit mehr als 2800 Containern beladenen Schiffs war am 14. Juli auf dem Atlantik ein Feuer ausgebrochen, Teile der Ladung explodierten. Ein Seemann starb, ein Crewmitglied wird seitdem vermisst, drei weitere wurden verletzt. Die Feuer in den riesigen Laderäumen des 289 Meter langen Frachters wüteten tagelang unkontrolliert, letzte Brandnester wurden erst vor kurzem gelöscht.

Anrainerstaaten verweigerten Notliegeplatz

Atlantik-Anrainerstaaten wie Großbritannien und Frankreich hatten dem Schiff keinen Notliegeplatz zur Verfügung gestellt. Nach wochenlangen Verhandlungen hatte sich Deutschland als verantwortlicher Flaggenstaat daher bereit erklärt, den Frachter in seine Gewässer zu schleppen und die Ladung dort bergen zu lassen.

Sorgen bereiten vor allem die an Bord befindlichen Container mit Gefahrgut, von denen eine potenzielle Umweltgefahr ausgeht. Die "MSC Flaminia" hatte nach Angaben des Havariekommandos 151 Boxen mit bedenklichen Industriechemikalien geladen - darunter etwa Klebstoffe, der pharmazeutische Grundstoff Testosteron, entzündliche Kosmetik-Sprays sowie Nitromethan, ein brennbares Lösungs- und Reinigungsmittel, das auch als Treibstoffzusatz im Motorsport verwendet wird. Etwa 100 Gefahrgut-Container sind durch Brände beschädigt oder zerstört worden.

Indutriechemikalien

Eine besondere Herausforderung sind dem deutschen Havariekommando zufolge vor allem die größeren Löschwassermengen im Schiffsrumpf, die durch Gefahrgut- und Brandrückstände verunreinigt sind. Auch sie müssten sicher geborgen und entsorgt werden, teilte das deutsche Krisenzentrum für maritime Notfälle mit. Die Lage auf dem Schiff ist nach Angaben des Havariekommandos und der Reederei stabil, akute sicherheitstechnische Probleme bestehen demnach derzeit nicht. Wie stark die 20 Millionen Liter Löschwasser kontaminiert seien, stehe noch nicht endgültig fest, sagte Jens Rauterberg vom Havariekommando. Das würden erst die genauen Analysen zeigen.

Die Weigerung der Atlantik-Anrainerstaaten, der "MSC Flaminia" im Rahmen des existierenden europäischen Havarie-Notfallkonzepts einen Liegeplatz anzubieten, sorgte in Deutschland für Irritationen. Der Verband Deutscher Reeder (VDR) kündigte am Freitag an, den Fall dem europäischen Reederverband vorzulegen. Die Grünen im deutschen Bundestag forderten Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) auf, auf EU-Ebene schnellstens über ein verbindliches Nothafenkonzept zu verhandeln. (APA, 9.9.2012)

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