Am 6. November wird das geringere Übel gewählt

Analyse
9. September 2012, 18:17
  • Zu herzlichen Umarmungen zwischen Mitt Romney und Barack Obama wird es 
im echten Leben nicht kommen - das bleibt zwei Demonstranten mit Masken 
der beiden Politiker vorbehalten.
    foto: dapd/burton

    Zu herzlichen Umarmungen zwischen Mitt Romney und Barack Obama wird es im echten Leben nicht kommen - das bleibt zwei Demonstranten mit Masken der beiden Politiker vorbehalten.

Die Konzepte beider Kandidaten haben Schwächen, die US-Bürger rätseln, wem sie ihre Stimme bei der Präsidentenwahl geben sollen

Tiefer als in den vergangenen Jahren sind in diesem Wahlkampf die Gräben zwischen Republikanern und Demokraten in den USA.

 

Nein, die Wiedervereinigten Staaten von Amerika stehen diesmal nicht zur Debatte. Vor vier Jahren noch hatte die Sehnsucht, die Schluchten der Politik mithilfe eines weitgehend unbekannten, ergo unbelasteten Brückenbauers zu überwinden, dazu geführt, dass Senkrechtstarter Barack Obama auf einer Welle der Begeisterung bis ins Weiße Haus surfte. Den idealistischen Parolen des Jahres 2008 folgt heute ein beinhartes Duell: Keiner der Protagonisten spricht mehr vom nationalen Brückenschlag - dafür umso prägnanter von ideologischen Gräben.

Es geht, wie so oft, um den American Dream, der von großartigen Aufstiegschancen handelt. Es geht um das Credo einer Republik, deren Bürger, mit Ausnahme der Ureinwohner und der afroamerikanischen Sklaven, alle irgendwann einmal voller Hoffnung über den Atlantik, den Pazifik oder den Rio Grande kamen, um von vorn anzufangen. Es geht um die Frage, welche Rolle der Staat spielen soll in diesem amerikanischen Traum.

Obamas Symbolfigur ist das begabte Mädchen aus einfachen Verhältnissen, das nur mithilfe eines Stipendiums und staatlicher Darlehen studieren kann. Ihr den Weg zu ebnen, muss nach Obamas Vision die vornehmste Pflicht des Gemeinwesens sein und kann nicht allein der Spendierfreude vermögender Privatleute überlassen werden.

"Wir glauben nicht, dass die Regierung all unsere Probleme zu lösen vermag. Wir glauben aber auch nicht, dass die Regierung die Quelle all unserer Probleme ist", lauteten zwei Schlüsselsätze Obamas auf dem Parteikongress der Demokraten in Charlotte.

Die Republikaner dagegen warnen vor einem immer rigider bevormundenden "Nanny"-Staat, einer Attacke auf Amerikas ureigene Werte. Für sie bedeutet der Ansatz, wonach Uncle Sam den Mittellosen beim Start ins Berufsleben zu helfen hat, einen Angriff auf die persönliche Freiheit, den man weder dem Empfänger der Hilfe zumuten kann noch dem Steuerzahler.

"Amerikanischer Traum"

"Der amerikanische Traum ist die Fähigkeit, seinen eigenen Pfad durchs Leben zu finden", lautet ein Schlüsselsatz Paul Ryans, des neuen Ideologen der Konservativen. "Das nennt sich Freiheit, und ich ziehe es der Aufsicht und der Scheinheiligkeit zentraler Planer jeden Tag vor."

Während die Demokraten den Sinn staatlicher Investitionen ebenso wie die Notwendigkeit sozialer Netze beschwören, setzen die Republikaner konsequent auf niedrigere Staatsausgaben und Steuern. Die Trennlinien sind eindeutig markiert; wenn man so will, ist es der ehrlichste Wahlkampf seit langem. Es bedurfte eines Paul Ryan, um die Kontraste deutlich zu machen. Mitt Romney, Obamas Herausforderer, ist von Haus aus eher ein Mann der Mitte, jedenfalls war er das, als er Massachusetts als Gouverneur regierte. Erst mit Ryan, einem robusten Sanierer, sind die Konservativen aus der Deckung gekommen.

Nun geht es nicht mehr nur um die Frage, wer der bessere Ma nager für America Incorporated wäre: Obama oder Romney. Es geht um das Selbstverständnis einer Nation. Wie sollen die USA herausklettern aus dem Tal der Selbstzweifel? Geleitet von Onkel Sam? Oder durch den Kraftakt jenes kantigen Individualismus, wie er seit jeher - nicht selten romantisch verklärt - zur amerikanischen Saga gehört? Wenn nicht alles täuscht, sehen es die Wähler ziemlich genau fifty-fifty, weshalb es ein knappes Rennen werden dürfte am 6. November.

Die Philosophie der Demokraten hat in den vergangenen vier Jahren magere Früchte getragen. Es interessiert die verunsicherten, zugleich ungeduldigen Amerikaner nur am Rande, dass Obama 2009 ein schweres Erbe antrat.

Theorie und Praxis

Die Republikaner wiederum haben unter George W. Bush bewiesen, dass ihr theoretischer Ansatz in der Praxis nicht von Erfolg gekrönt ist; dass sie von vernünftigem Wirtschaften wenig verstehen, wenn sie Steuerkürzungen durchsetzen, die nicht gegen finanziert sind.

Dass es unter einem Präsidenten Romney besser, kompetenter laufen würde als unter Bush, dafür gibt es keine Garantie. Kurz um, für viele läuft es am 6. November auf die Wahl des kleineren Übels hinaus - so klar ideologischen Trennlinien auch gezogen sein mögen. (Frank Herrmann aus Washington /DER STANDARD, 10.9.2012)

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Romney versucht Rebranding

Nach Monaten mit teuren Hasskampagnen in den Swingstates, die Romney rein gar nichts eingebracht haben und dem Einbruch in den Umfragen nach dem Parteitag der Demokraten gibt es Anzeichen für ein "Rebranding" der Romney-Kampagne.

Erst setzt man in Ohio (!), Pennsylvannia und Michigan die TV-Spots aus. Nun lobt er Clinton und erklärt, er würde Teile der Gesundheitsreform Obama's mögen und beibehalten. Außerdem kündigt er an, im Falle einer Wahl mit den Demokraten zusammenarbeiten zu wollen:

Hochriskante Strategie. Möglicherweise bereits ein Zeichen schierer Panik im Romneylager.

Ist leider nur nicht das erste Rebranding Romneys. Ich glaube, er verwirrt nur damit nur seine Anhänger und verspielt seine letzte Glaubwürdigkeit.

Er bestätigt seinen Ruf als Flip-Flopper

Und das wird entscheident zur Demotivation seines doch erstaunlich großen rechten Wählerrandes beitragen.

BEIDE SIND SCHLECHT.

egal ob obama oder mitt romney die USA wird genauso weitermachen wie bisher kriege und wirtschaftskrise.
das eine übel geht und das andere übel kommt als hätte man da wirklich eine bessere wahl da kann man nur lachen.

Die Konzepte beider Kandidaten haben Schwächen, die US-Bürger rätseln, wem sie ihre Stimme bei der Präsidentenwahl geben sollen

Wie kommts - ich dachte Obama sei der Überflieger.

Er selbst hat sich ja vor 4 Jahren noch als den nächsten Licoln gesehen...

Viel zu früh, ihn einzuordnen

Die historische Bedeutung eines Präsidenten lässt sich erst mit dem Abstand von mind. 10-15 Jahren nach seiner Amtszeit erstmals beurteilen.

Apropos Lincoln: Lesen Sie mal den deutschen Wikipedia-Artikel über ihn: Er stand im Kriegsjahr 1864 zur Wiederwahl. Im Spätsommer (!) des Wahljahres war er (genau wie der Krieg an sich) so unpopular, dass er selbst mit seiner Abwahl fest rechnete.

Sein Gegner (ein Demokrat namens McClellan) warb für sich mit dem Programm, dem Süden einen Verhandlungsfrieden anzubieten, der letztlich dessen Unabhängigkeit abgesegnet hätte. Und lag damit im Sommer weit vor Lincoln!

Erst durch militärische Erfolge im Sep. und Okt., die eine Niederlage des Südens in greifbare Nähe rückten, wendete sich das Blatt.

Für die matte Performance von Obama sind leider seine eigenen Fans schuld.

Würde man Politik pragmatisch und ideologiearm betrachten, würde man Obama einige ganz passable Erfolge zugestehen, und die damit vergleichen, was eine republikanische Administration geschafft hätte.

Aber leider musste man ja Obama zum Messias erklären, und in seine Politik alle Wünsche ans Christkind hineinphantasieren, die jeder von der Mitte bis nach Links seit Jahrzehnten so hat.
Dass deren Umsetzung nicht möglich sein wird, schon gar nicht in einer Demokratie, war klar.

Es wäre nicht schlecht, würde man auch auf der linken Seite einsehen, dass Politik die Kunst des Möglichen ist, und nicht die Kunst der möglichst schönen Formulierung von Wünschen.

Wenn man etwa die Rede Clintons verfolgt, streicht dieser sehr wohl Erfolge Obamas heraus und stellt sie nicht erbrachten Leistungen der Reps gegenüber.
Meiner Meinung nach ist die große Aufgabe eher, den Lügen, die etwa Paul Ryan verbreitet, schlagkräftig und vor allem medienwirksam entgegen zu treten.

Es geht ja nicht um Wahlkampfreden von politischen Freunden.

Schon gar nicht von Gegnern, die naturgemäß Schlechtes erzählen.
Es geht um die übliche Enttäuschung, die viele Wähler von Politikern links der Mitte nach einer Regierungsperiode haben. Weil schon der Wahlkampf oft nichts mit Realpolitik zu tun gehabt hat, sondern mit Träumen und Gefühlen. Und das, weil sie genau das hören wollen.

"Für eine bessere Welt! Alle sollen sich ganz lieb haben! Keiner wird mehr arm sein!" Einfach Wohlfühl-Phrasen. Das ist aber in der Realität nicht machbar. Die Welt ist die Welt, und die Menschen sind die Menschen. Ein paar Prozent von irgendwas machen keine Emotionen. Also sind sie enttäuscht, weil die Phrasen nicht halten, was sie versprechen.

Bei jeder Wahl

wird das kleinere Übel gewählt.

Nur bei indirekter "Demokratie".

Bei direkter Demokratie wählt man direkt die Ideen.

Gilt die Headline nicht genau so auch für uns?

Ach ja, das Datum stimmt nicht.

die amis haben immerhin die chance, eine partei aus der regierung rauszuwählen

bei uns ist die övp 26 jahre lang schon drin und irgendwie kriegt man sie nicht los ...

Wäre es bei uns wie in Amerika, hätten wir in den letzten Jahrzehnten aber auch häufig eine ÖVP-Alleinregierung gehabt. Ist das wirklich besser?

jetzt schauen die republikaner sogar bei den kommunisten ab:

http://2.bp.blogspot.com/--SXXOaUz... 00x212.jpg

War nur eine Frage der Zeit, nachdem der Obumma ja mit dem Slogan…

…"VORWÄRTS" arbeitet…

Ob Pest oder Cholera - Dr. Goldman gewinnt!

Ja, inzwischen haben wir ja auch diese herrliche "Demokratie": Egal, was man ankreuzt, es gewinnt immer Goldman-Sachs.

Volle Zustimmung.

Dazu kommt natürlich noch die Show, damit sich jeder einreden kann das es nicht so wäre.

Den Titel des Kommentars kann man nur unterschreiben.

Der Korrupti im Weissen Haus wird auch in der zweiten Legislaturperiode nichts zustandebringen (trotz Mehrheiten in beiden Häusern des Parlaments hat er NICHTS erreicht), die Kriegstreibereien im Nahen Osten fortsetzen und die Folterlager weiterführen.

Nur... die andere Fraktion wäre wohl noch schlimmer.

Wer vom "unbelasteten Brückenbauer" zum "kleineren Übel" wird - beides Originalzitate aus dem Text! -,

warum sollte man den wählen: Noch offenkundiger kann man nicht scheitern.

Und noch unverständlicher ist es, weshalb das "kleinere Übel" immer noch protegiert wird, als wäre er immer noch ein "Brückenbauer".

Sie haben die Frage bereits selbst beantwort

Das kleinere Übel ist unterstützenswert weil es das kleinere Übel ist und nicht das größere. In diesem Fall besteht die Wahl zwischen dem kleineren Übel und der Apokalypse (die außenpolitschen Vorstellungen der Republikaner würden zwangsläufig zum 3. Weltkrieg führen). Mit diesen Aussichten unterstütze ich voller Begeisterung das kleinere Übel.

Der Kommentator schreibt: "Die Trennlinien sind eindeutig markiert; wenn man so will, ist es der ehrlichste Wahlkampf seit langem."

Also das ist eine Schlussfolgerung die ich gar nicht nachvollziehen kann. Ich verfolge die US Innenpolitik in Detail seit ca. 15 Jahren, aber ich glaube kaum dass (hauptsaechlich auf Seiten der Republikaner) jemals so viel gelogen wurde.

Paul Ryan hat mittlerweile einen neuen Spitznamen in den USA: Lyin Ryan, weil er quasi luegt sobald er den Mund aufmacht. Romney luegt weniger einfach daher weil er selten etwas konkret genug sagt um in einer Luege ueberfuehren zu koennen.

Und Obama hat das Brueckenbauen aufgegeben weil Republikaner wie John Boehner klargemacht haben dass sie jede Kompromisse verweigern.

[?]

@ "Individualismus versus Solidarität: Beide Konzepte haben ihre Schwächen":

was ist die "Schäche" von Solidarität ?

"was ist die "Schäche" von Solidarität ?"

Hab gerade dieses Thema mit einer Freundin der Familie gestern gesprochen. Sie ist 55 Jahre alt, hat geschwollene Knie, und fühlt sich deshalb berechtigt, in Fühpension zu gehen. Das die geschwollenen Knie mit einer schnellen Operation sich leicht korrigieren lassen, ist ihr völlig egal. Sie geht von einem Amt zum anderen, und kämpft mit Hand und Fuss, obwohl ihr den Antrag auf Frühpension schon mehrmals abgelehnt wurde. Sie ist jetzt seit Monaten in Krankenstand (und ist gerade vom Urlaub im Ausland zurückgekommen), und hat einfach keinen Bock mehr, in der Früh wegen der Arbeit aufstehen zu müssen.

Anders formuliert, sie darf gratis fahren nur weil der Rest von uns fleißig einzahlen. Genau DAS ist die Schwäche der Solidarität!

Jedes Versicherungsprinzip basiert auf Solidarität!

Das ist doch der Sinn einer Versicherung, natürlich wenn Sie jetzt von einem Mißbrauch (Ihrer Meinung nach) schildern, was wollen Sie eigentlich mit Ihrem Post sagen?

"Schwäche der Solidarität" ?!! Also, generell Versicherungen abschaffen, weil aber auch JEDE Versicherung auf Solidarität basiert, ganz egal ob der Versicherungsträger privat oder staatlich ist, und da die Solidarität "Schächen" hat?

Mißbrauch gibt es immer, und die Pension wurde ihr ja bis jetzt verwehrt, dafür gibt es ja Kontrollinstanzen, und soweit ich weiß, ist es nicht erlaubt im Krankenstand auf Urlaub zu fahren, außer Sie hat sich im Urlaubsort, wieder krankgemeldet, kein Wechsel des Aufenthaltortes während des Krankenstandes.

"Also, generell Versicherungen abschaffen, weil aber auch JEDE Versicherung auf Solidarität basiert, ganz egal ob der Versicherungsträger privat oder staatlich ist, und da die Solidarität 'Schächen' hat?"

Bitte mir Worte in den Mund nicht legen! Ich habe lediglich eine Schwäche der Solidarität aufgezeigt. Hab nichts wegen "abschaffen" gesagt!

"Mißbrauch gibt es immer, ... und soweit ich weiß, ist es nicht erlaubt im Krankenstand auf Urlaub zu fahren"

Ich habe mehrere Jahre AMS-Kunden betreut und kann daher von eigener Erfahrung sagen, dass in der Sommerzeit sehr wenige Termine eingehalten werden. Warum? Die meisten melden sich krank und fahren danns ins Ausland auf Urlaub. Das ist der bekannteste Trick überhaupt! In einem Fall war eine Frau 3 monatelang auf Asientour während des Krankenstands.

Die Schwächen der Solidarität lassen sich von der Spieltheorie sehr elegant vorhergesagt sowie wissenschaftlich erklärt.

http://tinyurl.com/9snry

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