Rudern in Wien: Die Schwellenangst vor dem schmalen Boot

Thomas Rottenberg
9. September 2012, 17:59
  • Wien zählt heute 15 Rudervereine: 14 klassische und einen, der venezianisch Gondel fährt.
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    foto: heribert corn

    Wien zählt heute 15 Rudervereine: 14 klassische und einen, der venezianisch Gondel fährt.

Viele schwärmen vom Rudern, nur 4000 Wiener tun es

Wien - In den frühen Morgenstunden kann es auf der Alten Donau in Wien eng werden. Schließlich braucht so ein Ruderboot Platz. Beidseitig - und nach vorn: Bis zu 20 Kilometer pro Stunde kann ein gut eingespielter Achter erreichen. "Um da mitzuhalten, braucht man einen echten Außenbordmotor", sagt Christof Schmölzer. Auch dann, wenn sich "nur" Normalverbraucher in die Riemen legen. "Rudern", erklärt der vierfache Weltmeister (Doppelzweier und -vierer), "ist im Grunde der Gesundheitsbreitensport schlechthin."

Auch wenn es an einem sonnigen Morgen an der Alten Donau anders aussieht, beklagt der Zahnarzt eines: Rudern ist ein Konjunktiv-Sport. Viele Menschen schwärmen vom ästhetisch ansprechenden, sanften, den ganzen Körper aktivierenden und de facto verletzungsrisikofreien Sport. Aber nicht einmal 4000 Wiener rudern. Und versäumen einiges: "In der Früh alleine über das spiegelglatte Wasser zu ziehen hat etwas Meditatives. Und zu spüren, wie aus einer Gruppe Einzelner ein Team wird, ist jedes Mal toll."

Gros der Sportler über 35

Freilich: Um derlei wirklich genießen zu können, braucht man "eine gewisse Reife" (Schmölzer). Auch das, so der 50-Jährige vom Ruderclub Pirat, mache Rudern zum idealen urbanen Breitensport: Der Jugendlichkeitswahn entfällt. Das Gros der Freizeitsportler ist über 35. Nicht ohne Grund spricht der Ehrenpräsident des Wiener Ruderverbandes, Günter Woch, scherzhaft von "Mumien-Achtern" mit denen er fahre. Woch ist 73. Und manchmal einer der Jüngeren im Boot.

Rudern hat in Wien Tradition. Mitte des 19. Jahrhunderts kam die Idee des zweckfreien Ruderns aus England nach Wien. 1863 wurde der erste Verein gegründet: Die Lia - benannt nach der Frau eines Gründungsmitglieds. Doch bis Frauen nicht bloß als Namensgeberinnen fungierten, dauerte es: In der NS-Zeit war "Frauenrudern" Teil der politisierten Sportideologie, aber erst 1955 gab es die ersten österreichischen Frauenmeisterschaften. Olympisch rudern durften Frauen erst 1976, Männer schon seit 1900.

Funktionäre waren unter sich

Heute gibt es in Wien 15 Rudervereine (österreichweit 50). 14 klassische und einen, der venezianisch Gondel fährt (Voga Veneta Vienna). Die Mehrzahl der Clubs ist an der Alten Donau daheim. Das Potenzial der Lage, so Schmölzer, wisse man heute zu nutzen: "Früher blieben Funktionäre auf den Wiesen vor den Bootshäusern lieber unter sich. Heute lädt jeder Verein zum Anfängerrudern."

Wer einmal Spaß am Rudern gefunden hat, bleibt meist dabei: Als Günter Woch 13 Jahre alt war, brachte der Turnlehrer die Klasse zu einem Ruderverein. "Heute rudern noch zehn von uns." Umso mehr schmerzt heute der Blick ins Ausland: Dass Schule und Sport anderswo intensiv zusammenarbeiten, mache ja nicht bloß gesundheitspolitisch Sinn, verweist Schmölzer auf die Medaillen-Schlappe bei Olympia: Dass nicht nur seinem Sport da so manches Talent entgehe, sei da "nicht wirklich tröstlich". (Thomas Rottenberg, DER STANDARD, 10.9.2012)

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Bewegung am Wasser, super! Aber wer dabei

* vorwärts fahren
* mit einem Antriebsobjekt auskommen
* das Boot für Fahrten andernorts bequem am Autodach transportieren
* auch schmale Kanäle (z.B. Au) befahren
* in der Gruppe Welle fahren (analog zum Windschattenfahren beim Radsport)
* die Zeit nicht mit 10er Schlüssel und Wasserwaage an Land, sondern am Wasser verbringen
* auf der Donau Schiffswellen surfen (für Fortgeschrittene ;-)

möchte, möge darüber nachdenken Kajakfahren zu gehen. Weitere Vorteile sind niedrigere Mitgliedsbeiträge und die dennoch größere Exklusivität, Paddler gibt's in Wien nämlich keine 400. Und Booten, die Odin, Thor oder Freya heißen bzw. Leuten, die Boote mit Vorliebe so nennen, kommt man auch aus. Soviel dazu

das ist mein stichwort.
bei welchem klub sind sie, welchen können sie empfehlen?

Ich bin beim WPK in der Kuchelau, ein Klub, den ich uneingeschränkt empfehlen kann. Bei Interesse daran oder auch allgemeinen Fragen zu Paddeln in Wien Mail an w-pk@gmx.at, wird unverzüglich beantwortet (von mir ;-).

In aller Kürze, Informationen zu allen Vereinen gibt's hier:

http://www.wienerkanuverband.at/index-Dat... age483.htm

TVN, SWW und WAT sind ebenfalls in der Kuchelau, der PSV ist an der alten Donau. UKK und Edelweiß sind direkt an der Donau (Brigittaspitz bzw. etwas stromab).

danke!
habe mich schon bei edelweiss erkundigt und bei den naturfreunden reingelugt, aber es hat (noch) nicht "geklickt".

Wär schön, wenn sich die Ruderer auch den Schwimmern gegenüber kooperativ verhielten ... aber die "Mia san mia" Taktik ist in den meisten Köpfen leider vorhanden und dann das Ruder auf des Schwimmers Kopf ...

setzen sie sich mal in ein boot
dann versuchen sie einen schwimmer auszumachen
wenn sie mit dem rücken zur fahrtrichtung sitzen

mein tip
konstruieren sie neue boote
die ruderer haben sicher nichts dagegen

eigenartiges Argument

Dann schwimmen Sie mal und versuchen ein Boot, das von hinten kommt auszumachen.
Das ist genau der Grund, warum ich mich in der alten Donau nicht schwimmen traue. Trotz grellgelber Badekappe.
Wenn Ihr Ruderer nun Schwimmer übersehen müsst (weil versuchen Sie mal, einen Schwimmer auszumachen, wenn Sie mit dem Rücken zur Fahrtrichtung sitzen), warum überseht Ihr dann keine anderen Boote? Oder kracht es sowieso laufend.

hcl3 hätte halt gerne, dass du entweder ständig rotierst oder dir rückspiegel auf die kappe montierst

Ruderclub Austria

Einer der schönesten Plätze zu rudern ist der Ruderverein Austria in der Kuchelau www.ruderclub.at

leider nicht ganz passend zu diesem artikel.

"Achtung: Wegen Überlastung bis auf Weiteres keine Anfänger-Ausbildung!

Aufgenommen werden weiterhin Schüler, Junioren und geübte Sportruderer!"

Würde sofort liebend gerne zu rudern beginnen, leider ist die Anfahrt nach Wien mit über einer Stunde fast zu weit, um diesen Sport regelmäßig zu betreiben.

nochmals hamburg:
wie unterentwickelt rudern in wien ist, ist mir in hamburg aufgefallen. die ruderer haben auf den kanälen sowieso vorrang (alster weiß ich nicht) und ziehen mit mordskaracho vorbei, die jungen werden trainiert, aber hallo, per beifahrerboot und lautsprecher (hat sich hier im forum wer über schreiende ruderer aufgeregt?), man sieht viele "alte", im 8-er sitzt einer in fahrtrichtung und dirigiert schreiend (ich kenn mich nicht aus, aber habe ich auf der AD nicht erspäht), all das zu jeder tageszeit. also, I was very impressed. eine goldmedaille im ruder-8er und eine silber im ruder-4er gingen an DE. wenn man oben liest, wie super es sich in den morgenstunden rudert, muss man sich wundern.

Rudern in Hamburg

Ich hab bis jetzt in Wien gerudert und ziehe im Oktober nach Hamburg. Ich suche gerade einen Verein, kannst du zufällig einen empfehlen?

Pirat

www.pirat.at (die sind auch im foto zu sehen - und dort ist der zitierter Herr Schmolzer zuhause)

bin ich nicht die richtige ansprechperson. es gibt einige vereine und abhängig von wohnort, ansprüchen und gesinnung (gibt auch urkonsi vereine) sollte es kein problem sein, fündig zu werden. good luck!

die schwellenangst der austrianer gegenüber jeglichem profisport ist generell riesig. zähle andere länder auf, wo der sport so niedrig gehalten wird. mir fällt jetzt keines ein.

Zitat: "Rudern hat in Wien Tradition."

Gibt es da auch so einen Klassiker ala Oxford-Cambridge?
Boku-Juridicum vielleicht ;-)

Es gab vor einigen Jahren das "Blaue Band von Wörthersee" - ich weiß nicht, ob diese Regatta heute noch abgehalten wird. Auf dieser Regatta haben auch die Mannschaften von Oxford und Cambridge (8er) mitgemacht.

die beiden grad nicht
durch eklatante rechtslastigkeit
würden beide mannschaften im kreis rudern.

Dann könnte man ja Rundenbestzeiten stoppen, das wäre doch eine Innovation!

Kann nur aus meinen Rudererfahrungen sprechen:
(Ruderer=Rudererin+Ruderer)
Ruderer schreien prinzipiell nicht und auch keine SeglerInnen an.
Als Ruderer muss man auch Gepöbel vom Ufer ertragen...
Ruderer schreien meist kurz vor Kollisionen.
Rudern erfordert Konzentration und Übung,zusätzlich sich dauernd umzudrehen und auf der Suche nach der "freien Bahn" zu sein ist noch schwieriger.
Prinzipiell sind die sozialen Kontakte auf dem Wasser auch schön. Jeder auf seine Weise.
Ich liebe es zu rudern!

"Ruderer schreien prinzipiell nicht"

Bin kein Ruderer aber in so einem Gruppenboot schreit doch dieser nichtrudernde "taktgeber" so laut das ich 300m weiter noch ohrensausen bekomm. am lustigsten find ich es bei so einem Frauen-Ruder 8ter wenn so ein kleiner Knirps die Frauen im Takt anschreit.

Wenn in einem von 20 Booten auf der Alten Donau ein Steuermann mitfährt, dann ist es viel. Und selbst wenn, ist dieser meist nicht besonders laut - schließlich rudern hier fast alle nur zum Spaß und sind nicht im Leistungstraining, bei dem so etwas vielleicht notwendig ist.

gebühren LIA:

aufnahmegebühr: 220,- (einmalig)
jahresgebür: 430,-
kästchengebür 25,-

Ich bin Open Canadier-Fahrer und zahle f mein boot 95,- einstellgebühr pro jahr. und sonst nix! hätt ich einen garten, würd ich mir auch das ersparen.

...

Dafür bekommt man aber auch wirklich einiges ---> Gleichgesinnte, Boote um zig Hunderttausend €, privat(bade)steg, Terrasse, Garten, Kantine, Sauna, Kraftkammer, etc pp

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