Griechenland soll mit Lohnverlust wachsen

Bis Ende der kommenden Woche soll das"letzte" Sparpaket stehen, dabei ist der Mindestlohn der Griechen im Visier

Das Bild ist reichlich bekannt. Tausende Griechen protestieren schwerpunktmäßig in Thessaloniki - gegen den von der EU auferlegten Sparkurs, die Zuchtmeister prüfen die bisherigen Erfolge bei der Umsetzung der Auflagen, und die Regierung sucht verzweifelt Milliarden, um die Budgetlücke zu stopfen. Am Sonntag beriet der konservative Ministerpräsident Antonis Samaras mit seinen beiden linken Koalitionspartnern über die Finalisierung der Einsparungen von 11,5 Milliarden Euro.

Das Paket soll bis Ende der Woche stehen und das letzte sein, wie Samaras betonte. Am Montag trifft er die Troika mit Vertretern des Internationalen Währungsfonds, der Europäischen Zentralbank und der EU-Kommission. Zuletzt machten Nachrichten die Runde, die internationalen Geldgeber drängten auf eine weitere Senkung des Mindestlohns, der bereits um 165 auf 586 Euro gekürzt worden ist. Auch von flexibleren Arbeitszeiten mit der Ermöglichung der Sechstagewoche war in griechischen Medienberichten die Rede. Beide Vorstöße würden von Athen scharf zurückgewiesen. 

Keine Alternativen

So bitter die Pillen sein mögen, sehen Troika und viele Ökonomen keine Alternativen. Nur durch eine weitere Absenkung des Lohnniveaus könne die Wettbewerbsfähigkeit wiedererlangt werden, so der Tenor. Dazu kommt, dass die Maßnahmen bisher wenig Effekte hatten. In Griechenland sind die in den zehn Jahren zuvor explodierten Löhne seit Ausbruch der Krise nur um vier Prozent geschrumpft. Die Anpassung nach dem vorangegangenen Exzess müsse viel deutlich ausfallen, meint etwa Zsolt Darvas vom Brüsseler Thinktank Bruegel.

Moody's kommt zwar in einer eigenen Berechnung auf eine Reduktion der Gehälter von 16,7 Prozent pro Beschäftigten, führt das aber vor allem auf die Maßnahmen im öffentlichen Dienst zurück. Spanien, Portugal und Italien hätten seit Ausbruch der Krise überhaupt keine Anpassungen vorgenommen, heißt es in einem Bericht der Ratingagentur. Auch Bruegel-Experte Darvas kommt zu dem Schluss, dass es in der Euro-Peripherie bisher kaum zu Lohnanpassungen gekommen sei. Die Steigerung der Produktivität erfolgt somit vor allem über die Freisetzung von Mitarbeitern. Nur in Griechenland war der Einbruch der Produktion größer als Kürzungen von Löhnen und Beschäftigung, sodass sich die Wettbewerbsfähigkeit bisher nicht verbessert habe.

Portugal erhöht Beiträge

Auch Portugal hat neue Sparmaßnahmen ergriffen. Künftig müssen 18 statt elf Prozent des Einkommens an die Sozialversicherung abgeführt werden. Gleichzeitig wird der Arbeitgeberanteil von 23,75 Prozent auf 18 Prozent gesenkt. Ministerpräsident Passos Coelho warb um Verständnis. Portugal will im Gegenzug für eine Finanzhilfe von 78 Milliarden Euro das Haushaltsdefizit in diesem Jahr auf 4,5 Prozent und im kommenden Jahr auf drei Prozent senken. (as, rw, DER STANDARD, 10.9.2012)

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