Griechischer Premier Samaras spricht von harten Sparmaßnahmen

9. September 2012, 13:50

Koalition berät am Abend - Opposition sucht die Kraftprobe - Merkel hält an Athen fest

Athen/Thessaloniki/Berlin - Das neue griechische Sparprogramm in Höhe von mehr als 11,5 Milliarden Euro ist auf der Zielgeraden. Am Sonntagabend planten die Chefs der drei Koalitionsparteien in Athen Beratungen über die harten Sparmaßnahmen. Am Nachmittag stand ein Treffen der Chefs der Geldgebertroika mit dem griechischen Finanzminister Ioannis Stournaras auf dem Programm. Opposition und Gewerkschaften gingen am Wochenende auf die Straßen, um das Sparprogramm zu verhindern.

Das Sparprogramm soll nach Informationen aus Kreisen des Finanzministeriums spätestens kommenden Freitag stehen. Die Opposition und die Gewerkschaften mobilisierten am Samstagabend in der griechischen Hafenstadt Thessaloniki mehrere Tausend Menschen. Die Demonstranten warfen dem konservativen Regierungschef Antonis Samaras und seiner Koalitionsregierung vor, "den Befehlen der Geldgeber-Troika zu gehorchen und das Land und seine Menschen in die Katastrophe zu führen".

Samaras warnt seinerseits: Sollte Griechenland den Euroraum verlassen, würde das Land "finanziell sterben", meinte er. Er warb für die Zustimmung seiner Landsleute für das neue Sparpaket. "Dies werden die letzten Kürzungen sein", sagte er bei der Eröffnung der größten Messe Griechenlands in der Hafenstadt Thessaloniki. Er gab aber zu, dass einige Maßnahmen "ungerecht und sehr hart" sein würden. Er versprach, sie zurückzunehmen, sobald wieder das Land auf Kurs ist.

Sonntagabend Treffen der Parteichefs

Am Sonntagabend war ein Treffen von Samaras mit den Chefs seiner Koalitionspartner, den Sozialisten, Evangelos Venizelos, und den Demokratischen Linken, Fotis Kouvelis, vorgesehen. Die beiden linken Koalitionspartner hatten erklärt, sie wollten Kürzungen der Renten und Löhne von Staatsbediensteten verhindern. Allerdings hatten beide auch betont, sie unterstützen die Regierung in ihrem Kampf gegen den Staatsbankrott. Am Montag wollte sich Samaras mit der Troika treffen. Am Dienstag ist in Frankfurt ein Treffen mit dem Chef der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, geplant.

Samaras kann auf Angela Merkel zählen. Die deutsche Bundeskanzlerin ist nach Informationen des "Spiegels" zu der Überzeugung gelangt, dass Griechenland im Herbst auf keinen Fall den Euro aufgeben dürfe. "Wir müssen eine Lösung finden", soll sie vergangene Woche im kleinen Kreis gesagt haben. Die Kanzlerin und ihre Berater befürchteten, ein Ausscheiden Athens könne einen ähnlichen Domino-Effekt auslösen wie die Pleite der Lehman-Bank 2008.

Kosten eines Euro-Austritts zu hoch

Allein Deutschland müsse dann rund 62 Milliarden Euro abschreiben. Auch die politischen Kosten eines griechischen Euro-Austritts schätze Merkel als zu hoch ein: Deutschland müsse womöglich Länder wie Italien und Spanien durch eine gemeinsame Schuldenunion stabilisieren, befürchteten Merkels Berater laut "Spiegel".

In Thessaloniki waren nach Schätzungen der Polizei rund 15.000 Menschen aus Protest gegen das neue Sparprogramm auf die Straßen gegangen. Die Veranstalter - Gewerkschaften und Opposition - sprachen von 30.000 Menschen. "Umsturz! Entweder die oder wir", hieß es auf Transparenten. "Es reicht. Wir können nicht mehr", skandierten die Menschen. Aufgebrachte Bauern warfen Dutzende Wassermelonen auf die Straße. Damit protestierten sie gegen die niedrigen Preise.

Unter den Demonstranten war auch Alexis Tsipras, Vorsitzender des Bündnisses der radikalen Linken (Syriza), der größten Oppositionspartei in Griechenland. Auch Polizisten und Feuerwehrleute nahmen an den Demonstrationen teil. Nach dem Ende der Demonstration kam es zu Randalen. Rund 200 Autonome warfen Steine auf die Polizei und zündeten einige Mülleimer an. Die Beamten setzten begrenzt Tränengas und Blendgranaten ein, um die Randalierer auseinander zu treiben. Es wurden rund 30 Menschen vorübergehend festgenommen. Die Lage beruhigte sich schnell, berichteten Reporter vor Ort. (APA, 9.9.2012)

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Schon der Begriff "Sparmaßnahmen" ist eine Lüge. Allerdings nicht bloß im Falle Griechenlands.

tspiras spekuliert richtig !

wenn das paket nun beschlossen wird, könnte folgendes eintreten -
- nach monatelangen, schweren protesten tritt die regierung zurück - wiederum wahlen.
- tspiras gewinnt, kündigt alle sparvereinbarungen und offenen kredite, will jedoch im euro bleiben.
- der €-club scheixxt sich in die hosen, erläßt GR alle schulden und übernimmt - im sinne der unversehrtheit der €-zone - jährliche transferverpflichtungen in höhe von € 50 Mia.
- die europäer sind erleichtert und froh. sie müssen zwar extreme steuererhöhungen hinnehmen, merkel verspricht ihnen aber dafür eine stabile €-zone.
- tspiras zerbricht fast vor gelächter und baut ein subventioniertes arbeiterparadies im südosten, in dem mich und honig und fremde Euros fließen....

wahrscheinlich haben Sie damit recht.

...

Grexit!

Auch nach diesen Sparmaßnahmen werden die Schulden Griechenlands weiter ansteigen, womit ein 2. Schuldenschnitt unausweichlich ist, welcher eine verbotene Staatsfinanzierung (Schuldennachlass z. B. durch die EZB) darstellt.

http://www.wienerzeitung.at/meinungen... chtet.html

Wir sind ja wirklich alle ein blödes Volk!

Sogar ICH - und ich halte es mit Harald Schmidt und liebe es, stets praktisch ALLE Fundmente welchen auch noch so guten Glaubens vollständig zu untergraben - bin bisher der Ansicht gewesen, dass wenigstens diese sogenannte Troika ein wirklich gestrenges Auge auf die EU-Sanierungsprogramme gerichtet hält.
Nun, das AUGE wird vielleicht halten, was es verspricht, ja wahrscheinlich werden die dessen Beobachtungen entsprungenen ROHBERICHTE gar die ganze schaurige Wahrheit beinhalten, aber was dann der Öffentlichkeit als Prüfergebnis verkauft wird, ist offenbar ebenso schöngefärbt wie die bisherigen griechischen Staatsbilanzen - weil die Konstrukteure unserer Währungswirtschaftsblase meinen, dass niemals sein kann, was nicht sein darf ...

Das sind keine Sparmaßnahmen sondern nur Schuldennichtmehrganzsoextremstarkansteigenlassmaßnahmen.

die reichen zittern sicher schon, besonders jene reeder, die zum wohle des landes keine steuern zahlen müssen......

Wer viel Geld hat muss nie zittern, der kann leicht woanders hin übersiedeln. Die die wirklich für den Schuldenwahn blechen müssen sind die die ihn auch verursacht haben, nämlich die kleinen Leute - die können nämlich nicht so einfach auswandern.

Wenn Sie glauben, dass es so lustig ist, Reeder zu sein, dann werden sie halt auch einer!

ist in österreich leider net so leicht möglich....dazu bräuchten wir mal eine küste.....ich sehn mir die zeiten der kuk-monarchie wieder herbei, dann kann ich von triest zu meinen steuerfreien kollegen nach GR zu einem segeltörn starten.....
jetzt haben sie mir fast mitleid entlockt für diese arme gruppe in griechenland....

... und immer weiter

Während die Griechen unter drückenden Sparmaßnahmen leiden, fürchten sich Österreicher und Deutsche um ihr Geld. Europa scheint wirklich immer mehr auseinanderzudriften.
goo.gl/PCK3h

Die neoliberale Agenda ist auf Kurs.

Alles nach Plan.

bluten wird nur der pöbel, die reichen lachen mal wieder laut auf und streicheln ihre millionen in den steueroasen.
argentinien hats vorgemacht, griechenland muss nun unter die harte linie des iwf kuschen und geld bekommt man am leichtesten von den lohnempfängern und pensionisten, sowie vom abbau des sozialsystems und bildung.....
selbes bild, anderer platz.....portugal, irland, spanien und italien werden bald folgen und die eliten häufen noch mehr an....

Keine Sorge, Gelddrucken wird nicht passieren dafür sorgt schon die "strikte Konditionalität" wie's so schon im Neusprech heißt.

Mal Michael Hudson lauschen:
http://www.faz.net/aktuell/f... 49829.html

Das mag zum Teil sicher stimmen, doch wohin wandert in kuerzester Zeit denn das Geld??? Zu den Armen sicher nicht. Dafuer wurde bereits gesorgt ( Zinsesdienst ).

ja, das

hab ich mich auch gefragt

…und so dreht sich die Spirale weiter

Sparmaßnahmen auf Kosten der Bevölkerung ? Kaufkraft reduziert sich ? Wirtschaft geht bergab ? weniger Steuereinnahmen ? Sparmaßnahmen auf Kosten der Bevölkerung ? etc.

Was muss passieren bis die Reichen merken, dass man nicht nur auf Kosten der ärmeren Bevölkerung agieren kann?

wahrscheinlich erst dann wenn das KG brot 30 euro kosten und ein Krieg kommt dann erst wird sich was ändern vorher schwer

die wissen das eh, die schauen einfach, wie lang wir armen uns das gefallen lassen.

könnte wirklich ein test sein inwieweit eine bevölkerung sich kaputtsparen lässt ohne dass es zu einem bürgerkrieg kommt....und falls ja wer würde denn von einem bürgerkrieg am ende wieder profitieren??? es heisst nicht umsonst: beim donnern der kanonen aktien kaufen...... dann lachen wieder die oberen 10.000 ....

Sehr gut, wenn die Kosten schon für die EU bei einem Austritt Griechenlands nicht mehr zu heben sind, dann wird sie spätestens bei spanien auseinanderbrechen. nice.

was ist daran

Nizza ?

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