Nachrichten in aller Kürze
Alles zur Community
Nachrichten, die zu Ihnen kommen: Newsletter, Feeds und SMS
Alles zu unseren mobilen Angeboten: Apps, Mobilversion und SMS
Unsere Radio- und TV-Angebote
Die Zeitung im Internet: Abo, E-Paper, Anzeigen und mehr
Alles über die Redaktion von derStandard.at
Alles über Onlinewerbung, Stellenanzeigen und Immobilieninserate

Ulrich Seidl mit dem Spezialpreis der Jury.

Kim Ki-duk mit seinem Goldenen Löwen.

Philip Seymour Hoffman mit der Coppa Volpi, dem Preis für den besten Schauspieler.

Hadas Yaron, beste Schauspielerin.
Venedig - Venedig ist ein guter Boden für Ulrich Seidl. Der österreichische Regisseur hat bei den Filmfestspielen für "Paradies: Glaube" wie schon vor elf Jahren für "Hundstage" den Spezialpreis der Jury erhalten. "Ich bin sehr stolz und freue mich sehr", sagte Seidl unmittelbar nach der Preisverleihung im Gespräch mit der APA. Der Goldene Löwe ging an das südkoreanische Drama "Pieta" von Kim Ki-duk, wie die Jury am Samstagabend bekannt gab. Weitere Hauptpreise erhielt Paul Thomas Andersons "The Master".
"Paradies: Glaube", der zweite Teil von Seidls "Paradies"-Trilogie, hatte im Verlauf des Festivals für den ersten Aufreger gesorgt: Im Mittelpunkt steht eine streng katholische Krankenschwester (Maria Hofstätter), die missionarisch von Haus zu Haus zieht und eine teils masochistische, teils lustvolle Beziehung mit dem angebeteten Jesus unterhält. Dass sich die Frau selbst geißelt und sogar mit dem Kruzifix masturbiert, hat dem Regisseur, Autor und Produzenten Seidl eine Anzeige wegen Blasphemie eingebracht.
Qualität bestätigt
"Ich bin der Meinung, dass da nichts dabei herauskommen wird", sagte Seidl. "Aber natürlich ist es schön, dass die Qualität des Films nun vom Festival und von der Jury bestätigt worden ist." Als erster Gratulant stellte sich am Abend ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz ein, der den Filmemacher und sein Team lobte und hinzufügte: "Wir sind stolz, dass wir diese Produktion unterstützt haben." Und auch Wiens Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (SP) hob lobend die Besonderheit von Seidls Arbeit hervor.
Als großer Sieger des Festivals darf sich dennoch der Südkoreaner Kim Ki-duk fühlen. Der 51-jährige Regisseur hatte 2004 für sein Liebesdrama "Bin-jip" bereits den Silbernen Löwen erhalten und wurde nun für "Pieta" mit dem Hauptpreis in Gold gekrönt. Das Werk erzählt von einem brutalen Geldeintreiber in Seoul. Als eines Tages seine angebliche Mutter auftaucht, verändert sich sein Leben. Kim Ki-duk thematisiert dabei die Gier nach Geld und stellt so Fragen nach Moral und Werteverlust.
Gleich zwei Auszeichnungen gingen an das Sekten-Drama "The Master" von US-Regisseur Paul Thomas Anderson. Das Werk wurde mit dem Preis für die beste Regie geehrt. Außerdem teilen sich die beiden Hauptdarsteller Philip Seymour Hoffman und Joaquin Phoenix den Löwen als beste Schauspieler. Für ihre Leistung in dem israelischen Film "Fill the Void" wurde Hadas Yaron als beste Schauspielerin geehrt. Für den französischen Beitrag "Après Mai" von Olivier Assayas gab es den Preis für das beste Drehbuch.
CinemAvvenire Award für Seidl
Die Preise wurden am Samstagabend von der neunköpfigen Jury unter Vorsitz von US-Regisseur Michael Mann vergeben. Schon am Nachmittag waren die Favoriten mit kleineren Preisen bedacht worden. So kürte die internationale Filmkritikervereinigung FIPRESCI Andersons "The Master" zum besten Film, aber auch Seidl war mit dem CinemAvvenire Award ausgezeichnet worden. Für den Regisseur stand am Abend fest: "Es wird mit Sicherheit eine lange und rauschende Nacht werden." (APA, 8.9.2012)
- Goldener Löwe für den besten Film: "Pieta" von Kim Ki-duk
- Spezialpreis der Jury: "Paradies: Glaube" von Ulrich Seidl
- Silberner Löwe für die beste Regie: Paul Thomas Anderson für "The Master
- Preis für die besten Schauspieler: Philip Seymour Hoffman und Joaquin Phoenix für "The Master"
- Preis für die beste Schauspielerin: Hadas Yaron für "Fill the Void"
- Bestes Drehbuch: Olivier Assayas für "Après Mai"
2012: "Pieta" von Kim Ki-duk (Südkorea). Der drastische Film zeigt anhand eines brutalen Handlangers das erbarmungslose Abbild einer pervertierten Welt, in der das Geld zum höchsten Gut aufgestiegen ist.
2011: "Faust" von Aleksander Sokurow (Russland). Das auf Deutsch gedrehte Werk mit dem österreichischen Hauptdarsteller Johannes Zeiler ist eine freie Adaption des Goethe-Dramas.
2010: "Somewhere" von Sofia Coppola (USA). Der Film erzählt von einem Hollywoodstar, der auf seine elfjährige Tochter aufpassen muss. Durch sie erkennt er, wie leer sein Leben ist.
2009: "Libanon" von Samuel Maoz (Israel). Der Regisseur verarbeitet seine Erfahrungen als junger Soldat im ersten Libanon-Krieg 1982. Der Film zeigt den Krieg aus der Sicht von vier unerfahrenen Soldaten, die in ihrem Panzer festsitzen.
2008: "The Wrestler" von Darren Aronofsky (USA). Die Erzählung beleuchtet den Comeback-Versuch eines abgehalfterten Schaukämpfers.
2007: "Gefahr und Begierde" von Ang Lee (Taiwan/USA). Die Geschichte ist 1939/40 in Schanghai angesiedelt und erzählt von einer Gruppe chinesischer Studenten, die einen politischen Mord planen. Doch die Liebe kommt dazwischen.
2006: "Still Life" von Zhang Ke Jia (China). Ein Film über Menschen, die beim Bau des riesigen Drei-Schluchten-Staudamms in China ihre Heimat verlieren.
2005: "Brokeback Mountain" von Ang Lee (USA). Der Film ist ein tragisches, modernes Western-Melodram um zwei homosexuelle Cowboys.
Lebenswerk-Auszeichnungen auch für Komponistin Gubaidulina und Theaterregisseur Castellucci
Die 69. Filmfestspiele in Venedig waren geprägt von religiösen Motiven und Glaubensfragen. Der Goldene Löwe ging an Kim Ki-duks "Pieta". Ulrich Seidl erhielt für "Paradies: Glaube" den Spezialpreis der Jury
Regisseur Ulrich Seidl holt erneut einen Filmpreis in Venedig
US-Kino, einmal aufmüpfig jung, einmal getragen seriös: Harmony Korine sorgt auf der Film-Mostra mit ausgestellter weiblicher Sexiness für Erregung. Robert Redford nimmt sich in seinem neuen Regiewerk einmal mehr der politischen Vergangenheit an
Halbzeit im Wettbewerb: Neues von Olivier Assayas, Nachgelassenes von Raúl Ruiz
Ultrakonservative katholische Organisation zeigt wegen Masturbationsszene in "Paradies: Glaube" auch Schauspielerin Maria Hofstätter, die Filmproduzenten und die Leiter des Filmfestivals von Venedig an
Paul Thomas Andersons "The Master", ein Blick auf die US-Nachkriegsgesellschaft der 1950er, setzt im Wettbewerb von Venedig ein erstes Highlight. Terrence Malicks "To The Wonder" enttäuschte
Eine Ehrung für den großen Regisseur Michael Cimino, ein neuer Eintrag im Werkkatalog von Ulrich Seidl
Mira Nairs "The Reluctant Fundamentalist", der Eröffnungsfilm der 69. Filmfestspiele von Venedig, ist aber eine eher plakative Auseinandersetzung mit 9/11 und seinen identitätspolitischen Folgen
Der Goldene Löwe ging an den russischen Filmemacher Alexander Sokurow - sein "Faust" war eine der Herausforderungen in einem vielseitigen Wettbewerb
Prämiert in Venedig: Filmemacher Michael Glawogger
Michael Glawoggers Film wurde prämiert
Sofia Coppola holt Hauptpreis der 67. Filmfestspiele, Peter Tscherkassky in der Reihe "Orizzonti" prämiert
Peter Tscherkassky (51) erhielt in Venedig einen Filmpreis
Schwere Kost im Wettbewerb: Abdellatif Kechiche, Wang Bing und Jerzy Skolimowski leisten ungewöhnliche Geschichtsaufarbeitung
Starrummel findet am Lido bisher keiner statt - dafür glänzen Kelly Reichardts Neo-Western "Meek's Cutoff" und eine komische Catherine Deneuve im Wettbewerb
Auftakt auf dem Festival von Venedig: Filme von Julian Schnabel, Catherine Breillat und Darren Aronofsky
Seidl hatte also irrtümlich den silbernen löwen überreicht bekommen, und hat diesen dann an p.s.hoffman im tausch gegen seinen "spezialpreis der jury" weitergegeben.
Wenn ich das richtig sehe, hat hoffman diesen löwen danach aber wieder weitergeben müssen. Denn er hätte ja den schauspielerpreis "coppa volpi" bekommen sollen. Hat er ihn dann auch an den endgültigen gewinner p.t.anderson weitergegeben, oder ist das arme katzerl noch durch vier weitere hände gegangen?
War denn diese preisverleihung vielleicht gar eine hommage an die zeit der slapstickfilme?
und ein Akzent andererseits .. sind zwei grundverschiedene Dinge.
Jeder Mensch spricht Akzent .. selbst innerhalb der deutschen Sprache gibt es ausschliesslich Menschen mit Akzent, eben vielen unterschiedlichen.
und deswegen sind solange diese abrechnungen in wahrheit zeunisse von feigheit und billiger selbstprofilierung.
Ich freue mich auf diesen Film. Aber ich habe auch oft Probleme mit der Kritik am Katholizismus. Erstens ist das die Religion, die man am problemlosesten kritisieren darf, da gehört nicht die Spur von Mut dazu. Im Gegenteil ist es bei vielen Kulturschaffenden gut für das Renommee. Beim Judentum, Buddhismus, Hinduismus oder Islam schaut das schon ganz anders aus. Außerdem wird die Kritik oft unglaublich platt, geschmacklos und primitiv verpackt (siehe Titanic-Cover oder Kinderschänderwitze) und verlässt sich einfach darauf, dass man nicht mit Qualität aufsehen erregen muss, sondern, dass sich schon jemand aufregt dessen Gefühle verletzt wurden.
Seidl spielt aber in einer anderen Liga.
ist a bisserl billig. nicht alles, was man kritisiert muss man selber auch erlebt haben, sonst wäre ein filmemacher wohl sehr beschränkt in seinem erzählen.
irgendwann hat sich das thema "huch, ich bin in einem katholischen land aufgewachsen" ausgelutscht. es gibt auch genug kritisches in anderen religionen zu thematisieren - sehr viel fragwürdiges. also wenn schon, dann den mut aufbringen und sich nicht auf jene beschränken, die alles mit sich gefallen lassen.
So viel weiß aber der Herr Seidl: Wenn er das, was er "mit dem Katholizismus" macht, auch "mit dem Islam" macht, dann lebt er nicht mehr lange. Allein schon deshalb ist mir der Katholizismus lieber: Weil man den kritisieren darf, ohne fürchten zu müssen, von einem Fanatiker umgebracht zu werden. Insofern hat Seidls Arbeit wenig mit Mut zu tun ...
wieder einmal ein großer erfolg für die heimische filmszene, keine frage. aber es ist halt leider wieder mal, das muß man schon auch sagen, ein film wie man ihn vom seidl erwartet hat.
mir ist er zu sehr zyniker und die konstellationen und einstellungen zu berechnend, als daß man ihm abnehmen würde, daß die filme aus ehrlichem (oder gar mitfühlendem) interesse am sujet entstanden sind. ähnlich wie bei der spira, nur halt noch extremer.
jeder ist käuflich, der mensch ist ein schwein, es gibt nichts woran es sich zu glauben lohnt: das ist halt das seidl'sche weltbild, das in jedem seiner filme durchkommt. wirklich überraschen kann da nichts mehr, auch an der kirche hat er sich ja schon abgearbeitet.
Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.