Bedrohter Pezzoni: "Köln wollte mich loswerden"

23-Jähriger Verteidiger wollte seinen Vertrag nie auflösen: "Verein hat auf günstige Gelegenheit gewartet"

Köln - Wende im Fall Kevin Pezzoni: Der von Hooligans bedrohte Fußball-Profi erhebt schwere Vorwürfe gegen den deutschen Zweitligisten 1. FC Köln. Ihm sei es vorgekommen, als habe der Bundesliga-Absteiger "auf eine günstige Gelegenheit gewartet, um mich loszuwerden", sagte Pezzoni der Welt am Sonntag. Er habe seinen Vertrag nie auflösen wollen: "Der Vorschlag wurde vom Verein an mich herangetragen."

Der 23 Jahre alte Abwehrspieler erklärte, er habe gehofft, "dass die Verantwortlichen sich hinter mich stellen und versuchen, mich zu schützen. Eigentlich sollte ein Verein dazu in der Lage sein, seine Spieler vor den Fans zu schützen. Das war in diesem Fall nicht so."

Dennoch habe er der Vertragsauflösung zugestimmt. "Was hätte ich zu erwarten gehabt? Meine Situation wäre ja nicht besser geworden", sagte Pezzoni. "Wer weiß, ob nach dem nächsten schlechten Spiel die Typen plötzlich in meiner Wohnung gestanden hätten statt nur davor."

Pezzoni war von FC-Hooligans an seiner Haustür und im Internet bedroht worden. Nach Angaben des Vereins war der Vertrag daraufhin in beiderseitigem Einvernehmen aufgelöst worden.

Gewaltandrohung um "Anreize zu setzen"

Der Initiator der Kampagne gegen den Spieler wurde mittlerweile nach Angaben des 1. FC Köln  identifiziert, der Verein kündigte harte Sanktionen an. "Es handelt sich um ein FC-Mitglied, gleichzeitig Vorsitzender eines kleineren Fan-Clubs. Wir haben gegen diese Person ein sofortiges Mitgliederausschlussverfahren in Gang gesetzt, werden ein maximales Stadionverbot verhängen und den Fan-Club-Status entziehen", teilte Geschäftsführer Claus Horstmann mit.

Der vom Verein beschuldigte Anhänger hatte sich in der Nacht zum Freitag in der WDR-Talksendung "Domian" als "Initiator" einer gegen Pezzoni gerichteten Facebook-Gruppe bezeichnet. Ebenso hatte er behauptet, die Personen zu kennen, welche den Profi vor dessen Haus beleidigt hatten. "Ich kenne die Leute, die ihm vor der Tür aufgelauert haben. Da sind Beleidigungen gefallen - auch Drohungen", sagte der Anrufer.

Selbst sei er aber nicht an der Aktion beteiligt gewesen. "Mir kam die Idee, dass man ein paar Anreize setzen kann, um die Spieler darauf hinzuweisen, dass es in der Form nicht geht, dass man sich so lasch präsentiert", sagte er.

Köln weist Vorwürfe zurück

Horstmann bezeichnete das Verhalten als "widerwärtig" und könne "auch nicht mit Emotionen im Fußball erklärt werden." Er gehe davon aus, dass "die Ermittlungsbehörden jetzt weitere Anhaltspunkte erhalten, um die Vorgänge am Dienstagabend vor der Wohnung von Kevin Pezzoni aufzuklären." Horstmann wies die Vorwürfe des Spielers zurück. "Der 1. FC Köln hat alles getan, um Kevin Pezzoni in angemessener Weise zu schützen. Die nun erhobenen Vorwürfe sind substanzlos, unangebracht und schaden ihm selbst am meisten", erklärte er. "Er ist am Mittwoch, 29. August, zu uns gekommen, weil er sich nicht mehr zutraute, im Spiel gegen Cottbus aufzulaufen. Die für ihn schlechtere Alternative zur Vertragsauflösung wäre gewesen, ihn aus dem Kader zu streichen. Deswegen haben wir uns auf die Vertragsauflösung geeinigt. Er hat zudem noch eine Abfindung erhalten." (sid/red, 8.9.2012)

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