Bedrohter Pezzoni: "Köln wollte mich loswerden"

8. September 2012, 19:46

23-Jähriger Verteidiger wollte seinen Vertrag nie auflösen: "Verein hat auf günstige Gelegenheit gewartet"

Köln - Wende im Fall Kevin Pezzoni: Der von Hooligans bedrohte Fußball-Profi erhebt schwere Vorwürfe gegen den deutschen Zweitligisten 1. FC Köln. Ihm sei es vorgekommen, als habe der Bundesliga-Absteiger "auf eine günstige Gelegenheit gewartet, um mich loszuwerden", sagte Pezzoni der Welt am Sonntag. Er habe seinen Vertrag nie auflösen wollen: "Der Vorschlag wurde vom Verein an mich herangetragen."

Der 23 Jahre alte Abwehrspieler erklärte, er habe gehofft, "dass die Verantwortlichen sich hinter mich stellen und versuchen, mich zu schützen. Eigentlich sollte ein Verein dazu in der Lage sein, seine Spieler vor den Fans zu schützen. Das war in diesem Fall nicht so."

Dennoch habe er der Vertragsauflösung zugestimmt. "Was hätte ich zu erwarten gehabt? Meine Situation wäre ja nicht besser geworden", sagte Pezzoni. "Wer weiß, ob nach dem nächsten schlechten Spiel die Typen plötzlich in meiner Wohnung gestanden hätten statt nur davor."

Pezzoni war von FC-Hooligans an seiner Haustür und im Internet bedroht worden. Nach Angaben des Vereins war der Vertrag daraufhin in beiderseitigem Einvernehmen aufgelöst worden.

Gewaltandrohung um "Anreize zu setzen"

Der Initiator der Kampagne gegen den Spieler wurde mittlerweile nach Angaben des 1. FC Köln  identifiziert, der Verein kündigte harte Sanktionen an. "Es handelt sich um ein FC-Mitglied, gleichzeitig Vorsitzender eines kleineren Fan-Clubs. Wir haben gegen diese Person ein sofortiges Mitgliederausschlussverfahren in Gang gesetzt, werden ein maximales Stadionverbot verhängen und den Fan-Club-Status entziehen", teilte Geschäftsführer Claus Horstmann mit.

Der vom Verein beschuldigte Anhänger hatte sich in der Nacht zum Freitag in der WDR-Talksendung "Domian" als "Initiator" einer gegen Pezzoni gerichteten Facebook-Gruppe bezeichnet. Ebenso hatte er behauptet, die Personen zu kennen, welche den Profi vor dessen Haus beleidigt hatten. "Ich kenne die Leute, die ihm vor der Tür aufgelauert haben. Da sind Beleidigungen gefallen - auch Drohungen", sagte der Anrufer.

Selbst sei er aber nicht an der Aktion beteiligt gewesen. "Mir kam die Idee, dass man ein paar Anreize setzen kann, um die Spieler darauf hinzuweisen, dass es in der Form nicht geht, dass man sich so lasch präsentiert", sagte er.

Köln weist Vorwürfe zurück

Horstmann bezeichnete das Verhalten als "widerwärtig" und könne "auch nicht mit Emotionen im Fußball erklärt werden." Er gehe davon aus, dass "die Ermittlungsbehörden jetzt weitere Anhaltspunkte erhalten, um die Vorgänge am Dienstagabend vor der Wohnung von Kevin Pezzoni aufzuklären." Horstmann wies die Vorwürfe des Spielers zurück. "Der 1. FC Köln hat alles getan, um Kevin Pezzoni in angemessener Weise zu schützen. Die nun erhobenen Vorwürfe sind substanzlos, unangebracht und schaden ihm selbst am meisten", erklärte er. "Er ist am Mittwoch, 29. August, zu uns gekommen, weil er sich nicht mehr zutraute, im Spiel gegen Cottbus aufzulaufen. Die für ihn schlechtere Alternative zur Vertragsauflösung wäre gewesen, ihn aus dem Kader zu streichen. Deswegen haben wir uns auf die Vertragsauflösung geeinigt. Er hat zudem noch eine Abfindung erhalten." (sid/red, 8.9.2012)

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18 Postings
was soll das für eine art zeichen sein...

...wenn man den vertrag mit einem spieler auflöst und nicht gegen die urheber solcher idiotien vorgeht. wenn das einreisst, dann werden bald nur noch die fans die mannschaftsaufstellung diktieren. vertrottelt. stadionverbot ist da doch viel zu wenig. gegen solchen leuten sollte man auch zivilrechtlich vorgehen.

Tja, das ist der FC: Der Verein stellt sich hinter den Spieler... um ihm den entscheidenden Schubs über die klippe geben zu können. Bigotterie hoch zehn (à la Hannover 95+1).

naja, fussball halt.

aber wenns funktioniert, who cares?

lustig...

...deswegen, weil der oft viel strapazierte begriff "vereinstreue" verwendet wird. wie so oft, ist diese sehr einseitig. dagegen ist, egal ob man sie mag oder nicht, bayern sehr vorbildhaft. man denke nur dem umgang mit deisler, was nicht selbstverständlich ist ;)

Oder bei Breno. Uli Höneß hat sofort die Kaution für die U-Haft vorgestreckt, nachdem er wegen Verdacht der Brandstiftung festgenommen wurde.
Vereinstreue schreibt Uli H. einfach sehr groß. Da gibt's nix bei den Bayern.

Wobei man jetzt ehrlich sein muss. Das erwarte ich mir (jetzt in so einem Fall Pezzoni) von jedem Verein. Das hätte auch der BVB oder S04 gemacht, unverständlich wieso Köln so reagiert o_O.

die bayern haben damals auch nur dasselbe gemacht wie köln bei pezzoni

sie haben den vertrag aufgelöst.
weil der spieler nicht weiterspielen wollte war es für die bayern noch einfacher - er ging ja sicher nicht zu einem konkurrenten.

desweiteren sind bayern-fans ebenso nicht eine insel der seeligen.
z.b.haben einige mal vor 3 jahren, als sei zufällig auf einer autobahnraststätte mit nürnberg-fans zusammentrafen, diese zusammengeschlagen und sogar dafür gesorgt, daß einer der nürnbergfans ein auge verliert.

weiß nicht was sie da lesen..

...aber ich schrieb über verein, sprich klub und deren leute, die dort arbeiten. das sich irgendwo bayern "fans" die schädel einschlagen, gibs bei allen großen clubs. ich hebe nur den postiven umgang mit deisler hervor. thats it!
und wenn er sowieso nicht mehr wollte, dann passt es eh???

Der Anrufer ist einfach irre..

"bist du vorbestraqft? - ähm, jaja natürlich"

Der FC galt mit seinen weißen Dressen als das Real Madrid des Rheins. Alles war professionell, Weltklasse - Spieler trugen das Dress mit dem einzigartigen Vereinsemblem. Man verfügte über das modernste Trainingsgelände und Dozenten der Kölner Sporthochschule waren in die Arbeit integriert.
Als man Anfang der 80er nicht mehr um die großen Erfolge anknüpfen konnte und Startraiiner wie Rinus Michels verschliss, gab man einem ganz jungen Trainer von der Spoho, Christoph Daum die Chance seines Lebens. Es ging rasant bergauf bis zur Trennung 1990. Dann gab es nur noch eine Richtung - nach unten. Mittlerweile ist der FC in einem Zustand, der fatal an RW Essen oder Hertha BSC erinnert. Kein Plan, kein Konzept, kein Geld und diese Fans !

mit rwe geht es bergauf. meiner meinung nach ein beispiel, wie es ein verein schafft durch solche krisen durchzutauchen. das neue stadion hilft hier natürlich.

Gründer der Anti-Pezzoni-Gruppe bei Domian (Radio-Talk bei WDR 1live)

http://www.einslive.de/medien/ht... -anruf.xml

Diese großartige Sendung habe ich seit Jahren nicht mehr gesehen. Scheiß Sendezeit. Aber schön zu lesen, dass es sie noch gibt. Unvergessen der Anrufer, der sich eine Rose in den Penis geschoben hatte um seine Freundin damit zu überraschen. LOL

ist das der poldi?

sind das die leute, die die "richtige" fan"kultur" repraesentieren?

domian ist toll!

reality tv

thx for posting the link

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