"Euro steht Schicksal wie Lira bevor"

Interview | Bettina Pfluger
7. September 2012, 18:06
  • Thorsten Polleit: Die Anleihenkäufe schwächen den Euro.
    foto: privat

    Thorsten Polleit: Die Anleihenkäufe schwächen den Euro.

Ökonom Thorsten Polleit rechnet wegen der lockeren Geldpolitik mit Inflation wie in den 1970er-Jahren, Gold ist für ihn das Gebot der Stunde

Standard: Die Europäische Zentralbank hat unlimitierte Anleihenankäufe angekündigt. Wie schätzen Sie diese Maßnahme ein?

Polleit: Das leitet im Prinzip eine bewusste Inflationierungspolitik ein. Zur Entschärfung der Schuldenkrise wird die Entwertung des Geldes eingesetzt. Mit dem künstlichen Drücken der Zinsen soll erreicht werden, dass der Zins nach Abzug der Inflation negativ wird. Damit werden die realen Schulden entwertet. Dem Schuldner wird geholfen, derjenige, der die Bonds hält, zahlt die Zeche.

Standard: Also wird eine Umwälzung der Schuldenstaaten auf die Investoren eingeleitet?

Polleit: Ja.

Standard: Punkto Inflation sagt die EZB aber, dass sie diese stabil halten will, indem sie immer wieder Geld aus dem Markt nimmt - durch das sogenannte "Sterilisieren".

Polleit: Ich glaube, damit streut man der Öffentlichkeit Sand in die Augen. Wenn die EZB den Geschäftsbanken Anleihen abkauft, dann kommt es "nur" zu einer Erhöhung der Überschussreserve. Kauft die EZB von einer Bank Staatsanleihen in der Höhe von einer Milliarde Euro, ist das ein Aktivtausch in der Bankbilanz. Die Aktiva verringern sich, der Kassenbestand steigt. Das ist relativ unproblematisch. Das ändert sich aber, wenn "Nicht-Banken", also Pensionskassen, Versicherungen und Private Sparer, ihre Anleihen verkaufen.

Standard: Warum?

Polleit: Angenommen ein Sparer verkauft eine italienische Staatsanleihe an seine Bank, und diese verkauft die Anleihe wiederum an die EZB. Dann überweist die EZB neu gedrucktes Geld auf das Konto des Sparers. Diese Gutschrift erhöht die umlaufende Geldmenge. Wird dieses Geld ausgegeben, kommt es tatsächlich in Umlauf. Das ist die absehbare Entwicklung des Anleihenkaufprogrammes. Das kann man dann nicht mehr neutralisieren.

Standard: Wird die Kaufkraft des Geldes herabgesetzt, hindert das auch die Konjunkturerholung ...

Polleit: Richtig, das wird vielfach vergessen. Man denkt, die Inflation wird geduldet, wenn sie nicht so hoch ist. Das ist aber der Preis, den man den Bürgern auferlegt.

Standard: Mit welcher Inflationshöhe rechnen Sie?

Polleit: Mindestens so wie in den 1970er-Jahren (in Österreich war die Inflationsrate damals phasenweise zweistellig, Anm.). Die Italiener haben früher schon immer die Notenpresse eingesetzt, um die Rechnung des Staates zu bezahlen. Das hat in Italien immer für eine hohe Inflation gesorgt, die Lira wurde somit zur weichen Währung. Ein ähnliches Schicksal steht dem Euro bevor.

Standard: Weiche Währung, hohe Inflation. Das schreit nach der Suche nach einem sicheren Hafen, und da landet man meist bei Gold.

Polleit: In einem inflationären Umfeld ist es ganz schwierig, den Wert eines Vermögens zu wahren. Gold ist im Moment das Investment Nummer eins.

Standard: Der Goldpreis ist aber schon stark gestiegen. Lohnt sich ein Investment noch?

Polleit: Ja. Obwohl es beim Goldpreis auch Schwankungen gibt, wird er nie auf null fallen. Gold hat eine andere Qualität als andere Anlagen, es ist das ultimative Zahlungsmittel. In jedem Fall sollte ein Sparer auf die richtige Mischung achten. Neben Gold sollte man auch Aktien von Unternehmen halten, die international eine hohe Wettbewerbsfähigkeit aufweisen. Meiden sollten Anleger in so einem Umfeld jedenfalls Termin- und Spareinlagen. (Bettina Pfluger, DER STANDARD, 8./9.9.2012)

 

Thorsten Polleit (44) ist Chefökonom bei Degussa Goldhandel und Mitglied des Verwaltungsrates. An der Frankfurt School of Finance ist er Honorarprofessor und Wissenschafter am Ludwig von Mises Institute, Alabama. Polleit ist Mitglied der Friedrich-August-von-Hayek-Gesellschaft.

 

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Antwort auf Polleit:

Irre Ökonomen, Teil 4:

http://blog.sektionacht.at/2012/09/i... n-polleit/

Was ist denn das für ein Tödel?

Angenommen ein Sparer verkauft eine italienische Staatsanleihe an seine Bank, und diese verkauft die Anleihe wiederum an die EZB. Dann überweist die EZB neu gedrucktes Geld auf das Konto des Sparers. Diese Gutschrift erhöht die umlaufende Geldmenge.

Und womit hat der Sparer die Staatsanleihe gekauft? Mit Kauri-Muscheln?

Ist doch alles klar. Der Sparer hat noch 100 % bezahlt, die Bank nur mehr 80 % und die EZB 60%. Also wurden 40 % Geldwert aus dem Verkehr gezogen und vernichtet, da der Staat wieder 100% an die EZB zahlen muss.
Alles klar, oder haben Sie es nicht gleich verstanden ?

So wird Propaganda gemacht.

Thorsten Polleit ist hauptberuflich „Chefökonom“ eines der größten europäischen Goldverkäufers. Natürlich ist für ihn „Gold das Gebot der Stunde“ und natürlich macht er Panik vor einer Inflation. Dieses Klappern gehört für ihn schließlich zum Geschäft. Würde der Standard auch den „Chefveterinär“ von Wiesenhof interviewen und ihn vor BSE und den Gefahren vegetarischer Ernährung warnen lassen? Polleit ist jedoch nicht nur in Sachen Gold-PR unterwegs. Er ist auch Mitglied der finanzpolitisch erzreaktionären Friedrich-August-von-Hayek-Gesellschaft und des Ludwig-von-Mises-Institut – da findet wohl zusammen, was zusammen gehört.

sie können gernwe auf ihren Euros sitzen bleiben

und dann in Bälde damit den Allerwertesten auswischen. Für mehr werden die Fetzen dann nämlich nicht zu gebrauchen sein.

Und was machens mit Gold? Einen Barren für ein Ei beim Bauer tauschen?

nicht einmal

das wird dann eh vom Staat konfisziert. Aber man hat es wenigstens versucht.

machen wir es Island nach

http://www.taz.de/!101198/

Banken in den Konkurs schicken und Binnennachfrage stärken

Um die Unterstellungen gegen den Autor etwas einzubremsen: In der heutigen FTD kann man lesen, dass der Chefoekonom der BoE sehnlicher Ansicht ist und deshalb gegen die Liquiditaetspolitik der engl Notenbank gestimmt hat. In einer
" natuerlichen" Rezession ( dank Globalisierung, Kreditblase und Demographie) pumpt man nicht wie verrueckt Geld nach, sonst kommt Hyperinflation.

gaspreis...

gerade wieder mit plus 15% vorgeschrieben bekommen, also kommt bald die nächste indexsteigerung bei mieten etc-wir sind schon in dem szenario und es wird sich noch drastisch verschärfen und die reallöhne werden sinken.

Also diese Matrix sollte man zumindest kennen

Es kann ja dann jeder für sich entscheiden wie aussagekräftig diese ist & was er die nächsten <jahre erwartet oder eben nicht:

Anlagematrix in Krisenzeiten:

http://www.pic-upload.de/view-1524... 1.png.html

Guter Link

Und fachlich mMn spot on!

Danke

thx

danke, die kannte ich noch nicht.

Er hat leider recht.

Anscheinend will man Unruhen, Bürgerkriege und Armut!

Durch diesen Geldsozialismus werden jetzt gute 70% (mindestens) der Bevölkerung gezwungen, die Schulden der anderen zu zahlen.
Das passiert im kleinen im Sozialismus schon immer, jetzt aber, dank EUdssr dürfen wir auch noch die Schulden der Ausländer, die sich auch noch im Ausland befinden (Griechen, Italiener, Spanier,...) bezahlen. Der Bausparer bsp. ist seit 20 Jahren nicht mehr so super, seit gut 15 Jahren kann man sagen es ist ein Nullsummenspiel, seit 2012 aber wird nicht einmal mehr die Inflationsrate ausgeglichen<- Verlust! Die Staatliche Förderung wurde auch halbiert. Die private Pensionsvorsorge ist auch irgendwie davon betroffen (nicht ganz so stark weil wenigstens auch Aktien drinnen sind)... der 0815 Bürger wird ENTEIGNET!!!

wow, ist es so schwer dem EIGENEN logischen gedankengang zu folgen...?

sie erklären dass der bausparer seit 20 jahren immer weniger wert wird, das erste hilfspaket für griechenland gibts seit 2009.

und zur von ihnen so bezeichneten eudssr:

wann genau wurden sie gefoltert, von der geheimpolizei verhört, ins straflager gesteckt oder sind nachts verschwunden weil sie kritik an ihr geübt haben...?

nur weil sie eine kleine heulsuse sind und weinen wenn der wind an ihnen vorbeiweht ist der wind noch lange kein folterer.

und nur weil sie ein problem mit den bösen ausländern haben heisst das nicht dass die schuld an allem sind, den job, der in einem exportorientiertem land wie österreich indirekt von den einkäufen der bösen bösen abhängt, den haben sie doch auch angenommen, oder nicht...?

ein Masochist

der sich von der EU nicht finanziell gefoltert fühlt

Es ist Tatsache, dass seit etwa 15 Jahren die Realeinkommen sinken. Das verdanken wir der Globalisierung, die uns unsere Fabriken und unseren Technologievorsprung unter dem Hintern weggezogen hat. Die Transferzahlungen dank EU sind eine zusaetzliche Last. Der EURO war insofern eine Last, als er zu massiven Kapitalabfluessen in den Sueden gefuehrt hat, wo ein halbes Prozent mehr Rendite bei vermeintlich gleichem Risiko gewunken hat. Die Exportindustrie braucht den EURO hingegen nicht wirklich, da jetzt auch schon viele Firmen wie Andritz den Grossteil in USD fakturieren. Deutschland hat seit der Eurueinfuehrung seine Exportsteigerung nur den non- EU Maerkten zu verdanken. Der ESM ist Versailles ohne Krieg fuer uns.

Dafür dass die Einkommen sinken können wir uns erstaunlich viel und besseres Leisten als unsere Vorgänger.

Und "woher" soll die Inflation kommen?!?

Inflation geschieht doch sehr vereinfacht eigentlich durch einen Nachfrageüberschuss. Also es werden mehr Produkte nachgefragt als es gibt.

Wo bitte soll das stattfinden? Es gibt doch überall derart viele Produkte und vor allem Produktionskapazitäten, dass das Zeug niemals alles verkauft werden kann ...

Inflation entsteht durch das Aufblähen der Geldmenge durch den Bruchteil den die ZB schöpfen und dann im privaten Bankensektor per Mindestreserve-Banking multipliziert wird, als Kreditgeld.

Ja eh, auf dem Papier.

Aber real werden die Preise nicht am Papier gebildet. Wenn die es schaffen dass sie diese unglaublichen Geldmengen in der Realwirtschaft unterbringen, ok, dann könnte tatsächlich dadurch Inflation entstehen. Solange das Geld aber wie die letzten Jahre ja auch, nicht beim Volk und damit dem Wirtschaftskreislauf ankommt, ist das doch nur reine Theorie.

Derzeit haben wir die perverse Situation, dass wir im Banken und Börsensektor Bereiche haben die vollkommen unabhängig vom Realsektor funktionieren. Die beiden Bereiche haben vielfach keinen Zusammenhang mehr und solange das Geld nicht im Realsektor ankommt, ist es für die Inflation wurscht.

Sieht man ja an der M3 Ausweitung der letzten paar Jahre.

Jetzt haben Sie bereits eine Assetinflation bei

Immobilien, Rohstoffen, Edelmetallen und auch Aktien.
Vor der großen breiten richtig hohen Inflation gibt es immer eine Deflation. Erst kommen die oben beschriebenen Assets und erst verzögert nach einer Phase der Deflation die klassische hohe Inflation.

Derzeit haben Sie bereits negative Realzinsen. Also lohnt sich klassisches Sparen bereits nicht mehr.

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