"Amerikaner denken in Vierteljahresabschlüssen"

7. September 2012, 18:34

Ernst Ulrich von Weizsäcker sieht schwarz für die Ökopolitik. Er pocht auf Allianzen zwischen Europa und Asien

Wien - Das Umweltbewusstsein im "gemütlichen Österreich" hat für ihn mit den weltweiten Entwicklungen wenig gemein. Zwischen Europa und Nordamerika macht er tiefe Gräben aus. Der deutsche Umweltwissenschafter Ernst Ulrich von Weizsäcker zeichnet ein düsteres Bild der internationalen Ökopolitik. Für gut die Hälfte der Amerikaner habe das Thema Klimawandel bisher nicht existiert.

Erst die schwachen Maisernten infolge der Dürre ließen manche mittlerweile doch darüber nachdenken. Global herrsche nach wie vor die Meinung vor, dass Öko Luxus sei. "Was für ein törichtes Vorurteil." Der Physiker und Biologe war Präsident des Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt, Energie und saß für die SPD im Deutschen Bundestag. Am Freitag kam er auf Einladung der Handelskette Rewe nach Wien - und übte scharfe Kritik an den USA: Sie akzeptierten keine globalen Regeln, überließen alles auf Kosten der Umwelt und Armen den freien Kräfte der Märkte, warnte er. "Sie denken in Vierteljahresabschlüssen" - und betrieben dabei globales Brainwa shing - zu gern schicke Chinas Elite ihre Kinder auf amerikanische Wirtschaftsuniversitäten wie Stanford oder Harvard.

Allianzen mit Asiaten

Weizsäcker appelliert an Allianzen der Europäer mit Asiaten, unter denen langfristigeres Denken vorherrsche. Ein Zusammenschluss bei umweltpolitischen Themen mache die Wall Street nervös und zwinge folglich auch die US-Regierung zum Handeln. Europa brauche Selbstbewusstsein und dürfe von Asien nicht als Marionette Nordamerikas wahrgenommen werden.

Der Verbrauch von Wasserressourcen, Energie und Land gehöre verteuert. "Auch wenn das die Amerikaner bekämpfen werden - mit dem heiligen Geist der Marktwirtschaft."

Europa dürfe sich in- ternationale Regeln dabei nicht von der Welthandelsorganisation kaputtmachen lassen. "Sie ist ein Feind der Umwelt - auch wenn man das nicht sagen darf."

Für Weizsäcker lassen sich Wohlstand und Belange der Umwelt durchaus vereinen. Voraussetzung sei eine Verfünffachung der Ressourcenproduktivität. Womit er keine Intensivlandwirtschaft meine, da diese energieaufwendiger sei als der ökologische Anbau.

Die Produkte daraus müssten jedoch erschwinglich sein, um breiten Absatz zu finden. Eine neue US-Studie über Biolebensmittel, die diesen kaum Mehrwert für die Gesundheit attestiert, quittiert er mit "typisch Amerika". Rewe-Österreich-Chef Frank Hensel, der Nachhaltigkeitsprogramme auf die Fahnen des Konzerns heftet, nennt die Untersuchung einseitig. Sie berücksichtige weder die Folgen des Bioanbaus auf die Umwelt noch auf die Gesellschaft. Generell werde Bio jedoch Nische bleiben. Der große Hebel für Verbesserungen liege in konventionellen Produkten. (vk, DER STANDARD; 8./9.9.2012)

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je länger der umstieg auf regenerative energien hinausgezögert wird, desto höhere gewinne dürfen sich ölkonzerne versprechen. deren goldene zeiten dürften nämlich erst bevor stehen.

wenn es zu einer echten verknappung von öl kommt, werden die preise regelrecht explodieren. da zu wenig in alternative technologien investiert, der öffentliche nahverkehr zu wenig ausgebaut wurde, etc. wird sich die nachfrage sehr unelastisch verhalten.

"je länger der umstieg auf regenerative energien hinausgezögert wird"

Welche erst mal die Energie welche ihre Herstellung gekostet hat, hereinbringen müssen, und dann muss das was übrig bleibt für uns reichen.
Mit Solarenergie und Windkraft wird sich das nicht ausgehen. Holzvergasung (+die vorhandene Wasserkraft) eventuell, da müsste mal ne Studie für Österreich her.
Regenerative Energie als Lösung zu präsentieren kling recht schön, es sollte aber auch praktisch machbar sein, und genau das bezweifle ich.

es ist nun mal schlicht und einfach so, dass es keinen anderen weg gibt. öl und gas werden uns irgendwann ausgehen (bzw. so selten und teuer, dass keine option). je länger wir den umstieg herauszögern, desto teurer wird er werden. wir müssen jetzt geld in forschung stecken, wenn sich der ölpreis noch einmal verdreifacht hat, wird es etwas spät sein.

es geht mir auch nicht darum, dass wir jetzt sofort auf regenerative energien komplett umsteigen. aber die weichen müssen jetzt gestellt werden.

die marktlösung ist, dass es zu einer ölverknappung kommt, die uns unvorbereitet trifft. dann explodieren die preise und erst dann wird in reg. energie investiert. langfristig billiger ist es jetzt maßnahmen zu setzen.

Das mit dem Umstieg kann man auch anders sehen.

Sobald Öl und Gas zu teuer werden wird man auf was anderes umsteigen. Der, der als erstes eine Lösung findet, wird ein tolles Geschäft machen. Ansonsten wird Transport so teuer werden, dass sich die Wirtschaft wieder umstellen muss. Weniger Import (weil teuer durch Dieselpreise) mehr lokales Geschäft. Auch die Arbeiter können sich umstellen, wenn in die Arbeit pendeln zu teuer wird, muss man in Richtung Arbeitsstätte ziehen. Wir machen das nur nicht, weil es noch nicht zu teuer ist.

Ich kann mir heute schon Überlegen was ich machen würde, wenn Öl/Benzin bestimmte Preise überschreitet.
Autarkie könnte in Zukunft wichtiger werden.

oder man überlegt sich vorher konzepte um diese entwicklung weiter in die zukunft zu schieben. etwa einen ausbau des öffentlichen nahverkehrs, strafzahlungen für autos mit hohem verbrauch, verschiedenste maßnahmen um den ölverbrauch zu senken und regenerative bereits jetzt auszubauen.

es ist jedenfalls extrem unwahrscheinlich, dass plötzlich eine erfindung auf den markt kommt, die hilft öl vollständig zu ersetzen.

ein umstellen der wirtschaft zu mehr autarkie würde jedenfalls extrem teuer kommen. außerdem kann sich die wirtschaftsstruktur nicht in kurzer zeit ändern, solche prozesse dauern jahrzehnte.

Quartalsmässig ist gut. Bei uns ist es mittlerweile soweit, dass die Mutter in den USA wöchentlich die Zahlen will. Was da alles aufgeführt wird, dass diese dann auch in den Umsatzplan passen......

Wir haben vorheriges Jahr mit ca. 500 MA 16 Mille nach Steuern erwirtschaftet. Prämien für die Mitarbeiter? Ne, die Mutter in den USA hat die Ziele nicht erreicht.

Ein Jahr davor. Die Mutter in den USA hat ihre ZIele übertroffen, wir knapp verfehlt. Prämien für die Mitarbeiter? Ne.......

Mittlerweile ist es bei uns nach zahllosen Kündigungen der Vorjahre trotz schöner Gewinne soweit, dass 90% der MA einfach nur mehr dass MInimum machen, und Selbstständig denken, oder Lösungen für Probleme erarbeiten, an die Ebene oberhalb weitergeleitet wird.

Danke fuer ihre Stimmer Herr Weizsaecker!
Das kurzfristige Denken der amerikanischen Eliten ist auch im gegenwaertigen Wahlkampf zu erkennen.
Z.b. verspricht Mitt Romney dass er als Praesident viele Regulierungen (zum Schutz von Umwelt und Gesellschaft) zurueckrollen wird damit der "freie Markt" Amerikas wirtschaftliche Probleme beheben kann (Uebersetzung: Damit seine Chronies sich wieder ungehemmt und ohne Auflagen auf Kosten von Umwelt und Gesellschaft bereichern koennen).

Mit Nachhaltigem Wirtschaften und dem Aufbau einer langfristig florierenden Volkswirtschaft in dem die Bevoelkerung insgesamt gute Lebensqualitaet geniesst hat das in m.M. gar nichts zu tun.

dafür verspricht er den verblendeten amerikanern auch 12 millionen neue jobs....frag mich nur ob er diese auf dem mars plant zum terraforming??

In Österrich und dem übrigen Europa fahren aber auch verdammt viele SUVs herum ...

... scheinbar haben hier viele vom Klimawandeln auch noch nix gehört. Spricht man das Thema an hört man .... der braucht eh nur 5 Liter.

geh wir machen so weiter wie bisher, dann hat die erde in ein paar jahrhunderten von dem parasiten menschen die schnauze voll und er haut ab oder stirbt aus und die paar minuten wo der mensch in der geschichte des universums am leben war sind vergangenheit.....

Dein Hass gilt deiner eigenen Art

Bei "Bio" geht es schon ein bisschen mehr als die eigene Gesundheit. Kann mir kaum vorstellen, dass jemand alleine aufgrund der eigenen Gesundheit nachhaltiger Bio-Kunde ist.
Auch viele unmündige (ist übrigens auch von der "Bildung" unabhängig) Konsumenten denken mittlerweile in Quartalen, jedes Vierteljahr wird ein Konsumelektronik-artikel im Haushalt erneuert.

Das beweist eigentlich nur eines.

Das die Betriebswirte dort auch schon massgeblich die Politik machen. Denn die denken grundsätzlich nur im Quartal und "nachhaltig" bezieht sich einzig auf den Goldenen Handschlag.

Quartalsdenken ist total bescheuert

Damit die Zahlen zu Quartal stimmen, werden auch schon mal Mitarbeiter im März nach Hause geschickt und im Mai müssen sie dann wieder Überstunden machen ...
Unabhängig davon, ob Saisonbedingt die ersten Quartalszahlen seit Jahren eben nicht so schön sind als die anderen. Es würde der Firma aufs Jahr weniger kosten, die Leute durchgehend mit Normalarbeitszeit zu beschäftigen, aber die ersten Quartalszahlen sehen dann halt nicht so toll aus ....
Für wen ergibt das Sinn?
Fürs Management, denn die müssen die Quartalszahlen erreichen, die der Oberboss ausgegeben hat.

Immer wieder witzig zu sehen, wie die Firma plötzlich aktiv wird, wenn die Zahlen mal nicht passen, da ja jeder bis hinunter zum Abteilungsleiter, mit mindesten 1/3 seines Gehaltes an den Zahlen gemessen wird.

Da kommt dann plötzlich Bewegung in die Führungspositionen. Aufträge vom nächsten Jahr werden dann schon mal teilweise ins aktuelle gerechnet, Projekte mit geringer Abschlusschance tauchen plötzlich im Vorcast auf, etc... blabla.

Mittlerweile ist es bei uns soweit, dass sich die Mitarbeiter die Flugkosten zu ihren Projekten selbst bezahlen müssen, und diese erst einen Monat drauf rückverrechnen können.

piep piep piep piep piep

"Politiker denken nur bis zur nächsten Wahl"

Das ist vermutlich das größere Problem.

Ökologie und Nachhaltigkeit bringen Kostenvorteile

Würde man das endlich kommunizieren, wäre die Angelegenheit ein Selbstläufer.
Unsere Umweltapostel sind aber die gleichen Deppen wie die Evangelisten welche sich auf predigen von Strafe, Pein, Hölle,... (Offenbarungen des Johannes - Mann, war der bekifft !!!) konzentrieren.

" Europa brauche Selbstbewusstsein und dürfe von Asien nicht als Marionette Nordamerikas wahrgenommen werden. "

Diesen Satz können wir uns ins Stammbuch schreiben.

Europa hätte eine ungeheure Tradition und Kapazität an Geisteswissenschaft und Humanismus.
Es könnte impulsgebend nicht nur für Amerika, sondern für die ganze Welt sein.

Aber was machen wir: Wir installieren Politiker, die bedingungslos vor dem Kommerzwahnsinn kapitulieren und die in noch mehr Technik und Kommerz das Wahre sehen.
Dabei hat uns das schon an den rande des Abgrunds gebracht.
Und wenn wir unsere Rolle nicht wahrnehmen, dann wird der Amerikanismus (der ein Synonym für Produktionswut, reinen Materialismus und menschliche Verblendung ist) wirklich alles übernehmen.

Es ist halt so, dass seit 1945 gilt:

die einen (GB, aber auch Frankreich, .. ) sind den Amis zu "ewigem Dank" verpflichtet, müssen also tun was die Amis wollen.

Die anderen (va. Deutschland, Ö, ..) wurden besiegt und besetzt, müssen also auch auf ewig tun was die Amis wollen.

So kommt es dass in Brüssel eine "Provinzregierung" installiert ist, die Befehle für EU kommen aber aus Washington.

Deshalb jedes Jahr das Bilderberger-Treffen!

Dass ja alles schön auf Kurs bleibt!

Amerikaner denken in Vierteljahresabschlüssen

Seit über 20 Jahren erlebe ich, dass investitionen die über ein jahr hinausgehen und nicht sofort in bottom line durchschlagen fast unmöglich durchzusetzen sind......alle 3 monate die hiernlose quartalskosmetik mit zum teil völlig kontraproduktiven entscheidungen, die langzeitschäden verursagen, ist aber dem management oft eh wurscht, weils ja in zwei jahren eh weg ist bzw woanders schaden anrichtet....

Ich kenne Beispiele von hochinnovativen, ökologischen Anbietern mit vollen Auftragsbüchern,

die von der österr. Bank wegen 30.000.- Kreditausstand liquidiert wurden.

Den Konzernen, die auf die alte Koffertour Masse produzieren, sich nix um Nachhaltigkeit peifen und durch ihre Produkte Mensch und Umwelt schleichend vergiften, wird das Geld hingegen in den Rachen geschaufelt.

So kanns echt nicht weitergehen...sonst ist der Schiffbruch nahe.

Ihr und Eure Kinder werdet es erleben

diese Amerikaberliebtheit ist schon unglaublich. Die USA sind ein rückständiges, klerikales Land, dessen einziger Inhalt die Vermehrung des Reichtums auf Kosten aller beruht. Der Glaube an eine göttliche Vormachtstellung über alle anderen ist wirtschaftlich bereits so dogmatisch, dass alles dem Gott Profit untergeordnet und hintangestellt wird. 10.000 Jahre Menschheit und 250 Jahre + werden die Welt runiert haben und die Menschheit wird an sich selbst zugrunde gehen, wie viele Kulturen zuvor. Solange wir mit diesm Wahnsinn weiter machen und Hurra schreien, wird sich nichts ändern. Stoppt endlich die Rating Agenturen, die Europa ruinieren! Amerika ist bankrott, aber mit dem Finger zeigen sie auf uns!

sehr richtig

PS: Im übrigen bin ich davon überzeugt, dass uns die Confitüringer ordentlich einschenken werden.

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