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vergrößern 959x600Nicht Hoffnung und Euphorie markierten den Auftritt von US-Präsident Barack Obama beim Nominierungsparteitag in Charlotte, North Carolina, sondern Appelle an Geduld, Beharrlichkeit und Zusammengehörigkeit.
Der Funke ist übergesprungen - wieder einmal. Zumindest bei den Parteigetreuen, die im Herbst lange Freiwilligenschichten einlegen werden, um bei schwankenden, skeptischen Wählern Klinken zu putzen. Auf dem Heimweg von der Time Warner Cable Arena skandieren sie Parolen, wie die Anhänger von Footballmannschaften. "Fired up!", ruft ein Fanblock vorn am Hotdog-Stand. "Ready to go!", schallt es von einer Treppe zurück. Vor Tatendrang brennend ans Werk gehen: Es war der erste zündende Slogan von Barack Obama, lange vor dem genial schlichten "Yes we can", das man heute gar nicht mehr hört.
Draußen auf der College Street tanzen manche so beschwingt durch die Nacht, als wäre die Wahl bereits gewonnen. Drinnen gruppieren sich die "Sikhs for Obama" mit leuchtenden Turbanen zu einem Gruppenfoto vor der patriotischen Kulisse mit Freiheitsstatue und Sternenbannern.
Luis Nava, geboren in Peru, Besitzer einer Reinigung in Oregon, trägt eine veritable Flaggenkollektion auf seinem Hut spazieren: lateinamerikanische Fähnchen und, deutlich größer, die US-amerikanische. "Eine ehrliche Rede", sagt Nava über den Auftritt des Präsidenten, "nicht ‚Yes we can‘, aber grundehrlich".
Leticia Jones, eine Schwarze aus North Carolina, spricht leicht genervt von der Mikrowellen-Mentalität ihrer Landsleute. Immerzu müsse alles ganz schnell gehen: drei Minuten, nicht länger, die Nudeln aufgewärmt, zack-zack. Politik aber sei kein Fertiggericht, der Aufschwung brauche Zeit. "Ich hoffe, die Leute vergessen das nicht im November."
Irgendwann, kurz vor Mitternacht, dröhnt noch einmal Bruce Springsteen aus den Lautsprechern, We Take Care Of Our Own, "Wir kümmern uns um unsere Leute". Zu den Klängen von "The Boss" hatten die Obamas - Barack, Michelle, Malia und Sasha - winkend auf der Bühne gestanden, als ein blau-weiß-roter Konfettiregen niederging und die Halle tobte. Springsteens Appell an das Zusammengehörigkeitsgefühl sollte die Leitmelodie des Konvents sein. Hier die wärmende Solidarität der Demokraten, dort das Ich-Ich der Republikaner, das kalte Gewinnstreben Mitt Romneys.
"Sie fühlen eine Erkältung heranziehen? Nehmen Sie zwei Steuerkürzungen, fahren Sie die Regulierung zurück und rufen Sie uns am Morgen wieder an", imitiert Obama ein Patientengespräch, wie es ein Arzt namens Romney führen würde. Stellenweise klingt er wie ein Satiriker vom Schlage eines Jon Stewart, Jay Leno oder Dave Letterman. Romneys Außenpolitik? "Du nennst Russland einfach nicht mehr unseren Feind Nummer eins. Es sei denn, du bist in der Zeitkapsel des Kalten Krieges gefangen." Romneys sommerliche Auslandsreise, unter anderem nach London? "Vielleicht bist du nicht gewappnet für die Diplomatie mit Peking, wenn du Olympia nicht besuchen kannst, ohne unseren engsten Verbündeten vor den Kopf zu stoßen."
Vor allem aber ist es eine Übung in Bescheidenheit. Vor vier Jahren, vor pseudogriechischen Säulen in einem Stadion in Denver, hatte noch alles im Zeichen von Hoffnung und Wandel gestanden, im Zeichen der großen Versprechen. In Charlotte fiel nicht nur die Kulisse um Nummern kleiner aus - eher ungewollt, weil der Auftritt des Präsidenten wegen vorhergesagter Gewitter vom Bank of America Stadium mit seinen 73.000 Sitzplätzen in eine dreimal kleinere Halle verlegt werden musste. Auch der Protagonist selber, die Haare ergraut, lässt so etwas wie Demut erkennen.
Bitte um Geduld
"Die Zeiten haben sich geändert, genau wie ich. Ich bin nicht länger Mister Kandidat, ich bin Präsident", sagt er. Dann zitiert er Abraham Lincoln, der angesichts der blutigen Härte des Amerikanischen Bürgerkriegs eingestand, er sei von den Umständen oft in die Knie gezwungen worden.
In zwei Sätzen bittet Obama um Geduld. "Ihr habt mich gewählt, damit ich euch die Wahrheit sage. Und die Wahrheit ist, es wird länger als vier Jahre dauern, um Pro bleme zu lösen, die sich über Jahrzehnte angestaut haben."
Davor hatte sich Gabby Giffords, die ehemalige Abgeordnete aus Arizona, die nach einem Kopfschuss mühsam wieder das Sprechen erlernt, tapfer durch den Treueschwur auf die Republik gekämpft - der bewegendste Moment der drei Kongresstage.
In den Pausen waren thematisch passende Kurzfilme über den Leinwandwürfel unterm Hallendach geflimmert. Fließbänder in Detroit, Szenen der mit Staatshilfe geretteten Automobilindus trie. Grünlich schimmernde Gehöfte in Pakistan, Blicke durch Nachtsichtgeräte, symbolische Bilder der Jagd nach Osama Bin Laden. "USA! USA!", schallt es triumphierend von den Rängen.
John Kerry, womöglich der nächste Außenminister, gibt eine bissige Antwort auf Romneys rhetorische Frage, ob es den Amerikanern denn besser gehe als 2008: "Fragt doch Osama Bin Laden, ob es ihm besser geht als vor vier Jahren." Und Vizepräsident Joe Biden erzählt von seinem "Freund Barack", der zwar schmächtig wirke, aber ein Rückgrat aus Stahl habe. Bin Ladens Tod und die Wiederauferstehung Detroits - das sind die Joker in Obamas Blatt. Die Gesundheitsreform, das wichtigste Reformprojekt, spielt dagegen so gut wie gar keine Rolle: Der Staatschef streift sie bloß mit ein paar dürren Sätzen. Ausführlicher formuliert er Zielmarken fürs nächste Jahrzehnt: Halbierung der Ölimporte, 100.000 zusätzliche Lehrerstellen, bis 2016 eine Million neue Industriearbeitsplätze.
Es sind Ziele in weiter, vager Ferne, so etwas wie der Hoffnungskontrast zur trüben Arbeitslosenstatistik. Im August schuf die US-Wirtschaft bloß 96.000 neue Jobs, rund 40.000 weniger, als die Analysten erwartet hatten. (Frank Herrmann aus Charlotte /DER STANDARD, 8.9.2012)
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…während auf der Projektionswand hinter ihm vier Kreuzer der russischen(sic!) Schwarzmeerflotte eingeblendet sind:
http://www.navytimes.com/mobile/ne... ute-091112
Unbedingt auch die köstlichen Kommentare zu Gemüte führen.
daher hab ich offenbar eine andere Rede gehört. Eine zuversichtliche, nichts verschweigende, nachdenkliche und humorvolle Rede, die die USA aus einer Art Trance holen sollte, die die religiösen Republikaner aus purem Selbstinteresse initieren. Immer und überall predigt und prägt die Rechte: sei ein Egoist: Mach Die die Erde untertan, beute aus zu Deinem Vorteil und bekämpfe alles, was anders ist als Du.
Wohin das führt sehen wir allerorts. Krieg, Verwirrung, Armut.
Obama ist einer der wenigen Herrschenden, die diesem Irrsinn entgegen wirken.
Obama spricht sehr wohl von Hoffnung, und zwar so, dass vielen Menschen die Tränen kommen.
http://www.youtube.com/watch?v=ekltAFvycSk
Ab 34:00 wird von nichts Anderem geredet, von Hoffnung und Zuversicht, notwendiger harter Arbeit angesichts wirtschaftlichen od. and. Gegenwindes.
Heißt das, dass jetzt auch der STANDARD die depressive, herunterziehende republikanische Argumentation teilt?
Die International Herald Tribune jedenfalls (s. Kommentar vom 1.09.12 zur Rede von Ryan) ist eher auf der demokratischen Seite & hinter ihr stehen ebenfalls Wirtschaftskreise.
Die FI-Banken haben noch lange nicht genug (aus Gewohnheit)
die MI-Military Industry will weitere Kriege (wegen Geschäft)
daher ist es folgerichtig, das Volk auf große geduldige Opfer vorzubereiten.
Ein vorbildlicher Friedensnobelpreis-Präsident.
Wie wahr er spricht.
Ja, Geduld ist angesagt.
Und es ist sicher sehr löblich und wird gut ankommen, dass der Präsident bescheiden aufgetreten ist und Attaken gegen die Republikaner vermieden hat; die bringen nichts, diese Untergriffe (siehe seinerzeit Sarah Palin).
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