Lufthansa verzichtet auf Leiharbeit in Berlin

Die Flugbegleiter legten mit ihrem Streik den Flugverkehr in großen Teilen lahm, die Leiharbeit war wesentlicher Streitpunkt

Frankfurt/Main - Im Tarifkonflikt mit ihren Flugbegleitern hat die AUA-Mutter Lufthansa am Freitag eine wichtige Forderung der Streikenden erfüllt. Die Fluggesellschaft kündigte an, künftig keine Leih-Stewardessen mehr auf ihren Berlin-Verbindungen einzusetzen. Während am bislang größten Streiktag bei Lufthansa bundesweit mehr als die Hälfte der 1800 geplanten Verbindungen ausfiel, liefen in Frankfurt Sondierungsgespräche für weitere Verhandlungen. Dies bestätigten Lufthansa und die Kabinengewerkschaft Ufo. Ufo-Chef Nicoley Baublies signalisierte Kompromissbereitschaft bei den Sparplänen des Konzerns.

Das Unternehmen verzichtet "einseitig, auf absehbare Zeit und ohne weitere Vorbedingungen auf den Einsatz von externen Kabinencrews in Berlin", kündigte Lufthansa-Chef Christoph Franz an. Die rund 200 betroffenen Stewardessen der Zeitarbeitsfirma Aviation Power sollen im kommenden Jahr Jobangebote der Lufthansa erhalten. Noch am Freitag hatten die Leiharbeiter dafür gesorgt, dass Lufthansa aus Berlin Europaflüge anbieten konnte, während die Lufthansa-Crews streikten.

Franz verspricht sich laut einer Mitteilung Fortschritte in den festgefahrenen Tarifverhandlungen für die rund 18 000 Flugbegleiter der Lufthansa Passage. "Wir hoffen, dass dieser Schritt der Gewerkschaft Ufo hilft, mit uns gemeinsam in konstruktiven Gesprächen den Weg zu einer zukunfts- und wettbewerbsfähigen Vergütungsstruktur für die Mitarbeiter der Kabine zu beschreiten."

Beispielloser Ausstand am Freitag

Wegen des Streiks musste Europas größte Fluggesellschaft am Freitag weit mehr als die Hälfte ihrer Flüge streichen, rund 100 000 Reisende waren von dem beispiellosen Ausstand betroffen. Selbst die Pilotenstreiks aus den Jahren 2001 und 2010 hatten nicht eine derart durchschlagende Wirkung. Chaos gab es aber weder an Flughäfen, Bahnhöfen noch auf den Autobahnen. Es war bereits die dritte Streikwelle nach zwei regional begrenzten Ausständen seit Freitag vergangener Woche.

Baublies sagte der Nachrichtenagentur dpa, weitere Streiks solle es zunächst nicht geben. In Frankfurt sagte er: "Wir werden, egal was jetzt in den nächsten ein, zwei Tagen passiert, keine weiteren Streiks planen und verkünden." Die Lufthansa habe quasi kapituliert, indem sie für Freitag fast alle Verbindungen gestrichen habe. Daher habe er den ersten Schritt gemacht.

Lufthansa bestätigte, dass bereits seit Donnerstag nach einem Ausweg gesucht wird. Es sei aber noch nicht entschieden, ob ein Schlichter eingesetzt werden solle, hieß es in Unternehmenskreisen. Zunächst solle bilateral gesprochen werden. Der Lufthansa-Personalmanager Peter Gerber hatte selbst die Möglichkeit einer auf wenige Fragen begrenzten Schlichtung ins Spiel gebracht.

Kein Chaos

Das Restprogramm der Lufthansa bestand wesentlich aus Flügen nicht bestreikter Tochtergesellschaften wie Germanwings und Eurowings. Man habe den Sonderflugplan mit kleinen Abstrichen fliegen können, sagte ein Lufthansasprecher. Auch einige Überseeziele seien von Frankfurt und München angeflogen werden.

Am größten deutschen Flughafen in Frankfurt blieb es zunächst ruhig. Mit mehr als 60 000 SMS und E-Mails hatte die Fluggesellschaft ihre Gäste seit Mittwochabend über die Flugausfälle informiert. Am Samstag wollte die Airline ihr Programm wieder nahezu komplett fliegen, nur 18 Verbindungen wurden für den Samstag gestrichen.

Ufo fordert in dem seit 13 Monaten währenden Tarifkonflikt fünf Prozent mehr Lohn, das Ende der Leiharbeit und Schutz gegen die Auslagerung von Jobs. Lufthansa bietet bei einer längeren Laufzeit 3,5 Prozent Lohnerhöhung, plant aber eine große konzerninterne Billigtochter mit niedrigeren Gehaltstarifen. Für die verbleibenden Mitarbeiter will das Unternehmen die Gehaltsstufen abflachen und für Neueinsteiger niedrigere Bedingungen durchsetzen. (APA, 7.9.2012)

  • Berechnen Sie Ihren Brutto- oder Netto-Lohn mit dem Brutto-Netto-Rechner von derStandard.at/Karriere
Share if you care
Posting 1 bis 25 von 55
1 2
Leih"Arbeiter" sind billige Sklaven. Sie müssten nach Tarif/KV zu bezahlen sein und sollten die gleichen Vergünstigungen haben, wie die Stammarbeiter eines Konzernes!

Und dann auch der richtige Kollektiv, nicht der von den Hilfsarbeitern

Da sag mir einer noch:

Aber geh is doch eh alles wunderbar...

der darf sich ein bisserl Zeit nehmen und einfach zusehen: http://www.youtube.com/watch?v=Z3jw22qO4d4

Warum müssen sich das die Leut eigentlich von unten mit ihren Dienstgeben ausstreiten, ich fordere eine klare Obergrenze für Leiharbeiter, meinetwegen auch branchenspezifisch!

Gratulation!
In Österreich ist leider noch keine Streikkultur im Gange. Es fehlt anscheinend noch die kritische Masse dazu.

Meine aufrichtig gemeinten Glückwünsche an das streikende Personal.

Wer Arbeitsbedingungen erhalten oder verbessern will, muss innerhalb seiner Möglichkeiten konsequent auftreten, chapeau!

Mit bloßer Unzufriedenheit ist gar nichts bewältigbar.

danke fuer zwei stunden verspsetung mit zwei kleinkindern.

Ufo hat vermutlich nur eine interesde naemllicj die eigene!!!!

Ich hoffe Sie haben die Zeit mit einer Empathiegrundlektion oder zumindest einem

Deutschkurs totgeschlagen.;o)

Denk nach vorm POSTEN!!!
Auch ein Familienvater!

Danke fürs fliegen mit Kleinkindern...

Anschauungsunterricht für den zukünftig noch viel öfter notwendigen Arbeitskampf.

wenn du deinen kindern erklärst

das sich menschen dagegen wehren müssen, immer weniger zum leben zu haben und dafür immer mehr arbeiten sollen, dann verstehen die das. glaub's mir.

Ich bin mir sicher, der eine oder andere Mitarbeiter, für den gestreikt wird, hat auch Kinder.

Gehört dir auch nix anderes. Mit Kleinkindern zu fliegen ist eine Frechheit.

"heul doch" <--unter "" ;)

die interessen der vielen arbeitnehmer haben sicher vorrang...sie hättens den kids auch erklären können ;)

Und als Schadenersatz bis Jahresende ein paar Verguetungen streichen.

Streiken wegen 20-40 Euro mehr im Monat ist eine Farce, der image und wirtschaftliche Schaden ist weit groesser.

Die LH setzt ohnehin schon sehr viel Kabinenpersonal ein, die koennten ohne weiteres 10% der Stewardessen entlassen...

Die Stewardessen sind leicht austauschbar, wenn genug Zeit bleibt...

Hirn war aus bei ihrer Geburt?

40 x 14 = € 560 im Jahr.

20x12, in GER gibts keine 14...

Also, fuer 200+ im Jahr den Erfolg seines Arbeitgebers aufs Spiel setzen, wenn man ohnehin schon deutlich ueber Durchschnitt verdient?

Toll.

LH Angestellte haben 14 Monatsgehälter, gibt aber schon viele Branchen, wo sich die AN das schon haben abzwacken lassen. Die Kanzlerin nennt das dann gesteigerte Wettbewerbsfähigkeit; ich nenne es Lohndumping auf dem Rücken der Arbeiterschaft, die Realverluste zu beklagen haben, während Konzerne sich über die tollen Renditezuwächse zuprosten.

Würde die Inflationsrate bei 0,5 % liegen, wäre ich der selben Meinung.
Bei 10 % Reallohnverlust, kann ich ihre Aussage nur als unüberlegt einstufen.

Na also, geht doch!

Man muss den abgehobenen Bonzen im Management wohl ab und zu zeigen, wo ihre Grenzen sind, um als Mitarbeiter respektiert zu werden.

Gratulation an die Lufthansa-Crew!

Gratulation

Die mitarbeiter sind die Lufthansa!

Keine Leiharbeit -> Arbeitskosten steigen -> Preise steigen -> Nachfrage sinkt -> Leute müssen entlassen werden.

Schade dass die Gewerkschafter immer so kurzfristig denken.

Na ja, in der Technik sieht es folgender Maßen aus. Da zahlt die Lufthansa, für einen CAT A Mechaniker ca 40€/Stunde an die "Seelenverkäufer, für einen CAT B Mechaniker sind es ca. 80€/Stunde. Dieser bekommt ca 12€/Stunde oder ca 20€/Stunde davon. Schalte den Zwischenhändler aus und die Lufthansa brauch auch nicht 40€-80€/Stunde für die Arbeit an den "Seelenverkäufer" zahlen.

Posting 1 bis 25 von 55
1 2

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.