Gute Geschäfte mit Flüchtlingen auf der Saualm

7. September 2012, 18:44
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Während Asylwerbern das Nötigste vorenthalten wurde, verbuchte die Betreiberin der Sonderanstalt auf der Saualm 2010 einen Bilanzgewinn von 195.420 Euro

Klagenfurt - "Wir haben heute das erste Mal ohne Angst geschlafen, ohne Security mit dem großem Hund", freuen sich die Pakistani und Afghanen, die am Donnerstag aus der Sonderanstalt für "mutmaßlich straffällige" Asylwerber nach Klagenfurt verlegt wurden. Die Saualm musste ja am Donnerstag behördlich gesperrt werden. "Offiziell", weil eine defekte Heizung und kaputte Fenster saniert werden müssten.

Wie der STANDARD erfuhr, mussten die Asylwerber selbst vor einiger Zeit auf Geheiß der Betreiberin Herta L. neue Fenster einsetzen. Geld für einen fachgerechten Einbau wollte die Betreiberin offenbar nicht ausgeben. Die fix verglasten Scheiben zerbarsten infolge starker Gebäudespannungen.

Bilanzgewinn von 195.420,42 Euro

Auch sonst dürfte Herta L. kaum das Nötigste in die Sonderanstalt investiert haben: Asylwerber hatten von zu wenig und teilweise verdorbenem Essen, vorenthaltenen Medikamenten, desolaten Klos sowie abgedrehtem Internet und Fernsehen berichtet.

Dabei hat die Betreiberin dank eines Supervertrages mit dem Land Kärnten ordentlich verdient. Dem STANDARD liegt deren Bilanz für das Jahr 2010 vor. Demnach schreibt sie immerhin einen Bilanzgewinn von 195.420,42 Euro.

Als Entgelt erhält sie einen Sondersatz von 40 Euro pro Tag pro Asylwerber. Und das für eine Vollbelegung von 25 Asylwerbern. Bis Juni 2014 muss das Land den Betrag von 1,77 Millionen Euro überweisen - plus Kosten für den Sicherheitsdienst. Das hatte schon der Kärntner Rechnungshof mehrmals scharf kritisiert.

Ermittlungen gegen Saualm-Betreiberin

Äußerst entgegengekommen ist man Herta L. auch beim Kauf des ehemaligen Kindererholungsheims der Arbeitsvereinigung der Kärntner Sozialhilfeverbände. Laut Kaufvertrag vom 2. Juni 2009 musste sie für die 15.628 Quadratmeter umfassende Liegenschaft, mit land- und forstwirtschaftlicher Nutzfläche, Bauland, Jugendheim, Wirtschafts- und Garagengebäude, nur 75.000 Euro hinlegen, zahlbar in drei Raten von je 25.000 Euro bis Ende 2011.

Zudem streckte das Land Betreuungskosten von 304.000 Euro vor. Die grüne Abgeordnete Alev Korun verlangt Aufklärung von Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP), da der Bund laut 15a-Vereinbarung 60 Prozent der Grundversorgungskosten übernehme. Gegen die Saualm-Betreiberin Herta L. wurden von der Staatsanwaltschaft Ermittlungen zu mehreren Sachverhalten eingeleitet. Herta L. will keine Stellungnahme abgeben. (Elisabeth Steiner, DER STANDARD, 8./9.92012)

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    Weil die Betreiberin Geld sparen wollte, mussten Asylwerber in der Sonderanstalt auf der Saualm selbst Hand anlegen und neue Fenster einsetzen. Jetzt müssen diese saniert werden.

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