Steuerfahnder strecken Fühler nach Jersey aus

Informationsaustausch in Steuersachen zwischen Österreich und Jersey: Abkommen wurde in London unterzeichnet

Wien - Steuerfahndern aus Österreicher soll es künftig möglich sein, via Amtshilfeverfahren zu Vor-Ort-Prüfungen auf der als Steueroase bekannten Insel Jersey auszuschwärmen. Auch an andere Auskünfte - auch gesellschaftsrechtlicher Natur - hoffen die Österreicher aus Jersey künftig leichter heranzukommen. Das soll ein Steuerinformationsabkommen bewerkstelligen, das von Finanzstaatssekretär Andreas Schieder (SPÖ) unterzeichnet wurde. "Ein erster Schritt, damit diese Steueroase nicht mehr ganz so sumpfig ist", wie es in österreichischen Polit-Kreisen hieß.

Das Abkommen über den Informationsaustausch in Steuersachen zwischen der Republik Österreich und der Regierung Jerseys wurde heute in London unterzeichnet. Wie das Büro von Schieder bekanntgab, ist es ein reines Informationsabkommen in Hinsicht auf Einkommens- und Körperschaftssteuern.

Mehr Transparenz

"Bisher gab es zwischen Österreich und Jersey keinerlei vertragliche Beziehungen über den Austausch von Informationen in Steuersachen", so Schieder. "Damit setzen wir die von der OECD geforderten Transparenzstandards um und erweitern unser internationales Netzwerk gegen Steuerbetrug."

In Zukunft werde es möglich sein, auf Ersuchen der zuständigen Behörden Auskünfte über Eigentumsverhältnisse und Informationen einzuholen, die sich bei Banken auf Jersey befinden. Außerdem ist laut Schieder mit dem Abkommen gesichert, dass auch österreichischer Steuerfahnder vor Ort Prüfungen in Jersey vornehmen können.

Steuerschonende Umgehungskonstruktionen über Briefkästen sollen so leichter geknackt werden können. In Österreich ist die Kanalinsel vor allem wegen des Anlegerskandals um die Meinl European Land (MEL) bekanntgeworden. Meinl European Land hatte ihren Sitz auf Jersey. Der Skandal um umstrittene Wertpapierrückkäufe hat heimischen Anlegern teuer vor Augen geführt, welche Probleme erwachsen, wenn Firmen ihren Sitz in Steueroasen wie eben Jersey haben und bei Beschwerden jahrelang bloß auf "Jersey-Recht" verwiesen wird. Hätte es damals schon das Steuerinformationsabkommen gegeben, hätte im Fall einer Prüfung der Meinl-Gruppe durch die österreichische Finanz zumindest die Option bestanden, sich vor Ort mögliche Zuordnungen näher anzusehen, hieß es. (APA, 7.9.2012)

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19 Postings

Meinl European Land hatte ihren Sitz auf Jersey - recherchierende Journalisten entdeckten damals einen Briefkasten beim Haus eines Treuhänders - und die laufende Geschäftsführung offenbar in Österreich. Besagt nicht die Rechtsprechung des OGH, dass sich eine Gesellschaft ihren Sitz nicht nach steuerlichen Günstigkeitserwegungen aussuchen darf, sondern dass sie ihren Sitz dort hat, wo die Geschäftsleitung wirkt und werkt?

Leider verhindert die österreichische Geheimnistuerei (Datenschutzfetisch), dass Machenschaften besonderer Art jemals ans Licht der Öffentlichkeit gelangen.

kann mich an ein interview mit einem steuerrechtsexperten hier im standard erinnern, in dem er gemeint hat, dass mel ganz klar seinen mittelpunkt der geschäftstätigkeit in österreich habe und deshalb auch hier steuerpflichtig sei.

nur haben praktisch alle fonds ihren offiziellen geschäftssitz in diversen steuerparadiesen. wenn man im fall meinl eine steuerprüfung in diese richtung macht, dann müsste man viele andere gesellschaften auch überprüfen.

das ist den steuerbehörden offenbar zu heiß. rein rechtlich ist es der mittelpunkt der geschäftstätigkeit, der die steuerpflicht bestimmt. also selbst ein büro mit ein paar mitarbeitern reicht noch nicht aus um die steuerpflicht in ein anderes land zu verlegen.

Das fand ich ja immer interessant, wie still es um Jersey war.

Die Schweiz wurde und wird dagegen pausenlos kritisiert und attackiert.
Aber manche Steueroasen sind offenbar besser als andere - es gibt genügend, von denen auch jetzt noch kaum die Rede ist, und kein Finanzminister der Welt will seine Kavallerie hinschicken, niemand besticht Bankangestellte, um CDs/USB Sticks mit Daten zu kaufen.
Seltsam, seltsam...

Nein, es gab bloß keine Steuerdaten-CDs. Und im Vergleich zu Liechtenstein und der Schweiz ist Jersey transparent. Jersey eignet sich als fiktiver Gesellschaftssitz um Gewinne zum Niedrigsttarif zu versteuern. Zur Veranlagung von Schwarzgeld ist Jersey keine gute Wahl.

Attraktiv ist der geringe Steuersatz (0%), den man sich aushandeln kann.

Geschäftsbericht 2006 von Meinl European Land (MEL): "Der Einkommenssteuersatz in Jersey liegt bei 0 Prozent, der Steueraufwand der Gesellschaft liegt daher bei 0 Prozent"

http://derstandard.at/3025171

Dagegen hilft keine Steuerdaten-CD. Die Finanz müsste hierzulande gegen diese Gesellschaften vorgehen. Aber wenn der Finanzminister mit den Konzernherren "kuschelt"...

Kommt schon noch, die Schweiz ist nur das erste Ziel.....

Iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiihhh! Schau mal!!! Das kommt ein Steuerfahnder aus dem Österreicher raus!!!

Igit!!!

was möchten sie uns damit mitteilen ???

kann mir nicht vorstellen,

dass jer in hinkunft überwiegend nur mehr vom tourismus leben will/kann. wenn das kleine österreich schon die volle transparenz bekommt wird das etwas grössere deutschland und die noch etwas grössen us&a wohl auch so ein recht verlangen (und bekommen). ob der brit schatzkanzler auch wissen will, wer aller was veranlagt hat, sei jetzt mal dahingestellt

jedenfalls wird dann sehr viel weniger provision für die lokale regierung anfallen

"Nurmehr vom Fremdenverkehr leben"?
"Provision für die lokale Regierung"?
hier gehts um Jersey, nicht um Österreich!

die regierung in jersey schneidet am erfolg der dort ansässigen banken(töchter) prozentuell mit. dafür gab´s in der vergangenheit die sicherheit der nichtoffenlegung der treuhandvereinbarungen ggü den behörden

Wenn die Caymans ein Abkommen machen

werd ich FahnderIn.

Welche Steuerfahnder?

Die Steuerfahndung ist personell schrumpfend und verwaltet sich zunehmend nur mehr selbst! Es ist wohl die Großbetriebsprüfung gemeint.

Dafür darf die Finanzpolizei mit exÖBBler, Postlern und ausgemusterten

Bundesheerlern, zwecks Politshow, ungebremst weiter wachsen.
Die kümmern sich um die echten "peanuts", um das Stimmvieh von den Milliardenbetrügern erfolgreich abzulenken!
js

Politshow, exakt!

Mehr liefern die nicht und ist auch nicht beabsichtigt.

Steuerfreiheit auf Jersey ist ein Geschenk der Queen an Ihre reiche Freunde

Klingt jetzt komisch?
Jersey und Guernsey sind Monarchien unter dem britischen Königshaus.
Privateigentum der Königsfamilie sozusagen.
Auch viele reiche Briten haben eine Firma in Jersey oder Guernsey. Mich wundert, dass die Queen das Ihren Untertanen antut.

nein, andere Herkunft

nein nicht Privateigentum, sie sind der letzte Rest der Territorien die die seinerzeitige englische Königsfamlie als Lehen in Frankreich hatten. Die Streitigkeiten um diese Territorien sah man in England immer als Privatsache des Königshauses an, weil es sich nach Ansicht der Engländer um französches Land handelte . Das ist auch der Grund warum einer der englischen Könige in der Abtei Fontevrault im Tal der Loire begraben ist. Sie waren Könige von England und als Privatleute Lehensmanner des französichen Königs , auch das Thema des Hundertjährigen Krieges

Aber nicht zu schnell sein...

Ein paar Tage brauchen die Superreichen schon um ihr Geld wonanders zu veranlagen. Da gibt es dann leider wieder kein Steuerabkommen. So was aber auch. Wo veranlagen eigentlich unsere Spitzenpolitiker?

Jörgl veranlagte in Jungrennfahrern

Zu kalt und windig

Für Vor-Ort-Prüfungen ist Jersey vielleicht nicht die beste Adresse. Die Bahamas wären für solche Dienstreisen empfehlenswerter gewesen. Wozu gibt es übrigens eigentlich E-Mail, Fax und Briefpost?

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