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Leben auf großem Fuß oder grüner Fußabdruck? "Das einzige Wissen, das handlungswirksam ist, entsteht durch Vorleben."
Über Nachhaltigkeitsdebatten und widerständige Praxis.
"Aber was machen Sie eigentlich mit Ihrem eigenen Leben? Sind Sie auch so im Konsumrausch? Im Arbeitsrausch? Im Geldrausch?", werde ich hin und wieder gefragt, und ich antworte dann etwas müde: "Ich befinde mich gar nicht so sehr im Konsumrausch, wobei, gemessen an den Ressourcen un serer Erde, dann doch." Es sickert ja langsam auch in unser kollektives Bewusstsein, dass es Grenzen gibt, Ressourcengrenzen, Klimagrenzen, Wachstumsgrenzen. Und immer wieder finden wir uns bei Events, Tagungen und Konferenzen ein, die sich dieses Themas annehmen.
So auch ich, die ich gerade in Hamburg bei einem "Wachstumsmarathon" dem Wirtschaftswissenschafter und Nachhaltigkeitsexperten Niko Paech zuhöre: "Jedes Ding, das ich mir zulege, konsumiert Lebenszeit", meint er, um uns zu einer gewissen Enthaltsamkeit zu überreden. Er bleibt in seiner Wachstumskritik strikt auf der Konsumentenebene und schwärmt vom zukünftigen Prosumenten, der selbst produziert und andere daran teilhaben lässt. Tauschringe! Subsistenzwirtschaft! Kommunitarismus! Das ist erst einmal interessant angesichts der Tatsache, dass das eigene Mittelstandsleben heute oft in Konsum- und Karriere- bzw. Überlebenswahnsinn versinkt.
Dass Konsumverzicht auch eine Befreiung bedeutet, weiß jeder, der Kinder hat. Die wertvollste Zeit ist die, die man mit ihnen verbringen kann, sagen wir uns, wie wir uns allerdings auch einig sind, dass wir einer Katastrophe entgegengehen - was heißt einer: Klima katastrophen, Währungskatastrophen und Ressourcenkriegen. Wir können gut uns zu einer re gelrechten Weltuntergangsstimmung hochpitchen, aber es macht so wenig mit uns.
Es ist ein seltsames Missverhältnis entstanden zwischen dem Wissen um den Klimawandel und der eigenen Lebenspraxis. Wo bleibt sie, die Green Revolution? Es ist nur wieder zwei Monate nach Rio, zwanzig Jahre nach Rio, vierzig Jahre nach den Grenzen des Wachstums. Die Zeit vergeht, und angeblich passiert nichts. Glauben wir. Aber was wissen wir schon über den Zustand unserer Welt? Ja, was wissen wir eigentlich?
Ich spreche jetzt einmal ausnahmsweise nicht vom Geheimwissen der Börsen, der Elitecluster and Clouds, die über uns schweben, der Verdunkelungspraktiken der Macht einzelner Herrschaftsinteressenverbände, Geheimclubs, auch nicht vom akademischen Wissen aus den Forschungen und Labors, aus den Fachzeitschriften und Konferenzen, sondern über das ganz allgemeine einfache Alltagswissen, das wir benötigen, um uns zu orientieren, um zu wissen, wie wir leben sollen, bzw. gröbere kollektive Katastrophen zu verhindern. Es geht um ein Wissen, das handlungswirksam ist. Und welches ist das? Niko Paech sagt dazu: "Das einzige Wissen, das handlungswirksam ist, entsteht durch Vorleben."
Ich muss also selber aufs Fliegen verzichtet, einen nachhaltigen Lebensstil praktizieren, dann wirkt es ansteckend. Das ist interessant und irgendwie plausibel. Es geht also erst mal um Praxis. Doch wie sieht die aus? Es gibt ja nicht nur die eigenen Lebensentscheidungen, die ich voluntaristisch ändern kann unter dem Motto "Nein, ich kauf mir nicht das neue Notebook, ich bleibe konsumabstinent, ich baue mein Gemüse selber an", wie immer in bürgerlichen Nachhaltigkeitsdebatten suggeriert wird, sondern es gibt auch die, die mir vorweggenommen sind, durch systemische Zwänge, Organisationen, standardisierte Abläufe, Teamarbeit, Institutionen, Herrschaftsverhältnisse. Es sind auch die Arbeitsverhältnisse, die Kommunikationsverhältnisse, in denen wir uns bewegen, die uns auf gewisse Muster festlegen. Ja, sieht man sich nur ein kleines Segment aus unserem Arbeitsleben an, wird deutlich, wie schwierig eine Änderung der Verhältnisse wird.
Denn meine eigene Praxis besteht oft darin, erst einmal zuzuhören. Immer wieder habe ich beispielsweise Ärzte am Telefon, erschöpfte Ärzte, müde Ärzte, verärgerte Ärzte, aus Berlin, aus Wien, aus Salzburg, die über Überstunden klagen, über Missbrauch ihrer Arbeitskraft. Über erste und zweite Verschleißerscheinungen. An diesem Telefon höre ich, dass man sich gerade um die jungen Spitalsärzte zwischen 25 und 35 sorgen müsste, weil sie extrem missbrauchbar sind. Sie seien idealistisch, und zugleich würden sie in Abhängigkeitsverhältnissen gehalten. 16-mal müsse ein junger Arzt im AKH in seinem beginnenden Arbeits leben um seinen Job zittern, das heißt um die Verlängerung des Vertrags.
Wer kann sich da noch Konflikte leisten? Und schon gar mit seinen Vorgesetzten? Aber braucht es nicht Konflikte, um eine gewisse Form des Wissens herzustellen? Um Schwierigkeiten in Organisationen festzustellen, Dinge zu ändern, zu verbessern? Das heißt, das Wissen, das wir benötigen, um gesellschaftlich zu überleben, wird nicht nur über Lehrbücher hergestellt oder in Forschungslabors, auch nicht nur über "Vorleben", sondern gerade durch Konflikte, Widerstände. Wenn diese nicht mehr erlaubt sind, wenn weder so etwas wie Distanznahme oder Reflexion noch gar Konflikte mehr möglich sind, welche Formen des Wissens werden da überhaupt noch produziert?
In Nachhaltigkeitsdebatten kommt in diesem Augenblick immer gerne der Demokratiebegriff zur Tür herein: der notwendige Streit. Und das ist meist auch der Moment, in dem ich den Habitus des engagierten linken Berufspolitikers vor mir sehe, der Floskeln äußert, die ich abgleiche mit der Verfahrenssprache eines Bürokraten von der Veranstaltung letzte Woche und diese mit dem BWL-Talk von Unternehmern und Consultants während einer Recherchereise vor einem Monat usw. Kommunikationsformen, die sich gegenseitig ausschließen. Das heißt, sie nehmen gar nicht in einem Raum Platz und sprechen miteinander.
So etwas findet einfach sehr selten statt, z. B. eher so in meinem Kopf. Sicher, mein Kopf wäre ein guter Schauplatz der kollektiven Wissensproduktion, wäre er nicht so rasend subjektiv. Es ist zwar die Aufgabe des Schriftstellers, diese unterschiedlichen Rhetoriken, Gesten, habituellen Auftritte in einen Zusammenhang zu stellen, um ein Bild vom gesellschaftlichen Zusammenhang zu erstellen, aber er muss auch immer am Komplexitätsproblem scheitern wie an der eigenen Person.
Nein, ich lebe in einer Welt, in der trotz beschworener Kommunikationsgesellschaft die einzelnen gesellschaftlichen Felder voneinander wegzudriften scheinen, niemand mehr dem anderen zuhören kann, weil die Sprachen und Sprechformen zu unterschiedlich ausfallen. Nur hier im Raum sind sich wieder alle einig, denke ich mir auch auf diesem Hamburger Wachstumsmarathon, aber vielleicht gerade deswegen, d. h. wegen dieser Disparatheit wird wohl an dem Bild der Einigkeit obsessiv gearbeitet.
Diese Gesellschaft, werde ich derweil von Niko Paech in meinen Gedanken unterbrochen, ist nicht revolutionierbar, veränderbar, nur mehr therapierbar. Er vergleicht ihren Zustand mit dem eines Trinkers. Einzig der absolute Crash, der Totalabsturz würde uns helfen, Wege zu suchen, wachzurütteln, sodass der Fortbestand der Spezies Mensch gewährleistet ist. Der Mensch als Spezies ist eine große Figur. Zu groß für unsere kleinen Leben, die wir schon mit weitaus kleineren Abstraktionen emotional überfordert sind.
"Eine Eigendynamik hat das alles", höre ich ein wenig später eine ältere Dame im Foyer sagen, "in den Konzernvorständen eine Eigendynamik, in der Politik eine Eigendynamik, in den Medien eine Eigendynamik. Man selbst steht irgendwie davor und hat nicht das Gefühl, da was machen zu können." Sie hat recht, aber Gott sei Dank gibt es ja noch das Telefon: Junge Assistenzärzte, höre ich dort, hätten sich in Vorarlberg gewehrt. Sie hätten kollektiv in einem Krankenhaus gekündigt wegen der schlechten Arbeitsbedingungen und seien alle wieder eingestellt worden zu besseren Konditionen. Eine kleine Tür, die sich mal geöffnet hat. Pseudofreelancer, höre ich aus meinem ZDF-Telefon, Kameramänner, Tonmänner, müssten sich derzeit hineinklagen, aber sie tun es nicht.
Es sind mühsame Heldengeschichten aus dem prekarisierten Arbeitsleben, die sich nach Lebenszeitvernichtung anhören und meist mit einem leichten Seufzen erzählt werden und weitab von den großen Nachhaltigkeitsdebatten doch so etwas wie eine widerständige Praxis erzeugen könnten. Aber wie viele dieser Geschichten bräuchte es, bis sich strukturell etwas ändert? Und wie viele, bis es zu systemischen Änderungen führt?
(Kathrin Röggla, Album, DER STANDARD, 8./9.9.2012)
Kathrin Röggla, geboren 1971 in Salzburg, ist Schriftstellerin. Sie studierte zunächst Publizistik und Germanistik und ist seit 1998 schriftstellerisch tätig. Röggla lebt seit 1992 in Berlin. Für ihre Prosa- und Theaterstücke erhielt sie zahlreiche Preise, u. a. den Italo-Svevo-Preis, den Anton-Wildgans-Preis und den Arthur-Schnitzler-Preis. Im Frühjahr 2010 erschien ihr Buch "die alarmbereiten" (im S.-Fischer-Verlag), das mit dem Franz-Hessel-Preis ausgezeichnet wurde.
Ich frage mich, wie die Leute das aushalten, die Musik den ganzen Tag. Ich meine damit die Beschallung, die permanente Beschallung, und speziell meine ich den Techno-Dreck
Früher hießen sie "Gastarbeiter", heute Arbeitsmigranten. Sie kommen und gehen, viele bleiben und schlagen Wurzeln. Was ist ihr Bild von hier? Und wie sehen diese Menschen uns?
Über sechstausend Menschen hat das Meer verschlungen auf der gefährlichen Reise von Afrika nach Europa. Ein Lagebericht
Massenentlassungen, Arbeitslosigkeit und die Hoffnung auf einen Job. Manche haben aus der Not eine Tugend und sich selbstständig gemacht
Es wabert, die Walküren sammeln Helden auf, Loge lässt es zischen und krachen. Aber die ideologischen Kosten, die wir für das Spektakel bezahlen müssen, sind horrend
Wie würde das gehen? Sicher nicht mit einem rumpelnden Rollkoffer oder einem lächerlichen Rucksack
Lissabons Charakter besitzt etwas, das einen sich für die eigene Unvollkommenheit schämen lässt, obwohl diese Stadt niemanden beschämt.
Sie ist wider die Natur, wider das Vergnügen. Arbeit ist unverschämt. Ein Manifest wider die Arbeit zum 1. Mai
Todgeweihte Küken, räudige Katzen und stinkender Müll. Über eine Reise mit mitteleuropäischem Nachwuchs nach Marokko - abseits aller Werbeprospekte
Es ist obszön, die fremden Straches lieben zu sollen: Wolfgang Müller-Funk über symbolische Minenfelder und kulturalistische Fallen, die bei der Debatte über islamische Einwanderung mit im Spiel sind
Sie sind in den Siebzigern und Achtzigern geboren und schreiben eine Literatur, in der es keine Welt vor dem Text gibt - Über eine neue Generation von Schriftstellerinnen
Er lässt sich mit ärmlichen Worthülsen abspeisen, er schmatzt, er fühlt sich satt. Der Unmund wohnt im Schlaraffenland, während ich mich in meiner Art bedroht fühle
Ägypten! Schon das Wort wie ein Lockruf. Weltwunder erwarten dich. Pyramiden. An ihren Wänden ein Flirren: Götterbilder, Tierbilder, Zeichen
Allerweltscremedose, Herrenwitzdarbietung, rotbeschuhte Fußnoten, Stadt-Rad-Alltag, Goldhelme, Heimat-Kennzeichen, gleichgeschlechtlich Liebende: Bodo Hell fragt sich vieles
Eine Krippe, ein Pferd, ein Hinweisschild: Drei Fotos liegen auf meinem Tisch, ich schiebe sie hin und her, ich frage mich: Welche Geschichten verstecken sich hinter der Anordnung von Dingen?
Das ist nur eine Frage von vielen. Eine weitere: Welche Gründe hat Frau K., sich derart zu exponieren? Oder: Versteht sie das als Teil einer Aufarbeitung? Versuche einer Erklärung
Ich falle höchstens dadurch auf, dass ich kein Smartphone habe. Ins Gespräch integriert werde ich dennoch, also in diese seltsam multimediale Mischung Mensch und Maschine
Farb-, geruch- und geschmacklos wollen wir es in Mitteleuropa haben, die Amerikaner schätzen den Chlorgeruch. Vier allgemeine Anmerkungen zum Wasser nebst einer Wasserverkostung
Ein Blick auf den Schreibtisch am Wochenende - und Fragen, die sich unter der Woche aufgestaut haben
Als ein Schriftsteller ist man an seinem Schreibplatz tagtäglich auf ein Hausarbeitsverbessern zurückgeworfen, Lehrer und Schüler in Personalunion
Warum muss ich immer daran erinnert werden, dass ich Jude bin? Warum schreiben auch (links-) liberale Medien vom "jüdischen Komponisten" oder vom "jüdischen Schriftsteller"?
Die Debatte um die Wehrpflicht zeigt sehr deutlich, dass über Geschlechterpolitik in Österreich nicht geredet werden kann
Ihm eilt der Ruf voraus, er sei der Verkünder kommenden Glücks: Gedanken zum Zufall
Dinge auf die Reihe kriegen: Das kann bald jemand. Ich gehöre lieber zu jenen, deren liebstes Möbelstück die lange Bank ist. Ein Lob der Prokrastination
Wie groß ist unsere Genugtuung, wenn einer, der es probiert hat, es doch nicht schafft? - Und aus der Sphäre der gelebten Träume auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt wird
Ha, "wo bleibt sie, die Green Revolution?" In den Taschen der ECO-Gauner, selbstverfreilich! Was haben Sie um Gottes Willen geglaubt? "Green Revolution" ist ja bekanntlich nur ein "kommunikationsteschnischer" Kunstbegriff (gleich dem "Klimawandel", "Erderwärmund", "Nachhaltigkeit" & Co KG), dahinter steckt das dicke, fette und wahre Megageschäft (da erhizt sich wirklich die Fantasie der GEO-Betreiber)!
ist dieser Text - wie bei Röggla leider üblich - eine inferiore Leistung. Ein biederer Schüler-Aufsatz: staubtrocken, angefüllt mit unnötigen Fremdwörtern, ermüdend. Man fragt sich ernsthaft, wie diese Dame zu ihrer Preise- und Stipendiensammlung gekommen ist, und ich hoffe nicht, dass man für ein derartiges Elaborat auch noch ein Honorar bekommt. (Als Röggla mal in Salzburg gelesen hat, bin ich eingeschlafen. Das passiert mir sonst nur bei Daniela Striegl.)
mMn besteht die gRevolution darin, das Leben wieder als Lebenswert zu erachten. Warum soll ich 40h/w arbeiten? wenn ich durch eigene Energieerzeugung weniger fremde Energie benötige, habe ich etwas erspart. wenn ich nicht immer der Droge Konsum folge habe ich mir etwas erspart. wenn ich meine Lebensmittel aus dem Garten erwirtschafte, habe ich etwas erspart. wenn ich meine Einrichtung aus alten Sachen zusammenbaue, habe ich etwas erspart.
diese Ersparnis kann ich in weniger erwerbsarbeit umwandeln. und diese in mehr Lebensqualität.
wann kommt der kleine Mensch endlich drauf, das er nur ein Tropfen Sperrflüßigkeit in einer Ringleitung ist, das 24h/t fließt um das System rundherum am Leben erhalten zu können.
Prinzipiell gebe ich Ihnen da recht. Allerdings hat das Ganze für mich einen Haken:
* Ich bekomme in meiner Branche keine Teilzeit-Jobs, obwohl ich gerne weniger arbeiten würde.
* Als vierköpfige Familie haben wir Fixkosten, die wir nicht mehr wesentlich runterdrücken können - und wir sind beileibe keine Konsum- und Energie-Junkies. Weniger arbeiten ist auch deshalb schwierig.
* Gemüse aus dem Garten hört sich toll an, aber haben Sie eine Vorstellung, welche Fläche man benötigte, um sich nur annähernd selbst zu versorgen? Unter 1 ha geht da nicht viel.
Fazit: Das System hat mich fester in seinen Klauen, als mir lieb ist. Indem ich mein Familiensystem erhalte, trage ich auch zur Erhaltung des Systems rundherum bei.
aufzugeben, den anderen zu überlassen um Ökobauer zu werden, der eben eine Photovoltaikanlage (auch nicht gerade grün in der Erzeugung) am Dach hat.
Das ist für die meisten doch realitätsfremd, also überlasse auch ich dieses Feld jenen, die die Voraussetzung dafür haben (eine Landwirtschaft) und Zeit und Energie (Mehrgenerationenhaushalt) dafür aufbringen können.
Ich glaube, die nicht ausreichend stattfindende grüne Revolution kann auch unmöglich darauf reduziert werden, ob man selbst anbaut und Energie erzeugt.
btw. Ökoenergie kann von jenen erzeugt werden, die es sich leisten können und wollen. Ist nach wie vor so. Meiner Ansicht nach liegt hier der größte Hebel in der öffentlichen Hand, also Gemeinden. Ausbau Fernwärme etc.,
"* Gemüse aus dem Garten hört sich toll an, aber haben Sie eine Vorstellung, welche Fläche man benötigte, um sich nur annähernd selbst zu versorgen? Unter 1 ha geht da nicht viel. "
Stimmt mit konventioneller Landwirtschaft braucht man 1 ha, geht aber auch anders.
Denn es stimmt, dass der reine Konsumverzicht zuwenig ist. Jedes gekaufte Stück kostet Lebenszeit stimmt so ja auch nicht, weil es einige gibt bei denen nur das Kapital arbeiten muss - sie aber nicht und der Rest muss genauso weiterarbeiten auch wenn Konsumverzicht geübt wird. Das ersparte geld wird dann, auf drr bank wieder zur Bereicherung der Reichen verwendet.
Zumal wir hier vor einem weiteren Problem stehen: niemand will hungern, aber der Übergang zwischen Verarmung und Konsumrausch ist leider nicht fliessend, sondern hart.
Wir leben in einem einzigen Systemfehler, die Eurokrise zeigts vor und ein Ende mit schrecken ist wohl unausweichlich. Daher ist die Frage wie eine nachhaltige Wirtschaft tatsächlich funktionieren kann.
Der Vorstand der Deutschen Bank kassierte 2007 14 Millionen Euro. Die Bank verleiht das Geld, das Sie ihr leihen und bekommt dafür viel mehr Zinsen, als sie bekommen.
powerpack hat es falsch ausgedrückt, im Grunde stimmt es aber trotzdem. Für die Zinsen der Reichen müssen übrigens WIR ALLE aufkommen, indem wir für eigene Schulden, Staatsschulden (durch Steuern) und Unternehmensschulden (durch erhöhte Preise) aufkommen müssen.
Der Mensch ist bequem: Der Strom kommt aus der Steckdose, das Essen aus dem Supermarkt. Durch den Kauf all dieser Dinge verschaffen wir den dahinterstehenden Strukturen Profite, womit wir sie auch noch fördern.
Die "Grüne Revolution" bedeutet nichts anderes als Dezentralisierung: Kaufe Lebensmittel beim Bauernmarkt anstatt im Supermarkt, erzeuge dir deine Energie selbst anstatt dich ans Stromnetz zu hängen. Damit ist klar, dass wir selbst aktiv werden sollen.
Nachteil: Die breite Masse ist träge und nur sehr langsam dahin zu bewegen. Vorteil: Sobald wir uns unabhängig von den großen Strukturen machen, sparen wir sehr viel Geld- und niemand kann uns aufhalten.
Glaube nur an das Konzept des Gegendrucks:
Den jetzigen Dauerkrieg der Globalindustrie gegen die 99% mit Partisanenkrieg (= millionen Nadelstiche; z.B. ANONYMUS; Demos; Selbstmordattentate in Steueroasen; etc.) zu bekämpfen, bis sie bereit sind, sozial- und umweltgerechte Rahmenbedingungen auszuverhandeln.
einfach nur träumerei. Auch wenn Teile der Kritiken ja berechtigt sind.
Sehen Sie nicht, dass nichtmal im kleinen AT die zwei stärksten politischen Parteien bei Minithemen einen konsens finden ?
Mit wem wollen Sie verhandeln ? Goldman Sachs, Lehman, die noch größeren Asiatenbanken ?? ...
Viel Spass dabei. Ich glaube nicht, dass sich der Kapitalismus moralisch wesentlich verbessern wird, die (zugegeben sehr schwache) Kraft liegt im Einzelnen, in den Unternehmen und in der Aufklärung durch die Medien, soferne die frei genug dazu sind.
Die Frage der Nachhaltigkeit, und WER DIESE BEZAHLEN KANN ist sehr differenziert und kompliziert in Zeiten der Wirtschaftskrise.
Natürlich könnt ihr euer Gemüse selbst anbauen, aufs Fliegen verzichten, auf's Auto verzichten, das neue Notebook nicht kaufen - dadurch geht aber der Konsum zurück.
Wenn der Konsum zurückgeht, dann schrumpft die Wirtschaft (und Arbeitsplätze fallen weg).
Das Ziel der "Green-Revolution" ist es, den Konsum zu reduzieren, also die Wirtschaft zu schrumpfen.
Dann geht mal zu einem Unternehmer und sagt ihm dass er doch bitte seine Umsätze senken soll. Der wird euch dann sagen, dass er Kredite laufen hat die er, wenn die Umsätze zurückgehen, nicht bezahlen kann - er kann dann Insolvenz anmelden.
Oder erklärt mal den Aktionären, dass sie jetzt dafür sorgen sollen, dass ihre Aktien weniger wert werden...
soviel blödsinn auf einem haufen.
überlegen sie mal wieviel in jedem industriestaat überproduziert wird.
also güter die eigentlich nicht gebraucht, aber dennoch in übermass hergestellt werden. weil wir alle paar jahre nach dem neusten hinterher hechln .
und wenn so eine firma ihre kredite nicht mehr zahlen kann, weil die leute auf hören sich den 5ten haarföhn, oder die 20. deko-figur mit tollen bunten leds einzureden, dann sage ich "tschüss baba und fall ned, es wird dir keiner nachheulen"
gehts dir wirtschaft gut, gehts auch der wirtschaft gut, gehts auch der wirtschaft gut
Also eigentlich ist das Ziel der maximale Gewinn, den gibt es aber nur, wenn es Wachstum gibt.
Der Kuchen muss immer größer werden wenn man ständig ein Stück davon wegnehmen muss, sonst bliebt irgendwann nichts mehr für die übrig, die ihn backen.
Wir müssen unseren Konsum schon immer weiter steigern, alleine um die bestehenden Arbeitsplätze zu halten. Anderenfalls würden durch die Rationalisierung immer mehr Jobs wegfallen.
Und wenn wir noch zusätzliche Jobs schaffen wollen, dann müssen wir unseren Konsum noch stärker steigern.
Und das sind ja auch die oberen Ziele der Politik, der Regierungen: Wirtschaftswachstum und mehr Jobs.
Eben weil unser Wirtschaftssystem das braucht. Ohne Wachstum funktioniert es nicht.
Zum einen profitieren die Mächtigen und die Entscheidungsträger viel zu sehr von diesem System als dass sie davon weggehen würde - zum anderen würde alleine der Weggang vom System zum Crash führen und diesen Crash würde niemand bewusst auslösen wollen.
Und deshalb werden wir so weitermachen, auch wenn wir wissen, dass wir so nicht mehr lange weitermachen könne und zwar solange, bis es so endgültig nicht mehr weitergeht.
menschen die glauben, sie können durch eigenes handeln gesellschaftlich am ganzen system etwas ändern, sind in der regel größenwahnsinnig.
derzeit wird ja nur von unten "therapiert".
gesellschaftliche veränderung kommt aber immer von oben. entweder der machtzirkel erkennt von sich aus, dass das eigene handeln verantwortungslos ist und zum kollaps führt oder der machtzirkel wird nach einer revolution ausgetauscht.
eine grüne revolution kommt also erst nach dem großen crash.
bis dann
hab green revolution geguggelt. darunter versteht man die landwirtschaftspolitik ab den 50ern des vorigen jahrhunderts. aber ich verstehe schon, green revolution soll sein, wenn die leute den salat nun selbst marinieren, äh, anbauen sollen und die suppe können sie ebenfalls selbst auslöffeln.
Die Politik tut sich leicht, indem sie die Verantwortung auf "die Konsumenten", die Bevölkerung abwischt, während sie brav tut was die Wirtschaft sagt.
Die Politik übernimmt keine Verantwortung, obwohl das ihre Aufgabe ist und die (globale) Wirtschaft stellt sich über die Politik, weil sie übermächtig geworden ist - Demokratie ist das ja nicht mehr.
Wenn bio kaufen alleine helfen würde...
Was nützt es immer auf die anderen zu zeigen oder auf die untätige Politik zu zeigen? Wenn jeder ein bisschen was tut, geht das - davon bin ich überzeugt!
Wir haben z.B. einen Citroen C-Zero angeschafft und einen Verein zur Förderung der E-Mobilität im Burgenland gegründet.
Auf der facebook-Projekt/Vereinsseite kann man sich zum Thema E-Mobilität infomieren.
http://www.facebook.com/pages/e-m... 9911992986
Martin
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