Einige Änderungen in der Eishockeyliga

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    foto: erstebankliga.at

Die Erste Bank Eishockey Liga startet mit einigen Veränderungen am Regelwerk ins neue Spieljahr. Unser Eishockey-Blog listet die wichtigsten Adaptierungen

Mit einem 4:1-Auswärtssieg der Vienna Capitals im vorgezogenen Gastspiel bei Olimpija Ljubljana wurde am Donnerstag die neue Saison in der EBEL eröffnet. Die übrigen zehn Teams starten am Freitag in die Spielzeit 2012/13 - die zehnte unter dem Hauptsponsor Erste Bank, die achte seit der Etablierung der Liga als eigener Verein. Im Vergleich zum Vorjahr haben sich einige Rahmenbedingungen verändert, die im Folgenden kurz zusammengefasst werden sollen.

Zwölf Teilnehmer

Der Niedergang des HK Jesenice, 2006 immerhin das erste internationale Team in der Liga, beschleunigte sich im Sommer: Nachdem die EBEL-Mitgliedschaft ruhend gestellt wurde, scheiterte man an der Finanzierung einer Saison in der zweiten Liga. Mittlerweile steht der Klub mit der großen Geschichte (32 jugoslawische bzw. slowenische Meistertitel in 64 Jahren) ohne Vorstand da und existiert nur noch am Papier.
Im Gegensatz zum Ausscheiden der Slowenen schafften mit dem Dornbirner EC und dem HC Innsbruck zwei österreichische Vereine den Sprung in die Liga, an der nun zwölf Teams, davon acht rot-weiß-rote, teilnehmen. Seit der Bundesligagründung im Jahr 1965 spielten nur in drei Saisonen mehr heimische Klubs in der höchsten Spielklasse, sportlich stehen die beiden Aufsteiger jedoch vor einem schweren Jahr.

Der neue Modus

Die Aufstockung von elf auf zwölf Teams bedeutet eine gerade Anzahl an Teilnehmern und damit den Wegfall spielfreier Runden für die einzelnen Klubs. Bis 20. Jänner 2013 stehen sich alle Mannschaften in einer doppelten Hin- und Rückrunde gegenüber, absolvieren also 44 Spiele. Danach erfolgt die aus dem Vorjahr bekannte Trennung in Platzierungs- und Qualifikationsrunde, in der nach der Verteilung von Bonuspunkten (4, 3, 2, 1, 0, 0) eine weitere Hin- und Rückrunde ansteht. Nach insgesamt 54 Spieltagen (324 Partien) sind schließlich die acht Play-Off-Teilnehmer ermittelt.
Die wesentlichste Neuerung betrifft das Viertelfinale, vor dem - wie vorgeschlagen - die Top drei der Liga in einer von ServusTV live übertragenen Zeremonie ihre Erstrunden-Gegner auswählen dürfen. Alle drei Play-Off-Runden werden im Format Best-of-seven ausgespielt, im Halbfinale treffen das am besten und das am schlechtesten platzierte Team nach dem Grunddurchgang aufeinander. Stehen zwei internationale Teams im Endspiel, matchen sich die beiden österreichischen Klubs, die am weitesten kamen, in einer Best-of-three-Serie um den nationalen Titel.

Die Schiedsrichter

Die EBEL setzt weiter auf das Vier-Mann-System, das sich im Vorjahr bewährt hat, jedes Ligaspiel wird von zwei Schieds- und zwei Linienrichtern geleitet. Neu ist das Erscheinungsbild der Referees, die heuer mit fix vergebenen Rückennummern auflaufen und zudem das Logo des neuen Schiedsrichter-Sponsors (Anm.: DB Schenker, Vertrag über ein Jahr plus Option) am Trikot tragen.
Im Bestreben einer weiteren Professionalisierung im Bereich der Spielleiter hat die Liga den Kanadier Stéphane Auger eingeladen, der im März sein 749. und letztes NHL-Spiel leitete. Er lieferte im Schiedsrichter-Camp vor Saisonbeginn wertvolle Tipps, fungiert in den kommenden Wochen als Beobachter seiner Kollegen und pfeift auch einige Ligaspiele selbst.

Ein eigenes EBEL-Casebook

Lyle Seitz, der Director of Hockey Operations der Liga, hat nach internationalem Vorbild ein eigenes "EBEL-Casebook" erstellt, das Fallbeispiele zur Regelauslegung liefert, um die Linie der Schiedsrichter zu vereinheitlichen und den Vereinen diesbezügliche Klarheit zu verschaffen. Das Casebook sieht ein härteres Vorgehen gegen Schwalben von Spielern (Diving) und verbale Entgleisungen gegenüber Schiedsrichtern vor. Im Sinne der Kontinuität des Spiels wurde auch die Icing-Regelung etwas entschärft: Ein um wenige Zentimeter nicht erreichter Pass der angreifenden Mannschaft soll - sofern sich der Spieler, für den das Zuspiel gedacht war, über der roten Linie befindet - von den Referees nicht mehr als unerlaubter Weitschuss bewertet werden.

Transfer- und Kaderbestimmungen

Die viel diskutierte Punkte- und Kaderregel blieb in ihren Grundzügen erhalten, neu ist, dass die Bewertungen der nationalen Feldspieler über 24 Jahre (Jahrgang 1988 und älter) bereits seit dem Vorjahr nicht mehr durch die Klubs vorgenommen werden, sondern ein von der Liga entwickeltes, sogenanntes "objektives Punktesystem" zur Anwendung kommt. Die Regelung, wonach die ersten drei angemeldeten U20-Transferkartenspieler nur zwei Punkte verbrauchen, wurde beibehalten und im Falle der Neueinsteiger Dornbirn und Innsbruck sogar auf U22-Imports ausgeweitet.
Wesentlichste Neuerung im Transferbereich ist die Einführung einer ligaweiten Try-Out-Phase: Bis einschließlich 11. November 2012 wird den Vereinen eine unbeschränkte Zahl an Tauschvorgängen gewährt, nach diesem Stichtag (und bis zum Ende der internationalen Transferfrist am 31. Jänner 2013) sind ab der insgesamt 23. Anmeldung oder dem Erreichen der 60-Punkte-Marke nur noch drei Tauschvorgänge erlaubt. Die bisherige Beschränkung des Kaderblatts auf maximal 22 Spieler und 60 Punkte bleibt bestehen und gilt auch während der unlimitierten Tauschphase. Transferkartenspieler dürfen - das ist neu - bis 11. November 2012 auch innerhalb der Liga wechseln.

Neuer Disziplinarsenat

Der Strafsenat gehört der Vergangenheit an, er wurde durch den neuen EBEL-Disziplinarsenat ersetzt, der in allen Fällen ermitteln kann, in denen Verstöße gegen die dem Spielbetrieb zugrunde liegenden Bestimmungen bekannt werden. Der Senat gliedert sich in zwei Ebenen: Erstens, die für Entscheidungen abseits des Eises zuständige EBEL-Rechtskommission, gebildet aus Juristen und zuständig für Ligastretigkeiten, Spielbeglaubigungen, die Ausfertigung von Senatsentscheidungen sowie die Unterstützung des Ligapräsidiums bei allgemeinen Rechtsfragen. Zweitens, das neu geschaffene Department of Player Safety (DOPS), verantwortlich für sämtliche On-Ice-Entscheidungen, das mit dem gleichnamigen, internationalen und im Rahmen der Ligenvereinigung "Hockey Europe" etablierten Gremium verknüpft ist.
Dem damit für Sperren von Spielern zuständigen DOPS steht Lyle Seitz vor, der sämtliche Fälle vorab untersucht. Ergibt sich daraus ein Sachverhalt, der dem Strafenkatalog der Liga entsprechend eine Sperre von bis zu vier Spielen vorsieht, legt Seitz die Länge der Sperre gemeinsam mit einem Mitglied des DOPS von Hockey Europe fest. Resultiert die Voruntersuchung in einer Sperre von mehr als vier Spielen, wird der Fall direkt an das internationale Komitee übermittelt und das Ausmaß der Sperre dort festgelegt. (Hannes Biedermann; derStandard.at; 7.September 2012)

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