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vergrößern 700x630Eigensinnig, kapriziös, aber auch sehr wachsam und anhänglich: Die Ziege.
vergrößern 500x500Lutz Schiering beschreibt in "Ziegen. Freundliche Querdenker" Geschichte, Macken und Vorzüge des Tieres.
vergrößern 700x450Die Paarhufer haben einen großen Bewegungs- und Freiheitsdrang. Triste Haltung im Stall ist auch für diese Tierart unerträglich.
vergrößern 700x450In Marokko werden Ziegen sogar zu Meister im Klettern, um an der Krone des Arganbaums zu naschen.
vergrößern 700x450Ihr starker Charakter und Wille hat der Ziege im Lauf der Geschichte viele Zuschreibungen eingebracht.
vergrößern 700x450"Zickig sein", "Kapriolen schlagen" und "bocken" gehören zum deutschen Sprachgebrauch. Im Mittelalter glaubten die Menschen sogar, dass Hexen auf Ziegen reiten.
vergrößern 700x450Die Tiere sind sehr sportlich und geschickt: Pismo und Goatee aus Kalifornien begleiten ihren Halter sogar zum Surfen.
"Kapriole" meint im übertragenen Sinne so viel wie übermütiger Einfall oder Streich. Nicht zufällig entwickelte sich das Wort aus "capra", der lateinischen Bezeichnung für die Ziege. Um es diplomatisch auszudrücken: Ziegen richten sich nicht immer nach den Wünschen ihrer Halter. "Was der eine eigenwillig im positiven Sinne nennt, ist für den anderen eben zickig", schreibt Autor Lutz Schiering. In seinem Buch "Ziegen. Freundliche Querdenker" zeichnet er detailliert die Geschichte der Tierart nach und porträtiert in kurzen Einschüben einige der beliebtesten domestizierten Rassen wie die bunte deutsche Edelziege, die rassige Juan-Fernandez-Ziege, die robuste Walliser Schwarzhalsziege und die nässeempfindliche Angoraziege.
Die Hausziege zählt gemeinsam mit Schaf, Rind und Schwein zu den ältesten Nutztieren des Menschen. Mehr als 600 Millionen dieser Tiere leben auf der Erde - von den Grenzen der Arktis bis hin zu Wüsten und tropischen Regionen. Rund 350 Millionen gibt es aktuell in Asien, gefolgt von Afrika mit 190 Millionen Exemplaren. In Europa werden rund 16 Millionen Ziegen gehalten.
Im Sprachgebrauch müssen sie für viele negative Zuschreibungen herhalten. Dabei ist die Ziege viel mehr freiheitsliebend und eigensinnig als zickig. Wach beobachtet sie ihre Umgebung, büxt durch noch so kleine Löcher im Zaun aus - oder springt gleich darüber - und verschmäht keine Umwege, um an schmackhafte Pflanzen zu kommen. Eine Ziege biete überraschende Momente, schreibt Schiering, könne aber gerade deshalb anstrengend sein. "Fremdeln" zählt aber nicht zu ihren Macken - daher gehören die neugierigen Ziegen gerade in Streichelzoos oft zum festen Inventar.
Auch in Sagen kam der Paarhufer nicht immer gut weg: Im Laufe der Geschichte wurden der Ziege unterschiedliche Eigenschaften zugeschrieben. Viele Jahrhunderte stand sie für Kraft und auch Zeugungskraft. Ab dem Mittelalter wurden Böcke Sinnbild des Bösen. In volkstümlichen Darstellungen bekam der Teufel Bocksfüße und Ziegenhörner. Laut damaligen Sagen sollen sogar Hexen zeitweise ihren Besen vernachlässigt haben, um auf dem Tier zu reiten.
Die Realität sah anders aus: Ohne Ziegen hätten die Menschen noch mehr gehungert und gefroren. Es wurden die Milch, das Fell und die Hörner genutzt. In Krisenzeiten wurde auch ihr Fleisch verspeist. Ab dem 14. Jahrhundert gerieten die Hornträger jedoch in Verruf, ihre Haltung wurde verboten oder stark reglementiert. Der Hintergrund: Das Ackerland war begrenzt und die Ziegen wurden zum Fressen in den Wald getrieben. Dort richteten sie erhebliche Forstschäden an, da sie Bäume und Sträucher entrindeten und entblätterten.
Der Gegentrend begann Ende des 19. Jahrhunderts. Auf der Ausstellung der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft gab es 1890 eine eigene Abteilung für Ziegen. Danach wurden mehrere Initiativen zur Förderung der deutschen Ziegenzucht gestartet. Innerhalb weniger Jahren stieg so die Zahl in Deutschland wieder enorm. Den höchsten Bestand verzeichneten die Deutschen nach dem Ersten Weltkrieg mit mehr als viereinhalb Millionen Tieren.
Der Autor betont, dass die Anzahl der Ziegen meist an Bedeutung gewonnen hat, wenn die Bevölkerung in Not war. Früher wurde das Tier gelegentlich als "Kuh des kleinen Mannes" bezeichnet. Daher stieg die Beliebtheit der Ziege nach dem Zweiten Weltkrieg wieder, um in den folgenden Jahrzehnten erneut rapide abzunehmen.
In Ländern wie Österreich, Belgien, den Niederlanden und Deutschland gibt es zwar seit einigen Jahren wieder mehr Ziegen, ihre Verbreitung ist aber nicht mit jener von Kuh und Schwein vergleichbar. Triste Massentierhaltung bleibt der Ziege zumeist erspart. Dabei ist sie eigentlich ein sehr ökonomisches Tier: Umgerechnet auf ihr Körpergewicht gibt sie rund 50 Prozent mehr Milch als Kühe.
Für die ausschließliche Haltung im Stall eignen sich Ziegen jedoch nicht, da sie einen großen Bewegungsdrang haben. Sie wollen klettern, fressen, sind findig und lernen schnell, schreibt der Autor. Mache man sich vor der Anschaffung einer Herde nicht genügend Gedanken, könne sie ihrem Halter schnell auf das Dach steigen - nicht nur sprichwörtlich.
In Marokko bieten die sportlichen Paarhufer erstaunten Touristen zuweilen ein besonderes Spektakel. Dort klettern sie auf den Arganbaum, um an seine Blätter zu gelangen. Die Tiere halten sich dabei keineswegs nur auf den dicksten Ästen nahe dem Baumstamm auf, sondern wandern geschickt bis zur Baumkrone. Falls es zu anstrengend wird, schlafen die Tiere auch in träger Ruhe auf den schmalen Ästen ein. (Julia Schilly, derStandard.at, 12.9.2012)
Zur Person
Die Ziege gehört zur Familie der Hornträger, zur Unterordnung der Wiederkäuer und zur Ordnung der Paarhufer. Zu ihrer Gattung zählen die Wild- sowie die daraus domestizierte Hausziege und verschiedene Steinbockarten. Es gibt zwischen 200 und 350 Ziegenrassen.
Unter Forschern herrscht keine Einigkeit, wann das erste Tier gelebt haben soll, das der Gattung Ziege zuzuordnen ist. Geografisch wird die "Erfindung" der Hausziege im Zagros-Gebirge im Iran verortet, berichtet der Autor. Der älteste bekannte Knochenfund ist etwa 250.000 Jahren alt. Einige Paläontologen gehen jedoch davon aus, dass Ziegen bereits vor vier bis fünf Millionen Jahren in Asien unterwegs waren.
Die wilden Vorfahren der Hausziege gibt es in freier Natur aber nur noch selten: Einst waren sie von Vorder- und Zentralasien über Europa bis in das nördliche Afrika beheimatet. Heute sind die meisten wilden Ziegenarten jedoch durch jahrhundertelange intensive Bejagung und Wilderei bedroht oder sind fast nur noch in Schutzgebieten oder Gehegen zu finden.
Lutz Schiering
Ziegen
Freundliche Querdenker
Komet Verlag
112 Seiten, 7,99 Euro
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Seit meiner Kindheit bin ich ein bekennender Ziegenfan! Ziegen sind so witzige, intelligente Tiere! Ja, als Kind hatte ich eine Ziege namens "Domino". Sie lebte mit ihrer Mutter "Fee" und einem jungen Bock namens "KommKomm" einige Jahre bei uns. Esel und Ziegen zählen zu meinen Lieblinstieren, auch wenn mich 25 Jahre mein Pferd "Ferdinand" durchs Leben begleitete. Jetzt höre ich liebe auf, weil die Liste läßt sich fortsetzen... wen wunderts da, dass ich heute mit Tieren arbeite oder besser mit Tier und Mensch :-).
als seine frau dann fragte, wie das mit dem gestank wird, meinte er nur: ach, daran wird sie (die ziege) sich schon noch gewöhnen.
aber da war vor paar monaten ein artikel über jemanden, der sich eine ziege in new york hält. für new yorker die auffallen wollen ist das wohl einer der letzten gangbaren wege... :)
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