Bawag-Richter blitzt in Deutschland ab

Richter Böhm beantragte die Einvernahme des Ex-Bawag-Chefs in Deutschland, das dortige Amtsgericht erklärte Elsner für verhandlungsunfähig

"Herr Elsner ist nicht erschienen": Dieser Satz von Richter Christian Böhm beim zweiten Bawag-Strafprozess ist bereits ein Routinesatz. Böhm scheint die Geduld zu verlieren, Helmut Elsner wiederum lässt durch seine Anwälte ausrichten und durch Gutachten bestätigen, dass er aus Gesundheitsgründen verhandlungsunfähig sei. Derzeit befindet sich der Ex-Bawag-Chef im bayrischen Bad Reichenhall.

Wie lange er sich dort noch aufhalten muss, sei derzeit nicht abschätzbar, weil Elsners Gesundheitszustand laut einem seiner Anwälte, Andreas Stranzinger gegenüber derStandard.at, von den dort behandelnden Ärzten täglich neu evaluiert werden müsse. Das Gericht in Wien dagegen hält an dem Gutachten des Gerichtsgutachters Günter Leopold Steurer, das Elsner Verhandlungsfähigkeit bescheinigte, fest. Aus diesem Grund beantragte Richter Böhm, Elsner direkt in Deutschland am Amtsgericht Laufen Freitagvormittag um 10.30 Uhr als Zeugen einzuvernehmen - blitzte jedoch ab.

"Nicht zu widerlegende Verhandlungsunfähigkeit"

In einer Verfügung des Amtsgerichts Laufen, die derStandard.at exklusiv vorliegt, heißt es: "Der Termin zur Einvernahme des Zeugen Elsner vom 7.9.2012 wird wegen derzeit nicht zu widerlegender Verhandlungsunfähigkeit aufgehoben." Dieser Entscheid bestätige, dass das Gutachten von Steurer bestellt gewesen und er, Steurer selbst, massiv befangen sei, erklärte der Anwalt in einer ersten Reaktion und bestätigte damit auch die Einschätzung seines Mandanten Elsner. "Das ist eine glatte Watsch'n für Dr. Steurer."

Elsner war im ersten Prozess rechtskräftig wegen Untreue zur Höchststrafe von zehn Jahren verurteilt worden, wovon er viereinhalb Jahre abgesessen hat, bis er im Sommer 2011 aus gesundheitlichen Gründen für haftunfähig erklärt und entlassen wurde. Im zweiten Bawag-Strafprozess ist Elsner nur wegen einer Subsidiarklage der Bawag. (Sigrid Schamall, derStandard.at, 7.9.2012)

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