Gold nach dem 470. Sieg hintereinander

  • Wie man Esther Vergeer schlagen kann, weiß eigentlich niemand.
    foto: epa/penny

    Wie man Esther Vergeer schlagen kann, weiß eigentlich niemand.

Die 31-Jährige Esther Vergeer hat seit 2003 kein Tennisspiel mehr verloren - Und krönte sich in London im Tennis-Finale logischerweise zum vierten Mal mit einer Einzel-Goldmedaille

London - Rollstuhltennisspielerin Esther Vergeer hat ihre fantastisch anmutende Siegesserie ausgebaut und in London ihr viertes paralympisches Einzelgold in Serie gewonnen. Die 31 Jahre alte Weltranglistenerste aus den Niederlanden bezwang im Finale ihre Landsmännin Aniek van Koot (Nr. 2) nach 59 Minuten mit 6:0, 6:3.

Vergeer, die seit 2003 in nunmehr 470 Matches in Serie ungeschlagen ist, hat damit im Laufe des Turniers in fünf Partien nur sieben Spiele abgegeben. An der Seite von Marjolein Buis greift Vergeer im Doppelfinale gegen van Koot und Griffioen nach einem weiteren Gold. Bislang hat die Ausnahme-Spielerin zwei Triumphe (2000/2004) im Doppel auf dem Konto.

Die Probleme der  Rollstuhltennis-Königin Esther Vergeer hätte manch anderer wohl gern. "Ich hoffe, dass mich eines Tages irgendwann einmal jemand schlägt", sagte die Weltranglisten-Erste, die nun seit 470 Matches unbesiegt ist. Die Siegesserie der Niederländerin ist damit also eine der längsten in der Sportgeschichte.

Die 31-Jährige, die in ihrer Rollstuhltennis-bgeisterten Heimat ein Star ist, verlor zuletzt im Jänner 2003 ein Einzel. Damals marschierten die USA im Irak ein, Werner Schlager wurde Tischtennis-Weltmeister und Barry White starb Alter von 59 Jahren. Bei den Paralympics ist sie das Maß aller Dinge.

Vergeer, deren Beine gelähmt sind seit sie sich als Achtjährige einer Wirbelsäulen-OP unterziehen musste, wird vom weltbekannten Proficoach Sven Groeneveld trainiert. In ihren Spezial-Rollstuhl ist eine weiße Sitzwanne für ihre Beine gebaut - um den Energieverlust zu senken. Nach dem Training bleibt sie 15 Minuten länger auf dem Platz und stählt mit einem Gummi am Netzpfosten ihre Schultermuskulatur.

"Will mich verbessern"

In den Niederlanden wird Behindertensport sehr professionell betrieben, es geht nicht um Integration, sondern um Inklusion. Die Koordination zwischen den Fachverbänden läuft ebenfalls besser als anderswo und seit 2007 sind das NPC und das Nationale Olympische Komitee (NOC) voll integriert.

Die meisten Athleten können aber freilich nicht von ihrem Sport leben. Mit Ausnahme von Esther Vergeer. Neben Preisgeldern und Einkünften aus Werbung, hält die zweimalige Gewinnerin des Laureus World Sports Award als "Sportsperson with a Disability of the Year" Vorträge für Großunternehmen.

Nur eine längere Siegesserie ist bekannt: Pakistans Squashspieler Jahangir Khan blieb in den 1980er Jahren 555 Mal ungeschlagen. Will Vergeer diesen Rekord knacken? "Ich schaue nicht auf die Marke 500 oder 1.000. Ich will nur einfach mein Tennis immer weiter verbessern." (red/APA, derStandard.at, 7.9.2012)

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