Vierfachmord in Annecy: Alle Opfer durch Kopfschuss getötet

Nach der Bluttat an der Grenze zur Schweiz erfolgt am Freitag die Autopsie der Leichen

Annecy - Die Opfer des mysteriösen Vierfachmordes auf einem Parkplatz in Ostfrankreich sind offenbar alle durch Kopfschüsse getötet worden. Der Staatsanwalt von Annecy, Eric Maillaud, sagte am Donnerstagabend im Fernsehsender TF1, alle Opfer seien von mehreren Schüssen getroffen worden, "und alle wurden von mindestens einer Kugel im Kopf getroffen".

Eine Autopsie der Leichen am Freitag werde mehr Klarheit bringen, erklärte der Staatsanwalt. Die beiden überlebenden Mädchen sollen am Freitag erstmals "vorsichtig" befragt werden, außerdem soll laut französischen Rundfunkstationen ein Aufruf nach Zeugen gestartet werden.

Geldstreitigkeiten als möglicher Grund

Maillaud sagte am Donnerstag der Nachrichtenagentur AFP, eines der Mordopfer, der erschossene Familienvater, habe anscheinend Geldstreitigkeiten mit seinem Bruder gehabt. "Diese Information scheint seriös zu sein, sie stammt von der britischen Polizei." Der Bruder müsse nun "sehr lange" befragt werden.

Zugleich warnte Maillaud, voreilige Schlüsse zu ziehen. Es müsse die Frage gestellt werden, ob Geldstreitigkeiten tatsächlich Anlass für einen Vierfachmord sein könnten. Es werde daher jede Spur akribisch verfolgt. Nach Angaben aus französischen Polizeikreisen hat sich der Bruder des Mordopfers bei der britischen Polizei gemeldet und seine Unschuld beteuert.

Siebenjährige von Schuss getroffen

Nach Angaben der Ermittler wurden am Tatort auf einem Waldparkplatz in der Nähe von Annecy mindestens 15 Schüsse abgefeuert. AFP erfuhr aus Ermittlerkreisen, dass die Leiche eines Radfahrers fünf Schusswunden aufwies und jedes der anderen Todesopfer zwei. Mindestens eine andere Kugel traf ein siebenjährige Mädchen, das ins Krankenhaus kam. Seine vierjährige Schwester blieb äußerlich unversehrt. Sie wurde erst acht Stunden nach dem Blutbad in der Nacht auf Donnerstag in dem Auto entdeckt, wo sie unter der Leiche ihrer Mutter gekauert hatte.

Bis auf den Radfahrer handelte es sich bei den Opfern um eine in Großbritannien lebende Familie, die in Frankreich auf Urlaub war. In der britischen Presse kursierten Gerüchte sowohl über einen politisch motivierten Mord als auch über eine Tat aus familiären Gründen. (APA/red, derStandard.at, 7.9.2012)

Share if you care