Legendär und dabei rar

Olga Kronsteiner
7. September 2012, 19:02
  • "Bridle Path (Reitweg)" gelangte im Mai 2012 in New York zur Auktion, als 
erstes Gemälde seit sechs Jahren.
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    foto: sotheby's

    "Bridle Path (Reitweg)" gelangte im Mai 2012 in New York zur Auktion, als erstes Gemälde seit sechs Jahren.

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    grafik: der standard
  • Die Performance "Ground Swell" feiert am 9. September im Theseustempel Premiere.
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    foto: helmut wimmer

    Die Performance "Ground Swell" feiert am 9. September im Theseustempel Premiere.

Gemälde von Edward Hopper gelten auf dem Kunstmarkt als Raritäten. In einer Performance gelangen ab 9. September zwölf seiner Reproduktionen in Wien zur Auktion

Am 2. April 1939 schuf Edward Hopper die ersten Skizzen vom Reitweg im Central Park, tags darauf folgten weitere. Geradezu euphorisch notierte seine Ehefrau: "Er fängt mit einem neuen Bild an - Gott sei Dank. Hatte seine Skizzen überall verteilt und begann mit Kohleskizzen. Das ist das große Ereignis in dieser Familie!" Jo(sephine) war ebenfalls Künstlerin, Wurmperspektive nannte er ihren Hang zum Hochformat abschätzig. Langweilig war ihrer beider Leben nicht, wie die 1995 veröffentlichten Tagebücher belegen.

Demnach stand am 7. April das Studium der Pferdeanatomie auf dem Programm und glichen die folgenden Tage einem Kampf, einem Ringen nach einer klaren Vorstellung dessen, was Hopper tatsächlich wollte. Sechs, sieben und mehr Stunden malte er täglich. "Großartige Fortschritte" notierte Jo am 23. April, "unverwechselbar Central Park zu dieser Jahreszeit an einem grauen Tag. Fast der Geruch. Boden im Vordergrund ganz aufgescharrt. Reitweggebiet, kahl, wenig einladende Farbe. Heute sprießen ein paar dürre, mickrige Bäumchen aus dem Gestein. (...) Welchen Dank wird er bekommen, dass er das so meisterhaft gemacht hat?" Schon drängte Frank Rehn, sein Galerist. Am 27. April setzte Hopper seine Signatur auf das Bild, überzog es mit Firnis und titelte Bridle Path.

Hoppereske Performance

73 Jahre und zahlreiche Ausstellungsstationen später gelangte das Werk Mitte Mai via Sotheby's in New York zur Auktion. Anstatt der taxierten fünf bis sieben Millionen Dollar fiel der Hammer erst bei 9,2 Millionen Dollar (10,38 Mio. Dollar inkl. Aufgeld). Sehr zur Freude des San Francisco Museum of Modern Art, das damit seinen Ankaufsetat aufstockte. Nun ziert es die Privatsammlung eines Amerikaners, der sich die Chance auf ein Hopper-Gemälde nicht entgehen lassen wollte.

Denn solche sind rar. Seit 2006 kam kein einziges Ölbild zur Auktion. Und seit damals führt Hotel Window die Liste der Top-Zuschläge: 1987 hatte die Forbes-Family Sotheby's dafür 1,2 Millionen Dollar bewilligt, aus deren Sammlung erwarb es US-Komiker Steve Martin für einen unbekannten Betrag, 2006 bescherte es ihm schließlich 24 Millionen.

Die meisten Arbeiten Hoppers befinden sich in Museumsbesitz, allen voran im Whitney Museum of American Art (New York), das den Nachlass erbte. Dazu kommen andere amerikanische und europäische Museen sowie Privatsammler. Insofern bedarf es zur Realisierung einer Retrospektive einiger Anstrengungen, aktuell etwa in Madrid bzw. zur bevorstehenden in Paris (siehe auch Artikel "Skizzierte Buchführung"), für die man zwar 73 Werke versammelte, aber auch Niederlagen einstecken musste. Beispielsweise für Hoppers legendäres Nighthawks, das Gottfried Helnwein mit Monroe und Bogart als spätem Paar in Boulevard of Broken Dreams zitiert. Es blieb in Chicago, da das Art Institute eine Leihgabe verwehrte.

Als Reproduktion gastieren die Nachtschwärmer neben elf anderen (reproduzierten) Gemälden des Künstlers in Wien: Im Rahmen einer Kooperation mit dem Kunsthistorischen Museum beleben Jacqueline Kornmüller und Peter Wolf ab 9. September (bis 13. Oktober, Karten im KHM-Shop) mit einer Performance den Theseustempel: Die Bilder werden dort (u. a. von Andrea Jonasson) szenisch präsentiert und anschließend zu Cent-Beträgen versteigert. Als Richtwert hoffen die Initiatoren den Zuschlag in der Höhe der Herstellungskosten zu erteilen: 18.900 Cent etwa für Ground Swell (1939). Basis der gleichnamigen Performance bilden Bildbeschreibungen des Pulitzerpreisträgers Mark Strand, die in ihrer kühlen Sachlichkeit "hopperesker" nicht sein könnten, wie es John Updike formulierte.

Der Künstler selbst hatte sich zeitlebens geweigert, den Gehalt seiner Werke zu erläutern. Ein Schutzmechanismus, um seine innersten Gefühle nicht zu offenbaren, mit dem er unzählige Gesprächspartner wie Weggefährten zu frustrieren verstand.  (Olga Kronsteiner, Album, DER STANDARD, 8./9.9.2012)

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4 Postings

Hopper hätte bei der Schauspielerei bleiben sollen...

Edward Hopper <> Dennis Hopper!

ojeoje..

..das ist bitte nicht der aus easy rider !

reingefallen!!!=)

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