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Flügelspitze an Flügelspitze: Die Albatrosse beim Luftballett.

Staffelchef Douky, bürgerlich Christoph, kommandiert die Kollegen beim Schönfliegen.
Er heißt Douky. Aber eigentlich Christoph. Auch die anderen Herren der Piloten-Staffel im Dienste der Schweizer Uhrenmarke Breitling stellen sich mit knackigen Alias vor und sind in Wirklichkeit James, François et cetera. Aber so ein Top-Gun-Moment gehört nun einmal her, wenn die Faszination des Fliegens, die Kühnheit der wilden Hunde die Geschichte von der Bedeutung und der Faszination von Uhren, Chronografen, der Notwendigkeit von Präzisionsmaschinen am Handgelenk erzählen soll.
Dazu gehört der kecke Rufname ebenso wie das lässige Schlendern raus aufs Rollfeld, die Selbstverständlichkeit, mit der das Equipment gecheckt und ein letzter Blick himmelwärts gerichtet wird, um Wetter und Wolken einzuschätzen, als wäre es ein ganz normaler Tag im Büro. So viel Understatement darf schon wieder als großes Tamtam gelten. Allerdings, für die Piloten der Breitling- Fliegerstaffel ist es tatsächlich nur ein weiterer Tag im Büro.
Seit gut zehn Jahren fliegen sie zusammen in den sieben L-39 Albatros. Und sind damit eine der längstgedienten und am meisten zusammengeschweißten Truppen, die die Himmel unsicher machen. Daher kennen sie sich richtig gut. Das ist kein Nachteil, wenn man sie zu siebent in Pfeilspitzenformation aufsteigen sieht, mit nur wenig Platz zwischen den Flügelspitzen, auch wenn sie Loopings ziehen oder im Sturzflug Richtung Boden düsen, dass den Führerschein-B-Besitzern am Rande des Rollfelds der Atem stockt. Der Zuschauer bleibt weiterhin unrhythmisch, bis die einzelnen Albatrosse aus ihren 700 km/h schnellen Links- und Rechtsschrauben wieder brav in der Pfeilspitzenformation ihren Platz einnehmen.
Solche Stunts kennt man von Militär-Elitefliegern, den italienischen Frecce Tricolore und den französischen Staffeln, wenn sie jedes Jahr am 14. Juli ihre blau-weiß-roten Streifen in den Himmel über der patriotischen Parade auf den Champs-Élysées malen.
Privat leistet sich keiner einen solchen Maschinenzoo. Breitling schon. Wie gesagt aus Storytelling-Gründen für die Marke, aber wohl auch aus genuiner Flugbegeisterung des Firmenchefs Theodore Schneider und seines Chief Operating Officers Jean-Paul Girardin, der selbst gerne den Hubschrauber-Rotor anwirft. "Die Fliegerei ist schon mehr als ein Image-Stunt für uns. Es ist die ständige Überprüfung unseres Anspruchs. Wenn man das nicht permanent macht, schleichen sich Fehler ein. Auch wenn es nur kleine Fehler sind, begibt man sich damit in Gefahr. Die Art zu arbeiten ist in der Fliegerei und beim Uhren-Bauen nicht unähnlich. Bevor man in die Maschine steigt, gibt es Checklisten, Procedures, wenn man eine Uhr baut auch. Funktionalität und Design als äußere Gestalt des Funktionellen sind die Grundlagen hier wie da."
Dass es auch darum geht, den Kunden emotional zu erreichen, gibt er dennoch gerne zu. "Wenn man ein Auto kauft, ist das auch eine Gefühlssache. Über Qualität redet man eigentlich nicht, die wird einfach vorausgesetzt." Der Geist der Fliegerei beseelt laut Girardin alle Breitlings, insbesondere die Transocean Unitime, die Weltzeituhr, die in diesem Jahr vorgestellt wurde. "Wir machen Instrumente für Profis. Wir haben nicht die Ambition, die komplizierteste Uhr der Welt zu bauen. Die Weltzeit möglichst einfach zu handeln, das soll sie können. Sie werden keine Weltzeituhr finden, die einfacher zu bedienen ist."
Diese Ambition habe vor allem in Eu-ropa und Amerika Resonanz, erklärt Girardin. Jener Markt, auf den die Augen aller Uhrenhersteller gerichtet sind, der Ferne Osten, spiele für Breitling derzeit keine große Rolle. Man wolle sich auch nicht übermäßig engagieren, gibt sich Girardin verhalten.
Allerdings sind Douky und seine Kollegen dabei, die Albatrosse mit dem fetten Breitling-Schriftzug auf den Tragflächen vollzutanken und Richtung Osten abzuheben und alle paar tausend Flugmeilen ihr Luftballett vorzutanzen. Dass es dabei um eine Uhr geht, wird sich bestimmt auch noch herumsprechen. (Bettina Stimeder, Rondo, DER STANDARD, 7.9.2012)
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