2020 - Welt im Chaos: "Die kommenden Tage"

  • Johanna Wokalek und August Diehl in Lars Kraumes düsterer Zukunftsvision.
    foto: orf

    Johanna Wokalek und August Diehl in Lars Kraumes düsterer Zukunftsvision.

Mit dem Ausbruch eines Ölkrieges in Saudi-Arabien fängt es 2012 an - Zu sehen am Freitag um 22 Uhr auf Arte

Wien - 14. November 2020. Alles südlich der Alpen ist nach dem Zusammenbruch der Europäischen Union ins Chaos gestürzt. Der Rest Europas hat sich eingemauert, um sich vor dem Ansturm afrikanischer Flüchtlinge zu schützen. Laura ist auf dem Weg in den Süden, nasser Schnee liegt entlang der Gebirgsstraße, im Hintergrund schweben Luftschiffe. Am Straßenrand stehen dunkle Gestalten, die von Patrouillen aufgegriffen und kontrolliert wurden: die Welt von morgen.

Acht Jahre davor beginnt die Welt in Lars Kraumes "Die kommenden Tage" (22 Uhr, Arte) zu kippen. Mit dem Ausbruch eines Ölkrieges in Saudi-Arabien fängt 2012 es an. Islamisten stürzen den König. Die USA nimmt ihre Bündnispflicht wahr, und der vierte Golfkrieg bricht aus. Direkt davon betroffen ist nicht nur Laura (Bernadette Heerwagen). Die Schwester (Johanna Wokalek) und deren Freund (August Diehl) schlittern in ein Terrornest. Der Bruder (Vincent Redezki) zieht in den Krieg. Der Familienverband bricht samt neurotischen Eltern (Ernst Stötzner und Susanne Lothar in einer ihrer letzten Rollen) auseinander.

Die Geschichte wäre in den USA Stoff für eine komplexe Dramaserie. Kraume, der schon Folgen von Tatort und der wichtigen Krimiinnovation, KDD - Kriminaldauerdienst, inszenierte, musste sich 2010 in eineinhalb Stunden fürs Kino auf das Notwendige konzentrieren und in der Zeichnung der Figuren zwangsläufig Konturen schuldig bleiben. Mit selektivem Plot und exzellentem Schauspiel gelang dennoch ein schaurig-schönes Seherlebnis. (Doris Priesching, DER STANDARD, 7.9.2012)

"Die kommenden Tage", Freitag, Arte, 22 Uhr

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