Eine, die nur uns gehört

Stefan Ender
6. September 2012, 18:20
  • Ein k. u. k. Paar, das die Kassen klingeln lässt: Franziskus Hartensten und Annemieke van Dam im Musical "Elisabeth".
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    foto: apa/georg hochmuth

    Ein k. u. k. Paar, das die Kassen klingeln lässt: Franziskus Hartensten und Annemieke van Dam im Musical "Elisabeth".

"Elisabeth", die erfolgreichste Eigenproduktion der Vereinigten Bühnen Wien, ist wieder am Raimundtheater zu erleben - neu sind Kostüme und Besetzung

Wien - Musicalpremieren sind geilofantastisch. Celebrity-Stau auf dem roten Teppich, mehr Kameras als Premierengäste mit Kaufkarten. Gut trainierte, gut renovierte Schönheit samt professionell präsentierter Freundlichkeit allüberall. Das Übermaß an drastisch gebleichten Beißerchen lässt beinahe erblinden. Im Smoking ist man underdressed, und die Programme, die man bekommt, sind handtuchgroß und aalglatt. Wahnsinn.

Zur Premiere der dritten Elisabeth-Serie geladen, haben die Vereinigten Bühnen Wien, Domina und Mutter der hiesigen Musical-Szene (Großmutter ist die Wiener Volksoper). Anfang der 1980er- Jahre hatte die Stadt das elektronisch verstärkte Hüpf- und Singspiel als unverzichtbares Asset im Portfolio touristischer Attraktivität erkannt.

In den knapp 30 Jahren, die folgten, war dieses Musical von Sylvester Levay und Michael Kunze die erfolgreichste Eigenproduktion der VBW (8,5 Mio. Besucher weltweit), wofür sich Neo-Intendant Christian Struppeck nach der Premiere bei den Verantwortlichen bedankt. Struppeck, eine angenehm unösterreichische Besetzung für diesen Posten, möchte 2014 seine erste eigenverantwortete Produktion präsentieren.

Purismus und Opulenz

Elisabeth wurde vom seinerzeitigen Leading-Team fürs Raimundtheater adaptiert, von Bühnenbildner Hans Schavernoch und vom großen Harry Kupfer: Deren vielfältiger, stimmungsstarker Bilderreigen zwischen Purismus und Opulenz, zwischen Modernität und Historie beeindruckt. Neben den neuen Kostümen von Yan Tax (der Tod trägt Weiß, die Kaiserin Kilos von Kristall) gibt es auch eine neue Besetzung.

Überraschend die wundervolle Daniela Ziegler als Erzherzogin Sophie, perfekt blass-brav Franziskus Hartenstein als deren Filius. Sogar als Attentäter ein Sympathieträger: Kurosch Abbasi als Luigi Lucheni. Toll: Anton Zetterholm und Aeneas Hollweg als Kronprinz Rudolf (alt bzw. jung).

Mark Seibert ist als Tod ein Kraftpaket und singt unerhört variabel - mal verführerisch hauchend, mal volle Kanne. Annemieke van Dam rührt als Elisabeth das Herz mit freiem Spiel und, gleich zu Beginn, mit kindlichem, vögelchenzartem Timbre; vielleicht, dass sie bei Spitzentönen etwas zum Kreischenden tendiert. Die musikalische Gestaltung (Koen Schoots) geht in Ordnung, wenn auch die Streicher arg plastifiziert klingen und die Grundlautstärke für Gehörgeschädigte ausgelegt ist. Ad multos annos.  (Stefan Ender, DER STANDARD, 7.9.2012)

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Könnte mir 40mal anschauen...

Der Mark Seibert ist ein perfekter Tod!

Janneke Ivankova ist die wahre Erstbesetzung. Sie klingt so viel besser als Annemieke van dam.

http://www.youtube.com/watch?v=u-_fiysD4-4

War der werte Herr Kritiker hier zum ersten Mal in einem Musical oder wie darf ich diese äußerst, nennen wir es einmal "interessante" Kritik deuten?

Und ja: Der Tod hat doch eh schon IMMER in mehreren Szenen weiß getragen und Sissi trägt auch schon IMMER "heavy" Kristall.

Naja, meinen Geschmack hat der Herr Kritiker mit diesem "Artikelchen" nicht getroffen. Sorry.

Der Tod trug schon in der Originalinszenierung vor 19 (?) Jahren 2 Mal in 2 Szenen weiß.

Musikalisch auf demselben Niveau wie der Musikantenstadl

Gilt leider für alle heutigen Musicals.
Schwache Kompositionen (meistens geklaut (A.L. Webber, Tanz der Vampire) für das Castingshowbegeisterte Publikum.

Mit Verlaub, das ist ein Unsinn.

da geb ich dir recht, musikantenstadl hat mehr niveau.

der zombie tat also wieder zucken. [tonnen von kristall] ist swarowski tatsächlich einer der hauptsponsoren?
btw, was wurde aus tosic? so sehr hoffte ich wieder auf eine seine werke ... schade.
fragen über fragen ...
bin mal gespannt wie lange das ding dieses mal 'beglückt' und verlängert. [hoffentlich kommt wenigstens genug geld herein ...]

Der ...

Herr Eder dürfte offensichtlich massive Probleme haben. Ich bin eher jemand, der schnell "zu laut" schreit, aber hier war es völlig OK!

Auch den Rest ist, sagen wir mal erbärmlich niedergekritzelt.

Nicht so hart sein mit Herrn Ender

Der würde schon so lange gerne einmal einen grossen Event kritisieren, aber die Redaktion lässt ihn halt nicht.

Ach herrje, ach herje, wie Sie die Sache aber auch immer auf den Punkt treffen: Sie sind wirklich ein Kenner/eine Kennerin der Lage. Und wie genau Sie die Texte lesen, wie vertraut Sie auch mit dem Stilmittel der Ironie sind... Solche Leser wünscht man sich.

Ich find' Sie grossartig, Herr Ender

Auch ich kann mich dem Stilmittel Ironie bedienen - ich hoffe hier, ohne prosodische Mittel, auch für Sie verständlich, Herr Ender.

Prosodie hin, Prosodie her

"sich einer Sache bedienen" verlangt den 2. Fall....

oder eine pointierte Betoning von Ironie - so wie sie "speziell" grosszügeig anwenden, habe ich hier die geprochene Sprache tendentiell lautgetreut verwendet

man kann hier - zu Recht - getielter Meinung sein.

Üben S' weiter

an Ihrer neuen Tastatur - mit der Zeit werden Sie sie schon in den Griff bekommen....

feedback

gibts feedback von der premiere ? wie war die performance ?
kann mir ehrlich gesagt nicht vorstellen, dass die darsteller das team von 2005 (mit mate karamas, maya h., andre bauer etc.) toppen kann....

Sollte die Frage nicht eher lauten, ob die Leistung von 1992 getoppt werden konnte?

also die leistung von 1992 ist 2005 bei
weitem getoppt worden !

absolut richtig-allen voran gilt das für maya hakvoort! absolute wahnsinnsstimme-gänsehaut pur!

"Es war sehr schoen, es hat mich sehr gefreut!"

Mir ist neulich beim Billa aufgefallen, daß SISI ~ ISIS.

Fwiw.

Themenbezug? Ahja, richtig, null.

Wo rührt Annemieke van Dam zu Tränen?

Diese Frau ist die Fehlbesetzung des Jahrhunderts... schauspielerisch mies, dünnes Kopfsopran-Stimmchen mit kreischenden Aussetzern (vor allem bei den Schlusstönen).

Solche Kommentare sind unfair!

Vielleicht war sie auch schlicht und einfach nervös!
Man sollte jemand nicht gleich nach dem ersten Auftritt runtermachen sondern eine Chance geben.

Ich freu mich jedenfalls auf das Musical und werde es mir ansehen :-)
Schon alleine wegen der wunderbaren Melodien!

ach? jemand, der den gleichen text seit jahren in de heruntergejodelt hat ist also nervös. erinnert argumentationstechnisch ein wenig an herrn krögers erkältungen und dergleichen

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