Kapitalflucht bringt Spanien an den Abgrund

Andreas Schnauder
6. September 2012, 18:18

Verbindlichkeiten sind im Eurosystem auf 408 Milliarden Euro angeschwollen

Will die Europäische Zentralbank (EZB) die Zinsen in den Krisenländern stabilisieren, dürfte sie ziemlich tief in die Kasse greifen müssen. Darauf lassen die hohen Geldabflüsse in den vergangenen Monaten schließen. Laut einer Berechnung der Großbank Nomura hat sich vor allem die Flucht aus spanischen Wertanlagen von April bis Juni dramatisch beschleunigt. Demnach sind im vergangenen Quartal 50,2 Prozent des spanischen Bruttoinlandsprodukts in dieser Periode abgeflossen.

Damit hat sich die Situation im Vergleich zum ohnehin schon schwarzen ersten Quartal deutlich verschärft, als 38,2 Prozent des BIPs dem Land entzogen wurden. Dabei handelt es sich um drei Trends, die dem Land zu schaffen machen: Ausländische Investoren trennen sich von spanischen Wertpapieren, Spanier verschieben ihr Vermögen ins Ausland, und Gläubiger aus anderen Staaten liquidieren ihre lokalen Forderungen.

Damit wird Spanien endgültig zum Hotspot der Eurokrise. In Italien werden zwar ebenfalls Abflüsse verzeichnet, diese sind aber mit 15 Prozent des BIP im Verhältnis deutlich geringer. Dazu kommt, dass sich die Lage in Italien zu stabilisieren scheint, während sie in Spanien eskaliert. Für Madrid rächt es sich, dass insbesondere die Staatsfinanzierung viel stärker von ausländischen Investoren abhängt als in Rom.

Schlimmer als Indonesien

Nomura bezeichnet die Entwicklung als besorgniserregend. Die Analysten glauben nicht, dass Spanien ohne volles Hilfsprogramm über die Runden kommen wird, derzeit will es Madrid ja bei einem reinen Bankenpaket ohne Auflagen belassen. Dazu wird auch ein Vergleich mit der Asienkrise in der zweiten Hälfte der 1990er-Jahre angestellt: Indonesien, das von den einstigen Tigerstaaten am meisten unter Geldabflüssen litt, verzeichnete in der ärgsten Phase eine halb so hohe Kapitalflucht wie zuletzt Spanien.

Klar sind aus Sicht von Nomura auch die Auswirkungen auf das Eurosystem insgesamt. Die hoch negative Zahlungsbilanz Spaniens wird darin durch Forderungen der anderen Notenbanken ausgeglichen. Der Negativsaldo des Landes ist mittlerweile auf den Rekordwert von 408 Milliarden Euro angeschwollen. De facto haftet die Deutsche Bundesbank für die Verbindlichkeiten Madrids. Ohne die Stützung durch die Währungsunion würde das Land "mit Sicherheit bereits eine große Währungskrise durchmachen", heißt es in dem Report. (Andreas Schnauder, DER STANDARD, 7.9.2012)

Share if you care
Posting 1 bis 25 von 39
1 2

Ich verstehe nicht, warum Staaten, die in Schwierigkeiten sind (GR, E, I), keine Kapitalverkehrskontrollen eingeführt haben, als das noch was bewirkt (bzw. verhindert) hätte.

Ist gegen EU Recht vermute ich mal. Die drei heiligen Freiheiten, sie wissen schon.

Auch in Österreich ist eine Flucht in Gange - und zwar die Flucht "raus aus den Geldwerten"

http://diepresse.com/home/wirt... l-in-Folge

Kein Wunder ...

bei unserer Inflationsbesteuerung.

Kaptalertragsteuer sollte auf Basis "Ertrag minus Inflation" erfolgen.

Was wir haben ist eine 25% Enteignung der Ersparnisse auch bei lediglich werthaltigen Anlagen, auf lange Sicht gesehen.

kapitalertrag ist kein erspartes, sondern leistungsloses einkommen, ein geschenk jener die für geld arbeiten müssen an jene, die schon viel geld haben, eine zinsbedingte umverteilung - und 25% besteuerung auf diebesgut eher ein witz

Ein Kapitalertrag ist kein "leistungsloses Einkommen", sondern eine Vergütung dafür, dass man sein Geld nicht selbst ausgibt, sondern jemand anderen zur Verfügung stellt.

Zinsen sind somit eine "Verzichtsprämie", die diejenigen bekommen, die das Geld nicht selbst ausgeben.
Stellen sie sich das einmal praktisch vor: Sie arbeiten, haben Ausgaben und ein Einkommen, dass die Ausgaben übersteigt. Die Differenz können sie sich ins Nachtkasterl legen, oder sie geben es an jemand weiter der das Geld braucht. Durch die Weitergabe des Geldes VERZICHTEN sie auf die Eigennutzung, sie würden das Geld nicht verleihen, wenn sie keine Zinsen bekämen. Das Geld bliebe dann im Nachtkasterl.
Bitte hier nicht die Geldschöpfung hineinmischen > anderes Thema.

Der Nominalertrag ...

... entspricht nicht dem Realertrag!

Erst nach Korrektur um den Wertverlust hat der Investor oder Sparer seinen Ertrag!

Franken-Abwertung wohl "nicht mehr als ein Strohfeuer"

http://bit.ly/P1EyEX

in 1-2 jahren lautet die headline:

"kapitalflucht bringt die eu an den abgrund", denn wer jetzt noch euros hortet in eu-banken, der ist selbst schuld.

seit der gestrigen EZB Entscheidung ja offenbar kein Problem mehr ...

... fuer Spanien, aber vielleicht dann fuer Deutschland und Oesterreich !

leider verstehens die leute nicht..

Probleme können auf diese Weise nicht gelöst sondern nur verschoben werden....

Man muss das Geld irgendwie auch verstehen

Das flüchtet ja nur, weil es sich fürchtet vor der Unfähigkeit der EU-bonzen.

Draghi wird sie retten!

retten kann Draghi nur auf Kosten anderer...

haha, und wie hoch ist die kapitalflucht insgesamt und wie hoch ist sie schon in österreich? wie hoch sind die derzeitigen goldreserven österreichs und wem gehören sie? das wäre doch mal eine interessante geschichte für einen journalisten. eigentlich.

in Ö ist sie auch relativ hoch...

-28Mrd. in den letzten beiden Jahren....

ja, falls er sich schnustraks vor dem ams wiederfinden will;-)

Der EU-Bankomat Deutschland wird es schon richten und sicher bezahlen.

Solange es "Fluchtmöglichkeiten" in Steuerparadiese gibt

solange Superreiche und Reiche mittels dubioser Konstruktionen (z.B. Stiftungen) ihre Steuern weitgehend minimieren, wird es immer Finanzkrisen geben.

Wenn ein kleiner Personenkreis nahezu risikolos spekulieren kann, weil bei Verlusten die öffentliche Hand einspringt (Stichwort: Notverstaatlichung), werden wir nicht aus der Krise kommen.

Aber "demokratisch" ist das Problem nicht zu lösen, weil "das Volk" zu blöd ist. Kling hart, ist es auch, stimmt jedoch!

Ich stimme Ihnen inhaltlich grundsätzlich zu, aber:

das Volk ist zu dumm?
Sie sind Teil des Volkes, so gesehen bezeichnen Sie sich selbst als, na ja, eben zu dumm.
Wenn Sie sich aber die Volksabstimmungen ansehen, oder die Dinge die wegen dem Volk gekommen oder nicht gekommen sind ( gekommen zB die Demokratie, nicht gekommen Hainburgzerstörung oder Zwentendorf), dann müssten Sie zu einer anderen Erkenntnis kommen.
Also mehr Selbstbewusstsein;)

Ich spreche vom Wahlvolk das mehrheitlich - demokratiisch - entscheidet, unabhängig davon, ob es die Materie versteht oder nicht.

Es gibt sehr wohl "Minderheiten" die gegen die Mehrheit "recht haben" und deswegen keine Selbstbewusstseinssprobleme haben. Dass manchmal Frust aufkommt, möchte ich gar nicht abstreiten.

Es ist ja keine Eurokrise unter die die systemrelevante Banken leiden, die wir dann Notgezwungen retten müßen.

Sondern eine Bankenkrise unter der die systemrelevante Bevölkerung leidet.

;-)

Alles korrekt, bis auf eines:

Wir müssen die Banken nicht notgezwungen retten. Wir könn(t)en uns auch für intelligentere Alternativen entscheiden.
http://docs.banken-in-die-schranken.eu/Krisensic... rdnung.pdf

Man braucht halt eiserne Nerven

Und muss den Spaniern die Zeit geben dass die Reformen greifen

Verbindlichkeiten sind im Eurosystem auf 408 Milliarden Euro angeschwollen

Willkommen in der Euro Realität!

Posting 1 bis 25 von 39
1 2

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.