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Dieses Bild wird wohl bald auf Wahlkampfplakaten zu sehen sein: Zwei hochgewachsene Männer in Maßanzügen umarmen sich wie alte Freunde, die sich nach langer Zeit wiedersehen. Der Ältere erinnert an den Ex-Chef einer Firma, der dem Erben lange mit nicht erbetenen Ratschlägen ins Handwerk pfuschte, nun aber loslassen kann, im Wissen um das Können des Jüngeren.
Bill Clinton und Barack Obama: Auf der Bühne der Time Warner Cable Arena präsentiert sich das Duo wie das neue Traumpaar der Demokraten. Vorausgegangen war, in der Nacht zum Freitag, eine beeindruckende Rede des 42. US-Präsidenten, der den 44. offiziell als Kandidaten für weitere vier Jahre im Oval Office vorschlug.
"Es war, als säße man im Wohnzimmer und bekäme eine wunderbare Geschichte erzählt", schwärmte die Delegierte Clementine Bass. Und sogar Steve Schmidt, 2008 der Stratege des Republikaners John McCain, sprach beeindruckt von einem "Zauber". "Ich wünschte, wir hätten jemanden mit seinen Fähigkeiten in unseren Reihen!"
Die USA schwelgen in einer Art Bill-Clinton-Nostalgie. Es liegt wohl an der Sehnsucht nach einer Zeit, als die Arbeitslosigkeit niedrig und der Staatshaushalt ausgeglichen war. Clinton wird in der heißen Phase des Wahlduells eine zentrale Rolle spielen.
"Ich hab das alles schon einmal erlebt. Mir ist es genauso ergangen", kommentiert er die Zweifel jener Amerikaner, die einst für Obama stimmten, aber wegen des brüchigen Aufschwungs einen Wechsel im Weißen Haus erwägen. Beim Kongressvotum im Herbst 1994 sei die Stimmung ähnlich gewesen. Dabei sei genau in der Zeit das Fundament für den anschließenden Boom gelegt worden. Obama vergleicht er mit einem Mechaniker, der die kaputte Schrottkiste längst aufgebockt hat und dabei ist, sie wieder zum Laufen zu bringen.
Die Republikaner dagegen skizziert er als Scharlatane, die schamlos die Wahrheit verbiegen. Dies, so Clinton, sei das Leitmotiv der Konservativen. Niemand hätte den Schaden, den Obama vorfand, in nur vier Jahren reparieren können. Im Übrigen hätten die Republikaner die Staatsschulden vervierfacht, bevor er, Clinton, sein Amt antrat. Und unter George W. Bush wurde es wieder verdoppelt. "Eine Wiederholung können wir uns einfach nicht erlauben."
Symbolträchtige Aussöhnung
Dann folgt eine Verbeugung und die bejubelte Umarmung, das Symbol einer Aussöhnung zwischen zwei Alphatieren - umso bemerkenswerter angesichts der Vorgeschichte: Im Jänner 2008 forderte Obama Hillary Clinton bei den Primaries heraus und erzählte, 2002/03 schon sehr früh gegen den Irakkrieg gewesen zu sein. Ein erzürnter Bill Clinton sprach von Legendenbildung: Obama wolle sich bloß als Reformer profilieren, um sich vom alten Partei-Establishment à la Clinton abzusetzen. Obamas Kampagne glaubte rassistische Untertöne zu hören. Der Ex-Präsident fühlte sich zutiefst gekränkt, gab er sich doch gern als "erster afroamerikanischer Präsident mit weißer Hautfarbe". Bei einer Golfpartie im September 2011 sollen die beiden das Kriegsbeil endgültig begraben haben.
Und nun die große Harmonieübung in Charlotte. Dass Obama nachtragend wäre, lobte Clinton, das könne man nun wirklich nicht behaupten: An seinem Kabinettstisch säßen immerhin sieben Minister, die sich einst hinter Hillary und damit gegen ihn stellten. "Hey: Und sogar Hillary hat er angeheuert." (Frank Herrmann aus Charlotte /DER STANDARD, 7.9.2012)
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