Trafikanten blasen zum Kampf gegen Brüssel

Strengere EU-Richtlinien für den Zigarettenverkauf im Kampf gegen die Nikotinsucht lassen die Branche um ihre Existenz bangen

Wien - Schockierende Bilder, die Zigarettenverpackungen fast flächendeckend bedecken. Kein Geschmack mehr nach Menthol oder Erdbeeren, um das Aroma des Tabaks zu übertünchen. Die Verbannung der Packerln in den Trafiken unter die Budl. Brüssel legt im Kampf gegen die Nikotinsucht eine schärfere Gangart vor, die vor allem Jugendliche vorm Griff zum Glimmstängel abhalten soll. Eine entsprechende EU-Richtlinie soll im Herbst vorgelegt werden - was Österreichs Trafikanten nun dazu veranlasst, mit Unterschriftenlisten und Protestpostkarten Sturm dagegen zu laufen und nach politischer Unterstützung zu suchen.

An Argumenten fehlt es ihnen nicht. Da wird zum einen das Recht auf freie Wahl des Lebensstils zitiert. Es wird auf Erfahrungen in anderen Länder verwiesen, in denen von weniger Rauchern nichts zu sehen sei, sondern sich stattdessen der Schmuggel verdoppelte. Es wird an schmerzvolle Steuerausfälle für den Fiskus erinnert und vor einem Kahlschlag unter den Trafikanten gewarnt - um letztlich zum Resümee zu kommen, mit den geplanten Vorgaben nicht leben zu können.

Der Staat müsse für jeden Raucher dankbar sein, sagt Tina Reisenbichler, Geschäftsführerin der Monopolverwaltung. Denn gut 75 Prozent der 2,7 Milliarden Euro an Tabakumsätzen in Österreich fließen direkt an ihn. Um das zu kompensieren müssten andere Steuermodelle gefunden werden. Was in der Rechnung nicht enthalten ist, ist die finanzielle Belastung der Raucher für die Volkswirtschaft: Diese nämlich, erhob das Institut für Höhere Studie, sei durch die Tabaksteuer und hypothetische Einsparung der Pensionsversicherungen bei weitem nicht gedeckt. Unterm Strich kosteten Raucher der österreichischen Gesellschaft jährlich fast 660 Millionen Euro.

Er stehe voll hinter dem Nichtraucherschutz, wehre sich jedoch gegen Bevormundung, sagt Peter Trinkl, Gremialobmann der Trafikanten, Erziehungsfragen dürften nicht an den Handel abgeschoben werden. Sie bezweifle, dass die Jugend deswegen weniger rauche, ergänzt Reisenbichler, das zeige das Beispiel Irland. Neue Studienergebnisse europäischer Kardiologen sprechen hingegen von einem "hohen gesundheitlichen Nutzen" der Nichtraucherschutz-Gesetze.

Trinkl sieht ein Viertel der Trafiken, die vielfach von Behinderten geführt werden, vor dem Aus. Zum einen bedingten "die ins Absurde wandernden Vorschriften" teure Umbauten, die sich viele nicht leisten könnten. Zum anderen werde der Schmuggel vermutlich auf bis zu 40 Prozent steigen.

Noch zierten Weinflaschen keine Schockbilder. Doch komme die EU mit ihren Plänen durch, seien andere Produkte vom Zugriff der Politik nicht mehr gefeit. 38 Prozent der Österreich rauchen. Laut WHO sterben weltweit jährlich sechs Millionen Menschen an den Folgen des Tabakkonsums. (vk, DER STANDARD, 7.9.2012)

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