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vergrößern 600x400Wien - Als Bühne dient ein optisch verkürztes Spielbrett mit vier Stühlen, auf dem freilich so wenig Bridge gespielt wird, wie grantelnde Ehemänner von den Toten auferstehen. Dahinter fällt der Blick auf gewitterviolette Wolkenformationen wie aus dem Aquarellmalereikurs.
Die dürftige Handlungsebene in Gustav Ernsts Komödie Bridge (drei alte Damen warten auf ihre Bridgepartnerin Anna, die nicht kommen wird) kompensiert Regisseur Augustin Jagg vom Vorarlberger Theater Kosmos mit einer Serie von Kalauern; manche knackig wie aus dem Hüftstock geschossen, manche träge wie ein Kaffeekränzchen mit der im Stück oft zitierten Esterhazyschnitte. Marie-Claire (Juliane Gruner), eine keifende Cruella-De-Vil-Doppelgängerin, trumpft mit ihrem Gebärmutterhalskrebs auf, Getraud (Susanne Altschul samt totem Tier um die Schulter) mit ihrem Abortus.
Johanna Tomek als Emma erhält verdienten Szenenapplaus für ihren leidenschaftlichen Appell an Männer vom Format eines Kreisky. Filterlose Zigaretten, Campari-O und durchgedrücktes Gaspedal: So will man im Alter leben! Allen dreien gemein sind die fragmentierten bis falschen Erinnerungen und die Lust an schlüpfrigen Senilitäten. Schade, dass Gustav Ernst nicht bemerkt hat, dass sich das Wort "Schlampe" bei inflationärem Gebrauch abnutzt.
Umgeben von Selbstgesprächen und halb gemurmelten Monologen, die meist knapp an der eigenen Aufmerksamkeitsschwelle vorüberziehen, ergeht es einem wie den Damen auf der Bühne, wenn wieder einmal das Interludium, konkret: die Fahrstuhlmusik erklingt: Man nickt ein. (Eva Biringer, DER STANDARD, 7.9.2012)
7. und 8. 9., 20 Uhr
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