Mindestens 61 Flüchtlinge vor türkischer Küste ertrunken

6. September 2012, 18:51

Mehr als 40 Personen gerettet

Istanbul - Verheerendes Flüchtlingsdrama an der türkischen Mittelmeerküste: Mindestens 61 Menschen - darunter gut die Hälfte Kinder - sind am Donnerstag beim Untergang eines Flüchtlingsbootes in der Nähe von Izmir ertrunken. Das von Schleppern organisierte Schiff schlug nur rund 50 Meter von der Küste entfernt an einem Felsen leck und sank, wie türkische Nachrichtenagenturen berichteten. Viele der Menschen an Bord seien im Laderaum des Fischerbootes gefangen gewesen, mehr als ein Dutzend Passagiere so mit dem Schiff untergegangen. Der Kapitän und ein Matrose wurden festgenommen.

Das Boot hatte vor allem Palästinenser an Bord, aber auch Syrer und Iraker. Insgesamt seien auf dem nur etwa 15 Meter langen Boot mehr als 100 Menschen gewesen, darunter viele Frauen und Kinder, berichteten türkische Medien. Unter den Toten waren demnach mindestens 28 Kinder und drei Säuglinge.

Rettungskräfte suchten nach Überlebenden

Mehr als 40 Menschen überlebten das Unglück, weil sie die etwa 50 Meter bis zur Küste schwammen oder aus dem Wasser gezogen wurden. Dutzende schafften es jedoch aus eigener Kraft nicht bis an Land. Rettungskräfte suchten im Seegebiet vor Ahmetbeyli bei Izmir am Donnerstag weiter nach möglichen Überlebenden.

Die türkische Polizei vernahm am Donnerstag Überlebende des Unglücks. Diese hätten erklärt, dass Menschenschmuggler ihnen eine Passage nach Griechenland in die Europäische Union versprochen hätten. Als Ziel der Reise sei Großbritannien angegeben worden.

Im Mittelmeer kommen immer wieder Flüchtlinge ums Leben, die in alten oder nicht seetüchtigen Booten auf dem Weg in die EU sind. Der Transport ist oftmals von Mafiabanden organisiert, die Tausende Euro für den Transport verlangen. Im vergangenen Jahr gab es vor der Küste Nordafrikas zwei große Schiffsunglücke, nach denen jeweils mehr als 200 Menschen vermisst wurden.

Von der Türkei aus nehmen viele Flüchtlinge auch den Landweg über Griechenland oder Bulgarien. Griechenland hat die Kontrollen zuletzt weiter verschärft, um illegale Einwanderung zu unterbinden. Die Türkei hat dagegen ihre Einreisebestimmungen in den vergangen Jahren gelockert. (APA, 6.9.2012)

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19 Postings
Ich finde es eine sauerei von der Türkei dass sie diese stille Invasion

deckt. In der Türkei passiert nichts aber auch gar nicht ohne dass das nicht die Behörden wüssten.

Arg ist dass die Hälfte offensichtlich nicht schwimmen können obwohl sie meist direkt am Meer leben Hochgradig unverantwortlich auch die Eltern der Kinder (was haben die auf dem Schiff verloren ?) wenn ich nicht schwimmen kann begeb ich mich doch nicht freiwillig an Bord so eines Seelenverkäufers

diese menschen sind unvorstellbar verzweifelt und gnadenlos arm. diese blinde verzweiflung ist es, die sie - genährt mit falschen hoffnungen durch die gut verdienenden schlepperbanden – zu solchen taten treibt. ich glaube nicht, das rechtzeitiges schwimmenlernen als punkt auf der checklist am voucher für flüchtlingsboote steht. der focus ist doch ganz woanders! abgesehen davon hilft das beste schiwmmen nichts, wenn man im laderaum eingesperrt ist, wenn das schiff sinkt oder nach einer qualvollen überfahrt so geschwächt und dehydriert ist, dass man nicht einmal mehr die kraft für diese 50 meter hat. was für eine absurde idee, diese menschen für ihre verantwortungslosigkeit ihrer mangelnder schwimmkomopetenz wegen zu verurteilen!

Wieviele sollen kommen?

1 Million, 100 Millionen, 1 Mrd? Was mit jenen die sich Schlepper nicht leisten können - sollen wir die vergessen?
Und: kommen aber die selben gesellschaftlichen und religiösen Parameter wie im Fluchtland hier fortsetzen - das geht überhaupt nicht!

liebe derstandard.at redaktion,
liebe verantwortliche des kommentarbereichs,

da schreibt jemand:"Sehr traurig...", und bekomm dafür rote striche.

unter anderen artikeln koennen terror sympatisanten ihre unmenschlichen kommentare loswerden.

auch wurde ich von einem dieser sympatisanten bedroht. es kann nicht rechtens sein, dass sowas im derstandard.at gepostet werden kann. auch finde ich es äußerst bedenklich wenn postings wie die von diona007 mit rot bewertet werden koennen.

ich währe sehr verbunden, wenn derstandard.at ihrer verantwortung gegenüber der gesellschaft nochmal bewust wird, und nicht zu einem sprachrohr von terrorsympatisanten und unmenschlichen narzisten wird.

danke für die aufmerksamkeit
4green2

in einem forum darf man seine meinung kundtun - das ist ja der sinn eines forums - egal wie man zu den meinungen anderer steht.

und gerade in einem land wie österreich, das unter der oberfläche noch immer sehr, sehr braun ist, wäre es nicht sinnvoll, vertuschen/zensieren zu wollen das es so ist.

nur durch freie meinugäußerung kann eine diskussion stattfinden.

auch wenn ich hier nur rot erhalte...

aber es gibt ganz klare juristische Wege, um zB. in die Türkei einzureisen...

wenn man das alles wissentlich ignoriert und das Risiko auf sich nimmt, um illegal(!) in die EU vorzudringen - dann darf man sich eben nicht wundern, in untauglichen Schiffen zu kentern...

wenn ich versuche, über den Stacheldraht meines Nachbar-Grundstücks zu klettern: werde ich mir vielleicht schwere Schnitte an meinen Händen zuziehen. Auch wenn ich bedürftig bin und dort nur etwas Essbares suche...

Es gibt eben klar definierte Grenzen eines Staates - mit entsprechenden Einreisebestimmungen.
Wer glaubt, diese Umgehen zu können, muss damit rechnen, sich in "gefährliche Wasser" zu begeben.
Was soll die Türkei/bzw. die EU da tun?!

GRAUSLICH

Debiles beispiel. Hier sind KINDER gestorben, die für die entscheidung, "über den stacheldraht zu klettern" ihrer eltern sterben mussten, und sicher keinen teil im entscheidungsprozess hatten.

Das jemand den tod mehrerer kinder nicht als traurig empfinden kann hat mich ehrlich gesagt zum weinen gebracht. Einfach nur grindig, so eine grausige einstellung, die schon weit über das schlechtheissen illegaler immigration hinausgeht und einfach nur ins menschenverachtende abrutscht.

1.) Wird wohl das Risiko vom "Veranstalter" als wesentlich geringer und die Erfolgschancen als wesentlich höher angegeben.

2.) Dass ein Risiko vorhanden ist - und dass dieses bei einem überfülltem, alten Boot auch relativ groß ist - das wissen diese Leute sehr wohl.

Nun kann man das auf ihre Weise kommentieren: "selbst Schuld, kein Mitleid"
Oder - Menschen mit etwas mehr Empathie - stellen sich vielleicht die Frage, wie dreckig es wohl jemand gehen muss, wenn dieser - im Bewusstsein des Risikos - trotzdem mit seinem/n Kind/ern ein solches Boot besteigt um sich an das Bisschen Hoffnung auf ein besseres Leben in Europa zu klammern.

Der evangelische Bischof Bünker hat die wunderbaren Worte gesagt "bauen wir doch Brücken statt Zäune in Richtung Afrika!"

Warum haben wir nicht solche Menschen an unserer politischen Spitze?

Vielleicht weil wir doch so etwas wie eine Demokratie haben in der

der Wille der Wähler nicht ganz ignoriert werden und die Mehrzahl der Wähler halbwegs klar und logisch denken kann?
Dem Hr.Bünker dürften die Banlieus und die vielen ähnlichen Vierteln, von denen es immer mehr in Europa gibt, noch immer zu wenige sein.
Damit steht er im Gegensatz zu den meisten Europäern.

Das Publikum wußte nicht, was es von meinem Posting halten soll.

Würde mich interessieren, was die Strichler sich denken. Ich dachte mir, so wird mein Posting veröffentlicht.

Sehr traurig...

Schrecklich.

Und dann auch noch die Tatsache, dass vielen Leuten so etwas lieber ist, als Flüchtlinge im eigenen Land aufzunehmen. So eine Meldung lässt sich halt leichter ignorieren...

die eu-festung hat eine dicke haut bekommen.

61 tote flüchtlinge - 2 kommentare.

Hättens die Türkei angelaufen, wären sie noch am Leben...

sie haben recht,

es ist ein thema, das systematisch verdrängt wird. und wenn es einmal erwähnt wird, dann nur in zynischer form: "unser kapitalismus kann nicht so schlecht sein, wenn menschen von außerhalb kopf und kragen riskieren, usw ...".
inwieweit wir selbst die finger im spiel haben, dass die menschen - nur um zu überleben - kopf und kragen riskieren, bleibt ausgeblendet.
(die entwertung dieser menschen zeigt sich ja auch im unmittelbaren umgang mit ihnen. der sog. kapitän des leckgeschlagenen schiffes lieferte ja ein besonders absto

Warum kontrolliert die türkische Polizei denn nicht mal diese Schiffe, aber die schauen lieber weg und lassen die Schleuser mal richtig Geld verdienen.

Die werden selbst auch die Hand aufhalten. Mit Flüchtlingen kann man überall gut Geld verdienen.

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