S&P hält weitere Banken-Hilfen für möglich

  • Fremdwährungskredite bleiben eine Achillesferse für Österreichs Banken. Auch wei
    foto: apa/julian stratenschulte

    Fremdwährungskredite bleiben eine Achillesferse für Österreichs Banken. Auch wei

Die Ratingagentur sieht den österreichischen Bankensektor positiv, Fremdwährungskredite bleiben die Achillesferse

Die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) bewertet den österreichischen Bankenmarkt in seinem Banking Industry Country Risk Assessment (BICRA) mit der zweitbesten Note. Die Bankensysteme von 88 Ländern werden dabei unter die Lupe genommen, nur zwei (die Schweiz und Kanada) erreichten die Bestnote. Bei einer Pressekonferenz in Wien erklärten die Analysten Anna Lozmann und Markus Schmaus von der Frankfurter Filiale des Ratingunternehmens, was sich hinter dem Akronym BICRA versteckt, und warum es kein Rating ist.

Mit BICRA bewertet Standard & Poor's lediglich ökonomische Risiken und jene Risikofaktoren, die in dem Bankensektor eines Landes schlagend werden. Aus dieser Bewertung ergibt sich eine Punktzahl, die als "Anker" später für das Bankenrating herangezogen wird. Seit November 2011 wird das BICRA einmal pro Monat adaptiert und veröffentlicht. In der jüngsten Expertise von S&P schneidet Österreich wieder gut ab, in Gesellschaft von Ländern wie Deutschland, Frankreich, Japan oder Schweden.

Ob noch weitere Staatshilfen für österreichische Banken nötig werden, darauf wollten sich die Analysten am Donnerstag nicht dezidiert festlegen. Jedenfalls geht Schmaus nicht davon aus, dass mögliche weitere Staatshilfen für die Hypo Alpe Adria negative Auswirkungen auf das Rating Österreichs haben würden, das Risiko weiterer benötigter Gelder sei schon berücksichtigt worden, meint Schmaus. Auch bei der KA Finanz könnten noch weitere Hilfen fällig werden: "Das ist eine Abbaubank, da können noch weitere Verluste anstehen, wo der Staat wieder helfen wird müssen", so Schmaus.

Österreichs Großbanken seien immer relativ schwach kapitalisiert. Auf der Kapitalseite seien zwar ein paar positive Änderungen passiert und die Banken hätten die regulatorischen Kapitalerfordernisse erfüllt, sie sollten sich aber einen stärkeren Kapitalpuffer zulegen, um Risiken abfangen zu können.

Fremdwährungskredite bleiben Achillesferse

Die Analystin Lozmann führt auf der positiven Seite der aktuellen Bewertung der österreichischen Bankenlandschaft die differenzierte und wettbewerbsfähige Wirtschaft in Österreich, die relativ geringen Risiken einer Korrektur bei Immobilien- oder Aktien-Preisen, sowie steigende private Bankeinlagen. Belastend für den heimischen Banksektor hingegen wirke sich die hohe Anzahl an Fremdwährungskrediten aus. Diese erhöhten das Kreditrisiko für die Banken immens. Die Überkapazität im Bankensystem führe außerdem dazu, dass die Profitabilität der einzelnen Banken relativ gering bleibe. 

Ins BICRA fließen unter anderem Daten zu wirtschaftlicher Widerstandsfähigkeit, Ungleichgewichten und dem Kreditrisiko einer Volkswirtschaft ein. Außerdem werden die Bankenaufsicht und die rechtlichen Rahmenbedingungen eines Landes für den Bankensektor bewertet, genauso wie der Wettbewerb und das Einlage-Risiko. Für Österreich ergibt sich aus der Betrachtung dieser Kriterien eben die Note 2, die zweitbeste auf der Skala zwischen 1 und 10. Dabei wird jede Unterkategorie einzeln bewertet - je schlechter die Note je Kategorie ausfällt, desto höher die Punktzahl. Markus Schmaus von S&P betont, dass dabei mit einer exponentiellen Skala vorgegangen werde. Damit will man verhindern, dass das schlechte Abschneiden in einer Kategorie untergeht, wenn die übrigen Kriterien nicht so mies bewertet werden. "Das ist eine Lehre aus der Finanzkrise", so Schmaus. (rom, derStandard.at, 6.9.2012)

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