Van der Bellen könnte doch Wiener Uni-Beauftragter bleiben

  • Van der Bellen hat seine Meinung geändert.
    foto: apa/pfarrhofer

    Van der Bellen hat seine Meinung geändert.

Grüner hatte ursprünglich Unvereinbarkeit mit Gemeinderatsmandat geortet

Wien - Bei seiner Ankündigung im Sommer und damit eineinhalb Jahre nach der Wien-Wahl, nun doch für die Grünen in den Gemeinderat zu wechseln, hatte Alexander Van der Bellen angekündigt, den für ihn geschaffenen Posten des städtischen Uni-Beauftragten wegen Unvereinbarkeit an den Nagel zu hängen. Inzwischen liegt die Sache deutlich anders. "Entweder es gibt einen Nachfolger als Stadtbeauftragten oder es gibt keinen - dann bin ich das selbst", sagte der designierte Mandatar im APA-Interview. Sprich: Der Professor könnte künftig sehr wohl beide Ämter parallel ausüben.

Seinen Meinungsumschwung erklärte Van der Bellen wie folgt: "Ich habe damals den zeitlichen Ablauf völlig außer Acht gelassen. Wenn ich schon Gemeinderat wäre, würde ich es für problematisch halten, mit einem Amt wie diesem betraut zu werden. Im umgekehrten Fall sehe ich persönlich keine Unvereinbarkeit. Wenn es eine gibt, dann müsste sie mir erst erläutert werden."

Schwierige Suche nach Nachfolger

Ursprünglich wollte der 68-Jährige das Amt des Uni-Beauftragten jedenfalls übergeben, die Nachfolgersuche dürfte allerdings nicht allzu erfolgreich laufen. "Mir sind schon ein paar Personen eingefallen, aber aus unterschiedlichen Gründen ist das nicht zustande gekommen", gestand Van der Bellen, freilich ohne Namen zu nennen. Eine Job Description hat er für Interessierte, die doch in seine Fußstapfen treten wollen, bereit: "Man braucht jemanden, der sich für Grundlagen- und angewandte Forschung interessiert, bereit ist, entsprechende Energie dafür aufzuwenden und der - nach dem derzeitigen Modell - diese Aufgabe ehrenamtlich macht."

Wien als "Forschungsmetropole"

Er werde jedenfalls als Mandatar mehr oder weniger identische Ziele verfolgen wie als Stadtbeauftragter. Es müsse das Bewusstsein verstärkt werden, dass Wien gute Chancen habe, "sich zu einer Forschungsmetropole des mittleren Europas" zu entwickeln, umriss Van der Bellen seine Mission: "Das setzt voraus, dass man über Stadt- und Landesgrenzen hinaus denkt." Die bürgerlichen Unis und das rote Wien hätten sich lange ignoriert, wobei sich das in den vergangenen 20 Jahren verbessert habe. Diesen positiven Trend wolle er noch verstärken.

Angelobt und damit offiziell im Wiener Rathaus begrüßt wird Van der Bellen am morgigen Freitag im Gemeinderat, wobei der stoische Wirtschaftsprofessor durchaus Nervosität einräumte. Auf die Beruhigungszigarette wird er allerdings verzichten. Der langjährige passionierte Raucher hat nämlich vor kurzem dem Glimmstängel abgeschworen - wobei ihm der Abschied vom Nationalrat durchaus noch schwerer gefallen sei, wie er gestand. (APA, 6.9.2012)

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