Galaxy Beam: Samsungs Projektor-Smartphone im Test

Mittelklasse-Gerät punktet mit gut umgesetztem Alleinstellungsmerkmal

Wenn über die Features von Smartphones geredet wird, tauchen eigentlich nur wenige Spezifikationen auf, an denen so ein Gerät tatsächlich unterschieden wird. Welches Betriebssystem ist drauf? Wie schnell ist der Prozessor? Wieviel Arbeitsspeicher steckt drin? Was kann die GPU? Wie groß ist das Display, welche Qualität und Auflösung liefert es?

Premiere

Da ist es in der Tat erfrischend, ein Gerät wie das Samsung Galaxy Beam zu sehen, das erste Smartphone mit integriertem Projektor. Handys mit Beamern gibt es schon länger. Sie sind als Noname-Produkte aus China seit mehr als zwei Jahren beziehbar. Neben potenziellen Problemen im qualitativen Bereich der Hardware laufen diese in der Regel außerdem mit selbstgebastelten und nicht erweiterbaren Java-Betriebssystemen.

Anders das Beam: Hier schickt Samsung einen Vierzöller ins Rennen, der mit Googles Android-Betriebssystem - wenn auch mit der angegrauten Version 2.3.6 davon - läuft. Mittlerweile steht für die meisten Länder aber ein Update auf Android 4.0.3 oder 4.0.4 bereit (angezeigt wurde es beim Testgerät nicht, das Update muss entweder via Kies bezogen werden oder kann manuell auf Seiten wie samfirmware.com bezogen werden). Mit einer offiziellen Aktualisierung auf "Jelly Bean" ist nicht zu rechnen.

Ausstattung

Das gute AMOLED-Display löst mit WVGA (800 x 480 Pixel) auf. Neben W-LAN, 3G, microSD-Slot und Bluetooth sind auch zwei Kameras (Fünf und 1,3 Megapiyel) an Bord, die mittelmäßige Schnappschüsse erzeugen. NFC fehlt, ebenso wie ein HDMI-Port.

Mittelklasse-Hardware

Unvermeidlich ist ein Blick auf die Performance des Geräts. Eine ARM v9 Dualcore-CPU und 768 MB RAM stellen das Beam im Quadrant-Benchmark (2.800) sogar über das Galaxy Nexus, das allerdings im Web-Benchmark Vellamo die Nase vorn hat (850). Im Testlauf von AnTuTu ordnet sich das Telefon mit 5.300 Zählern auf Höhe des LG Optimus 3D ein.

Im BaseMark Taiji ES 2.0 offenbart sich bei einem Durchschnittswert von 16,8 Frames pro Sekunde, dass man es nicht mit einem Gaming-Device zu tun hat. Soweit die Zahlen.

Befestigungsmöglichkeit fehlt

Im praktischen Betrieb kann man wenig klagen. Das Telefon ist gut verarbeitet, allerdings relativ schwer und dick. Alles funktioniert flüssig und wie es soll. Nur Samsungs eigene TouchWiz-Oberfläche bereitet in der Navigation wesentlich mehr Mühen, als sie Vorteile bringt.

Nun aber zum bedeutendsten Feature: Bei gut abgedunkeltem Raum eignet sich das Beam tatsächlich zur Durchführung kleiner Heimkinoabende, auch wenn Samsung das in der Praxis etwas erschwert. Ein Stativgewinde, Adapter oder irgendeine andere Befestigungsmöglichkeit, die die Platzierung des Telefons vor der (Lein-)Wand erleichtern würde, sucht man vergebens.

40-Zoll-Projektion

Hat man dieses Problem gelöst, sollte das Telefon in einem Abstand von etwa zwei Metern zur Wand platziert werden. Diese Distanz ergibt mit einer Projektionsfläche von 40 bis 42 Zoll einen sehr brauchbaren Kompromiss aus Bildqualität und -größe. In Sachen Helligkeit kann das Beam allerdings nicht mit einem Standalone-Gerät mithalten, was aber keine Überraschung ist. Ab einer Distanz von 2,5 Metern wird das Bild unansehnlich dunkel und verliert deutlich an Kontrast.

Die Soundausgabe ist für Handylautsprecher in Ordnung. Wer mehr Heimkinofeeling möchte, sollte das Beam an Kopfhörer oder Lautsprecher anhängen.

Intuitive Handhabung

Wirklich einfach ist die Handhabe der Beamerfunktion gestaltet. Die Ausgabe wird über eine eigene App gesteuert, die auch direkt über einen Knopf auf der rechten Gehäuseseite aufgerufen werden kann. Diese erlaubt per Schieberegler die Anpassung des Kontrasts (der Effekt ist allerdings eher gering).

Eine weitere Schaltfläche dreht die Ausgabe des Beamers von der Horizontale in die Vertikale und vice versa, wobei dies das Gerät je nach Inhalt normal zuverlässig automatisch erledigt. Nützlich für Präsentationen ist die Funktion "Quickpad", die einen Mauszeiger einblendet, um Zusehenden gezielt am Display etwas zu zeigen.

Marathon-Akku

Damit das Projektionsvergnügen etwas länger Bestand hat, steckt ein 2.000 mAh starker Akku im Telefon. Spielt man damit ein 720p-Video vom Speicher oder der SD-Karte ab, liegt die Durchhaltezeit bei 100 bis 120 Minuten und reicht damit für die meisten Spielfilme. Streamt man den Inhalt, verkürzt sich diese Zeit aufgrund der Akkubelastung durch das 3G-Modem oder WiFi-Modul deutlich.

Auch bei langer, durchgehender Nutzung erwärmt sich das Telefon durch den Beamer nur leicht. Full-HD Content macht aufgrund des 640 x 360 Outputs des Projektors wenig Sinn.

Lampe nicht wechselbar

Die Lebensdauer der Lampe wird mit 20.000 Stunden angegeben. Dieser Wert war über den Testzeitraum natürlich nicht auf seinen Bestand in der Praxis überprüfbar. Der durchschnittliche Nutzer dürfte in den üblichen ein bis zwei Jahren, die ein Smartphone im Schnitt verwendet wird, nicht auf Probleme stoßen. Falls doch, steht er dann aber plötzlich mit einem einfachen Smartphone da, denn ein Austausch der Lampe ist ohne fachkundiger Hilfe nicht möglich.

Fazit

Samsung hat hier ein solides Mittelklassehandy produziert, das den User mit dem eigenen Interfaceaufsatz nervt, mit seinem Alleinstellungsmerkmal - dem Beamer - dafür glänzt. Auch wenn es der Hersteller verabsäumt hat, passendes Accessoir oder ein Stativgewinde für vernünftige Befestigung anzubieten. Der Akku liefert genug Saft für eine Betriebszeit von deutlich mehr als einem Tag oder einen langen Film.

Der Sonderling hat aber seinen Preis. Für das vertragsfreie Gerät werden über 400 Euro fällig, was gemessen an den restlichen Spezifikationen ein durchaus happiger Betrag ist. Auf diesem Preisniveau befindet sich etwa das LG Optimus 4X HD-Quadcore-Smartphone, das eine deutlich bessere Hardware mit sich bringt, aber eben keinen Projektor hat. Die Anschaffung lohnt sich also vor allem für jene, die häufigen Bedarf für den kleinen Beamer haben. (gpi, derStandard.at, 16.09.2012)

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Schön, dass sich wenigstens ein Redaktionsmitglied auch anderen als einem glitzernden iDing widmet :)

Lieber Jim Beam als Galaxy Beam wie wir Abstinenzler immer sagen.

unabhängig von der sinnhaftigkeit eines solchen gerätes...

was genau hindert einen benuzter daran, das touchwiz durch einen launcher der eigenen wahl zu ersetzen? app aus dem store installieren (meist gratis!) - fertig. keine bastelei und kein root. niemand wird gezwungen, das touchwiz zu verwenden. aber ständig hagelt es kommentare von wegen "samsung ist mist wegen touchwiz". und jetzt sogar im artikel so ein käse.

galaxy nexus

hat kein touchwiz

Georg G. Pichler
01
17.9.2012, 12:54

TouchWiz ist nunmal vorinstalliert, daher "verdient" es natürlich eine Erwähnung.

Warum wird das Gerät eigentlich erst jetzt getestet ? Das gibt es doch schon ewig.

Georg G. Pichler
08
17.9.2012, 09:58

Da war die iPhone-Mania dazwischen, in der der Test wohl ziemlich untergegangen wäre ;)

iPhone-Mania ist aber von Mai (erste 'Gerüchte) bis Jänner (*SENSATIONELLE* Weihnachtsverkäufe!!!!!). Dazwischen ist dann iPad-Mania.

Stativgewinde ist auch nicht unbedingt nötig. Ich empfehle diese Universalhalterungen mit Saugnapf wie es sie für KFZ-Einsatz gibt. Damit kann man es an einer glatten Oberfläche (zB Tisch) gut festmachen und den gewünschten Abstrahlwinkel auch genau einstellen.

Toller Beitrag!

Hat echt schon "Apo-Qualitäten"! ;)
Danke, war mal echt interessant!

Dass dieser Comment so viel rot hat...

...ergibt keinen Sinn. Es soll auch Klassenzimmer oder Uniräume mit Jalousien geben. Und der Anschluss auf einen externen Loudspeaker dauert eine Sekunde. Das Kommentar war voll ok.

Dort wäre es sicher sinnvoll. Aber wer kauft sich privat so ein Teil damit er es im Klassenzimmer verwenden kann? Eine Schule wird das auch keinem Lehrer zur Verfügung stellen.

Bleibens halt bei Apple und aus...

...dieser extrem zur Schau getragene Neid ist lächerlich.

Dann kaufen sie sich halt ein iPhone...

...diese Leute haben technischen Specs nämlich so gut wie nie eine Ahnung.

"Für das entsperrte Gerät..."

Ich habe mich mittlerweile daran gewöhnt, dass im Handel oft von entsperrten Geräten gesprochen wird. In einer Zeitung, noch dazu dem Standard, hätte ich mir aber eine passendere Ausdrucksweise erwartet.

Nochmal zum mitschreiben: Kaffee ohne Koffein ist entkoffeiniert. Cola ohne Koffein ist nicht etwa entkoffeiniert, sondern man hat einfach kein Koffein hinzugefügt. Selbiges hier. Diese Handys sind nicht entsperrt, sondern waren niemals gesperrt. So schwer?

Georg G. Pichler
15
16.9.2012, 23:47

Ich verwende seit dem Beginn meiner Smartphone-Äre (mit WinMobile 6) nur noch Geräte, die ich ohne Vertrag erworben habe.

Daher ernstgemeinte Frage: Kommen die Vertrags-Smartphones mit den gängigen Betriebssystemen (iOS, Android, WinPhone, BB) ohne SIM-Lock/Netlock?

Dann wäre wohl "Vertragsfrei kostet..." die korrekte Formulierung. Ich besser mal aus.

Der SIM-Lock ist eine reine Softwareangelegenheit. Handys werden gesperrt ausgeliefert wenn sie von den Netzbetreibern als solche bestellt werden. Das übrigens auch nicht immer, gelegentlich kommen die Hersteller nicht nach und es landet eine Charge ungesperrter Handys in den Netzbetreibershops.

Kauft man sein Handy ohne Vertrag bei einem Händler, dann ist es natürlich kein Betreibergerät und damit SIM-Lock-frei. "Entsperrte" Handys gibt es entweder nur gebraucht oder bei zwilichtigen Händlern.

Ja, "vertragsfrei" passt genau. Apropos, ob ein Handy gesperrt oder offen ist, interessiert für einen Hardwaretest doch nicht, oder?

Trotzdem, ein guter Artikel.

Georg G. Pichler
00
17.9.2012, 13:35

Naja, es sollte für die Preisangabe schon drinnen stehn. Ansonsten spielts tatsächlich keine Rolle.

PS: Danke :)

Der erste Absatz ist voll der Nerd-Absatz. Der Ottonormalverbraucher redet über sowas nicht.

ich bin voll der anti-nerd...

...aber ich will sehr woll wissen, welche eckdaten mein objekt der begierde von anderen smartphones unterscheidet.
bei der anschaffung eines autos entspräche das: motordaten (ccm, kw, verbrauch,...), anzahl und variantenreichtum der sitzplätze, welche lichtvariante (xenon, led, halo), wieviele u welche airbags...
und ich kann dies gerne auch auf eine kühl-gefrier-kombi anwenden!
will so sagen: wenn du dich nicht für die technik eines technisch komplexen gerätes interessierst, darfst du dich hinterher nicht wundern, weshalb jeder otto-normalverbraucher wie ein nerd rüberkommt!

Georg G. Pichler
36
17.9.2012, 00:00

Nerd? Ich interpretiere das mal als Lob :)

"Diese Distanz ergibt mit einer Projektionsfläche von 40 bis 42 Zoll einen sehr brauchbaren Kompromiss aus Bild- und Tonqualität"

Aha, also wird der Ton IN der Projektionsfläche und nicht im Handy erzeugt.
Its Magic!

Georg G. Pichler
011
16.9.2012, 23:52

Ich hab den Absatz mehrmals umgeschrieben, irgendwann blieb dann das dann so stehen und ich habs nicht bemerkt :)

Danke für den Hinweis, ist ausgebessert.

Nicht ärgern....schon Konstantin Wecker schrieb

ein jeder Deutsche ist ein Lehrer und ein Freizeitpolizist !

Und wir "Austriaken" sind nun mal die "Brüder" unserer westlichen Nachbarn.

Stay cool and keep calm

LG
SB

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