Brotfabrikant nach Wallraff-Affäre freigesprochen

Basierend auf Recherchen Wallraffs hatte der Staatsanwalt eine Geldstrafe wegen fahrlässiger Körperverletzung gefordert

Bad Kreuznach - Ein deutscher Brotfabrikant, der nach Recherchen des Enthüllungsjournalisten Günter Wallraff wegen der Arbeitsbedingungen in seinem Betrieb vor Gericht kam, ist freigesprochen worden. Ihm war vorgeworfen worden, dass Mitarbeiter sich an einer veralteten Anlage mehrfach an den Armen verbrannten. Dem ehemaligen Firmenchef sei nicht zweifelsfrei nachzuweisen, dass er für Verbrennungen seiner Mitarbeiter Verantwortung trage, entschied das Amtsgericht Bad Kreuznach (Rheinland-Pfalz) am Donnerstag. "Wie es zu den Verletzungen gekommen ist, das weiß der liebe Gott, ich kann da nur spekulieren", sagte Richter Wolfram Obenauer bei der Urteilsverkündung.

Wallraff ging nicht zum Arzt

Auch Wallraff, der im Prozess als Zeuge ausgesagt hatte, habe nicht sicher dokumentieren können, wie es zu seinen Verbrennungen gekommen sei, sagte der Richter. "Weshalb er danach keinen Arzt aufgesucht hat, kann ich nicht verstehen." Wallraff hatte berichtet, er habe sich bei der Arbeit in dem Betrieb unter anderem am Kinn und an den Unterarmen verbrannt. Die Staatsanwaltschaft hatte für den Fabrikanten 4.000 Euro Geldstrafe wegen fahrlässiger Körperverletzung und Verstößen gegen den Arbeitsschutz gefordert. Sein Verteidiger hatte auf Freispruch plädiert. Der Prozess lief seit Anfang 2010. (APA, 6.9.2012)

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