Marko Ahtisaari, der Lumia-Mann

6. September 2012, 11:13
  • Soll Nokia in die Erfolgsspur helfen: Marko Ahtisaari.
    foto: joi @ flickr/cc-by 2.0

    Soll Nokia in die Erfolgsspur helfen: Marko Ahtisaari.

Der Nokia-Chefdesigner springt für seelische Entlastung in Eislöcher

Nokias Lumia-Telefone sind einzigartig. Nicht, weil sie als Produkte mit Windows Phone zu einer Minderheit gehören, sondern weil sie sich auch optisch von allen Android-Geräten, iPhones und selbst der Konkurrenz im eigenen Ökosystem unterscheiden. Hinter den schwarzen Telefonen mit den knallbunten Rändern und Abdeckungen steckt Marko Ahtisaari, der seit 2009 Chefdesigner des finnischen Konzerns ist.

Post-Industriell

"Unsere Produkte sind menschlich, sie sind natürlich.", sagt er im Interview mit Wired. "Sie sind niemals kalt. Das hat teilweise mit den Farben zu tun, aber auch mit dem Gefühl, wenn man sie in der Hand hat. Es sieht weniger aus wie ein Produkt aus einer Fabrik - obwohl es das ist - sondern wie ein Produkt das auf einem Baum gewachsen sein könnte. Die beste Beschreibung, die mir einfällt, ist ‚post-industriell‘."

Der Grammy-Gewinner, der Handys macht

Ahtisaari kommt eigentlich aus dem Webdesign. Bevor er zu einem Pionier in der Gestaltung von Internetseiten wurde, studierte er Wirtschaft, Philosophie und Musik-Komposition an der Columbia University. Nebenher war er als Bass-Spieler erfolgreich und wurde sogar mit einem Grammy Showcase Award ausgezeichnet.

Zur Jahrtausendwende kehrte er nach Finnland zurück und arbeitete bei Nokia. Wenige Jahre später verließ er das Unternehmen wieder und machte sich selbständig. 2009 kehrte er als Designchef zurück, nachdem Nokia das von ihm mitgegründete Unternehmen Dopplr gekauft hatte.

Ein manisch-depressives Land

Als Finne lastet viel Verantwortung auf seinen Schultern, denn der einst unverwundbar wirkende Vorzeigekonzern im Handy-Bereich, der mit dem Aufschwung der Smartphones massiv ins Schlittern gekommen ist, scheint ein Teil der nationalen Identität geworden zu sein.

"Finnland ist eine manisch-depressive Nation, sowohl wegen des Wetters als auch wegen seinem Verhältnis mit Nokia", beschreibt Ahtisaari die Situation. Den Einblick dürfte er haben, denn sein Vater ist als Friedensnobelpreisträger (2008) und Ex-Präsident der wohl bekannteste Politiker des nordeuropäischen Landes.

Zum Ausgleich ins Eisloch

"Ich habe Nokia nie wie ein nationales Projekt behandelt, nur als als etwas um großartige Produkte und zugängliche Technologie zu schaffen", so der Mann, der sich selbst ein wenig wie die Chelsea Clinton Finnlands fühlt. Wird der Druck zu groß, greift Ahtisaari zu einem traditionell skandinavischen Mittel und steigt in ein Eisloch. "Wenn du in traurigen Gedanken über die Industrie schwelgst, vergisst du alles, wenn du dort drin bist."

Design rückt ins Zentrum

Seine Rolle umfasst aber mehr als die Gestaltung von Produkten. Ahtisaari hat sich in die Reorganisation des finnischen Riesen eingebracht, sein Team sichtbarer und wichtiger gemacht. Design spielt nun eine zentrale Rolle in der Entscheidungsfindung im Produktbereich. Nokias "alte Werte" wie Robustheit und Funktionalität werden mit Schönheit ergänzt.

Für die umstrittene Entscheidung Nokias, auf Windows Phone zu setzen, dessen Erfolg damals unabsehbar war, findet Ahtisaari lobende Worte. Denn Apple offeriert mit seinem System aus Apps und Ordnern einen Designweg, Android mit seinen Homescreens eine Variation davon. Die dritte Option, Windows Phone, unterscheidet sich mit seinen Livetiles, die Echtzeitinformationen der darunterliegenden App anzeigen. "Es ist ein anderer Zugang, der alles komplett abdeckt, was ein Smartphone können muss", sagt der Gestalter.

Lumia, das Buddelschiff

Er fühlt sich geschmeichelt, dass ein Apple-Anwalt im Monster-Prozess gegen Samsung ein Nokia Lumia präsentiert hattte. Mit dem Wortlaut "Nicht jedes Telefon muss wie ein iPhone aussehen." Er ergänzt: "In den Telefonläden sieht nichts aus wie das. Wir setzen es zusammen wie ein Buddelschiff." Der Konkurrenz aus Cupertino zollt er Anerkennung: "Der beste Art, wie man Mitbewerbern Respekt zollen kann, ist etwas bedeutend Besseres zu machen." (red, derStandard.at, 06.09.2012)

Link:

Wired

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4 Postings
good job mr. ahtisaari! ;)

ich finde das design der lumias sehr schön!
die bringen farbe in den alltag ;)

Buddelschiff?

Recht hat der Chefdesigner. Die geräte sind schön, aber hald leider mit windows vorinstalliert :(

Finnen, die in Eislöcher springen...

Machen das nicht irgendwie alle...? So what...?

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