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vergrößern 620x734Die Deutsche Lufthansa steuert auf den ersten bundesweiten Streik der Flugbegleiter zu. Nach zwei regionalen Streikwellen sollen ab Mitternacht für 24 Stunden zwei Drittel der weltweiten Flüge oder rund 1.200 Verbindungen ausfallen. Ein Arbeitskampf noch nie da gewesenen Ausmaßes. Die Gewerkschaft der Unabhängigen Flugbegleiter Organisation (UFO) fordert fünf Prozent mehr Lohn, das Ende der Leiharbeit und Schutz gegen die Auslagerung von Jobs. Die Lufthansa hingegen bietet bei einer längeren Laufzeit 3,5 Prozent Lohnerhöhung, plant aber eine konzerninterne Billigtochter, Auslagerungen und will darüber hinaus die Gehaltsstufen abflachen.
UFO-Chef Nicoley Baublies erklärt im Interview mit derStandard.at, wie die Lufthansa seiner Ansicht nach Trends verschlafen hat, wie das Kabinenpersonal nun für Managementfehler der vergangenen Jahre geradestehen soll und dass an ein Ende der Streiks derzeit nicht zu denken ist.
derStandard.at: Sie meinten kürzlich, Sie bekämen sehr viele Anrufe. Nicht aber von der Lufthansa. Das Management zeigt sich plötzlich offen für eine Schlichtung vor dem morgigen Streik. Hat nun doch Ihr Telefon geläutet?
Baublies: Nein, ich habe von dem Schlichtungsangebot über die Medien erfahren, an uns ist diesbezüglich niemand herangetreten.
derStandard.at: Lufthansa wartet darauf, dass die Gewerkschaft den Kontakt zu ihr wieder aufnimmt.
Baublies: Das ist klar. Aber über ein Presse-Statement mitzuteilen, die UFO solle sich bei Lufthansa melden, ohne gleichzeitig konkrete Vorschläge zu machen, ist opportun.
derStandard.at: Lufthansa-Manager Peter Gerber, der im Passagiergeschäft das Personalressort verantwortet, kündigte an, dass es bei einer etwaigen Schlichtung ausschließlich um die Bezahlung der Flugbegleiter gehen würde. Das ist Ihnen zu wenig?
Baublies: Nichts an dem Schlichtungsrahmen ist festgelegt worden: Es ist nicht einmal klar, wie mit rechtlichen Dingen umgegangen werden soll. Um es salopp zu sagen: So platt, wie die Presseaussendung gestern formuliert war, kann man zu einer Schlichtung weder ja noch nein sagen.
derStandard.at: Wo liegt Ihre Schmerzgrenze, würde die Lufthansa ein Angebot machen?
Baublies: Als allererstes muss ein Anruf mit konkreten Vorschlägen kommen, wie man wieder in einen Dialog treten kann. Zum jetzigen Zeitpunkt kann man noch keine Schmerzgrenze ziehen, dafür ist das Thema mittlerweile viel zu komplex.
derStandard.at: Sie können sich also vorstellen, dass es weitere Streiks geben wird?
Baublies: Natürlich. Wenn sich nichts verändert, ändert sich auch an unserer Situation nichts.
derStandard.at: Jedes Prozent Gehaltserhöhung würde der Lufthansa mit rund neun Millionen Euro zu Buche schlagen. Übersteigen die Streikkosten nicht längst diese Summe?
Baublies: Natürlich. Doch daran sieht man nur, dass es der Lufthansa gar nicht so sehr um die Gehaltserhöhung geht, als vielmehr darum, langfristig Strukturveränderungen vorzunehmen: Unter anderem sollen Zulagen zusammengestrichen und Gehälter um bis zu 1.300 Euro gekürzt werden. Dadurch scheint die Lufthansa die Streikkosten vorerst billigend in Kauf zu nehmen.
derStandard.at: Die Probleme der Lufthansa gibt es nicht erst seit kurzem. Hat sie den Trend zu den Billigfliegern verschlafen und würden Sie sagen, dass die Misere durch Management-Fehler entstanden ist?
Baublies: Auf jeden Fall. Das räumt selbst das Management mittlerweile ein. Am Ende müssen immer die Mitarbeiter für diese Fehler einstehen, wie auch die Kollegen bei der AUA ganz bitter erfahren mussten. Die Lufthansa hat die Billigflieger in Deutschland definitiv unterschätzt, indem sie der Meinung war, Billigflieger wären nicht ihr Klientel - eine dramatische Fehleinschätzung. Darüber hinaus hat man das Bord-Equipment stark vernachlässigt. Vergleicht man die Ausstattung in der Lufthansa-Business-Class mit Asien- oder Golf-Carriern, sieht man einen enormen Unterschied. Auch diesen Trend hat man - auf gut Deutsch - verpennt.
derStandard.at: Denken Sie, die Lufthansa-Piloten könnten sich dem Streik anschließen?
Baublies: Die Wahrscheinlichkeit ist nicht sehr hoch. Wir und die Vereinigung Cockpit stehen uns zwar sehr nah, allerdings haben die Piloten die Tarifrunde, in der wir nun stecken, schon letztes Jahr hinter sich gebracht. Die Gehaltsfragen sind zwar immer noch nicht ganz geklärt - aber nur aus Prinzip zusammen zu streiken, kommt nicht in Frage und wäre auch nicht seriös.
derStandard.at: Wie viele Passagiere werden morgen direkt und indirekt vom Streik betroffen sein?
Baublies: Durch die Flugstreichungen werden es mindestens 150.000 sein. Durch die Instabilität, die morgen entstehen wird, werden es aber sicher noch mehr.
derStandard.at: Sie sagen, der Streik ist nicht gegen die Lufthansa, sondern für die Lufthansa. Wie meinen Sie das?
Baublies: Wir sind die erste Beschäftigungsgruppe, die während der Umstrukturierungsmaßnahmen einen Tarifkampf führt. Wir versuchen, das Top-Management davon abzuhalten, die Lufthansa zu zerschlagen und Arbeitsplätze auszulagern. Wir wollen, dass die Lufthansa in dieser Form erhalten bleibt.
derStandard.at: Mit anderen Worten, Sie wollen verhindern, dass die Lufthansa zur Frusthansa wird?
Baublies: Ja. Und zwar nicht nur für die Mitarbeiter, sondern auch für die Fluggäste. Ein bestimmter Qualitätsanspruch an Bord muss auch für die Zukunft gesichert sein.
derStandard.at: Die Dimension des morgigen Streiks ist einzigartig in der Geschichte der Lufthansa. Gibt es noch eine Steigerung?
Baublies: Nein. Ein ganz klares Nein. (Sigrid Schamall, derStandard.at, 6.9.2012)
Nicoley Baublies (39) ist seit fünf Monaten Chef der Unabhängigen Flugbegleiter-Organisation (UFO). Zuvor war er vier Jahre lang Leiter der Lufthansa-Tarifkommission.
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Das freut die Aktionäre die ihr Geld in das Unternehmen gesteckt haben.
Wenn ich mir das objektiv ansehe, was für Möglichkeiten haben die denn wirklich.
1. Massenentlassung die Lufthansa verkleinern und raus aus der AG zu etwas wo sie nicht verpflichtet sind Gewinne für Aktionäre zu erwirtschaften bzw. Rechenschaft gegenüber den Aktionären abliefern zu müssen.
2. Aktionäre glücklich halten, weiterhin auf breitem Fuß aufgestellt sein und viele Arbeitsplätze erhalten
Ist es denn so das die Leute die einer AG als Arbeitnehmer beitreten nicht wissen worauf sie sich da einlassen? Ich finde insbesondere AGs sind nicht besonders die attraktivsten Arbeitgeber in Bezug auf Sicherheit in schwierigen Zeiten, aber was ist schon sicher heutzutage..
Warum investieren die Angestellten nicht selber in das Unternehmen und stemmen sich dann gegen die Dividende?
Die Angestellten wollen selber Gewinn erwirtschaften, und Aktionäre sind teils auch nichts anderes als Angestellte anderswo oder auch ein paar Selbstständige. Warum sollte ein Aktionär sein Geld in so einer AG behalten? Aus Gutmütigkeit?
Es gibt wohl wirklich viele Träumer auf dieser Welt.
bin heute mit der lufthansa geflogen und wünschte dem bordpersonal alles gute für ihren streik und die anliegen.
die aufteilung und das tranchieren der mitarbeiter in verschiedene gruppen mit verschiedenen gehältern, das einsetzen von leiharbeitern zur kostenreduzierung durch geringere soziale absicherung: ein klares nein meinerseits.
ich würde mich einfach freuen, wenn es für solche jobs einen eu-weiten tarifvertrag geben würde, an den sich auch jene airlines halten müssen die von ausserhalb in die eu fliegen.
alle flieger stehen still, wenn euer starker arm es will!
viel glück der gewerkschaft
Einmal mit Sabena geflogen, nie wieder. Ein Jahr später sind die Pleite gegangen. Die Stewardessen waren unfreundlich und frech, der Service mies, und es war teurer als andere Linienflüge.
ALLE anderen Fluglinien sind besser (innerhalb Europas zur lokalen Eingrenzung).
Bei der Lufthansa hat sich auch einiges verbessert, der Service ist gut, die Stewardessen freundlich. Was nervt ist, dass es immer noch bürokratische Strukturen gibt, die wahrscheinlich das Geld wie Schnee in der Sonne wegschmelzen lassen. Das sollen jetzt die Mitarbeiter abzahlen, die am meisten machen?
ja !!
allerdings der gravierenste negative unterschied zu den erwaehnten "asien und golf airlines" ist wohl die qualitaet des kabinen personals - also die der flugbegleiter die jetzt streiken..
plus - der stupide vergleich mit den "billigfliegern" grenz an technischen kurzschluss ! sollte die lufthansa etwa deren beispiel folgen ?? dann gaebs wohl nur noch die haelfte fuer die flugbelgeiter und das OHNE tarif vertrag..
na ja 'ganze "5" !! monate im job und schon wichtigtuer. solche menschen sind wohl stoz darauf einen schaden von mehreren milliarden in einer woche verursacht zu haben.. (P.S. fuer die rotstrichler und kritiker hier - mit diesem betrag koennte man den freien uni zugang fuer jahre finanzieren !!!!)
Bedenkt man das bei einer Lohnerhöhung von 5% real (netto) nur rund 2..3% übrig bleiben, ist das nicht viel mehr als Inflationsausgleich (nichtmal das)
Wenn man in Bezug Eurokrise als "Lösung" Inflation sucht, müssen die Löhne auf breiter Ebene vieeeel stärker steigen. 10% bis 20% jährlich. Und nicht nur betreffend weniger, gut organsierter Branchen wie Flugbegleiter sondern auch im Einzelhandel, am Bau, bei Sozialdiensten, etc..
Diese für manche hohen Lohnsteigerungen von 15% pa. würden dann unter anderem Griechenland helfen, da deren Löhne nicht mehr so stark steigen- das war die letzten Jahre so.
Daher: Wer Inflation zur Euro-Rettung ruft, ruft auch nach deutlich höheren Löhnen in Deutschland.
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