Ein Paradeiser-Weiser

Gregor Fauma, 11. September 2012, 17:35
  • Ausgeizen nicht nötig, meint Erich Stekovics (... und die Erfahrung hat uns gelehrt, er hat recht. Im Topf kann man auf das Gießen allerdings nicht verzichten, beschreibt Stekovics in seinem Atlas der Paradeiser).
    foto: derstandard.at/ped

    Ausgeizen nicht nötig, meint Erich Stekovics (... und die Erfahrung hat uns gelehrt, er hat recht. Im Topf kann man auf das Gießen allerdings nicht verzichten, beschreibt Stekovics in seinem Atlas der Paradeiser).

Das Nachtschattengewächs mit dem heißumstrittenen Namen wird gern auf dem Balkon gezogen - Gregor Fauma über Theorie und Praxis der Tomate

Wenn man einem Menschen sagt, er habe ein Radiogesicht, so will man ihm nichts Gutes. Nicht ganz so garstig, womöglich sogar wohlwollend gemeint, ist es, Mitmenschen ein Nachtschattengewächs zu nennen. So wurden dereinst jene Mädchen in der Schule bezeichnet, die nur bei Nacht und dann im Schatten ihre Schönheit entfalteten. Man musste also genauer hinsehen, um der Schönheit gewahr zu werden. Aber lieber versteckt schön als schön im Radio, werden sich die Girls gedacht haben.

Genauer hinsehen muss man auch bei jenen Nachtschattengewächsen, die unsereins, des Nahuatl Mächtige, Xitomatl nennen: Paradeiser. Um gleich vorweg die Diskussion abzuschließen: Tomaten kommen aus der Flasche, Paradeiser sind in Salaten, Suppen und Soßen heimisch.

Aus noch nicht ganz bekannten Gründen wurde das Ziehen eigener Paradeispflanzen zu einem anerkannten Ausgleichssport, und unsere Behörden überlegen bereits, die Zucht und Pflege von Solanum lycopersicum (wissenschaftl.: Paradeiser) zur Burnout-Prophylaxe einzusetzen. Unbestritten ist der sozial animierende Wert der Paradeiserpflege.

Getratsche über die richtige Pflegemethode 

Längst hat der Austausch über die richtige Pflegemethode das unselige Getratsche über das Wetter abgelöst, nur noch die Beagle-Erziehungsdebatte wird intensiver und kontroversieller geführt. Wer recht haben und reich ernten möchte, kauft sich einen Stapel populärer Sekundärliteratur, so zum Beispiel Pferdeapfel und Paradiesapfel - eine Ergänzung? vom Verlag der Niederösterreichischen Nachtschattenkammer.

Darin, wie auch in allen anderen Standardwerken, wird er die entscheidenden Tipps finden. Die Erde, steht dort, müsse intensiv gedüngt sein, denn die Tomate, die sei ein echter Zehrer. Am besten grabe man dazu eine Forelle beim Wurzelstock ein. Weiters müsse die Erde ständig gleichmäßig feucht sein, ein unregelmäßiges Gießverhalten würde zum Platzen der Früchte führen.

Staunässe, Obacht, gilt es zu vermeiden. Und ganz, ganz wichtig ist auch das Ausgeizen der neuen Triebe zwischen Stamm und Seitentrieben. Die gesamte Kraft der Pflanze soll ja schließlich in den bestehenden Trieb und dessen Blüten und Früchte geleitet werden. Und wem das an Pflegearbeit nicht genug ist, der baut der Tomatenpflanze ein Dacherl.

Mein Lieblingshinweis

Tomaten brauchen den ganzen Tag volle Sonne, aber es darf nicht zu heiß werden im windgeschützten Winkel. So steht es geschrieben, so soll es sein, so sagen das auch die Gärtner. Es gibt aber auch einen weiteren Auskenner im Land der Paradeisophilen, Herrn Stekovics. Er verdient sein Geld mit der Zucht und dem Einrexen von Paradeisern und diversen Paprikaderivaten. Das lässt ahnen, dass er nichts dem Zufall überlässt. Er hat drei Antworten auf Lager, sollte ihn jemand fragen, was man beim Paradeiserziehen so alles falsch machen kann.

Nummer eins: Düngen. Woher das Gerücht kommt, dass Paradeiser stark zehrend sind, weiß er nicht. Er düngt nicht.

Nummer zwei: Ständig feucht halten. Er gießt seine Paradeiser genau ein Mal, beim Umsetzen vom Anzuchttopf in die Erde.

Nummer drei: Ausgeizen. Stekovics geizt nicht aus.

Laut voneinander abschreibender Standardliteratur und sich perpetuierenden Kuchlweisheiten dürfte das Geschäftsmodell von Herrn Stekovics nicht funktionieren. Schön, wenn einer gegen den Main streamt, und dabei Erfolg hat. Probieren Sie es aus. (Gregor Fauma, Rondo, DER STANDARD, 7.9.2012)

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Beobachtungen von Andreas Schauffert,
hier kommen Nachtschattengewächse (Kartoffel, Tomaten, Pfefferoni, Paprika, Auberginen) und auch Zwiebeln und Karotten nicht gut weg.
http://tatwellness.com/wp-conten... ewert-.pdf
Fernsehsendung Time to do:
http://www.youtube.com/watch?v=z... ature=plcp

Paradeiser

gedeihen am Besten im eigenen Dreck.

Immer die gleiche Sorte am gleichen Platz. Erde nicht düngen, oder verbessern wollen. Umstechen reicht völlig.

Das scheint tatsächlich so zu sein, wir machen das auch schon jahrelang so, gegossen habe ich sie heuer vielleicht zweimal, ansonsten war ich zu faul -zum Ausgeizen bin ich das sowieso. Und sie wachsen und tragen trotzdem und schmecken wunderbar.
Vielleicht würden sie mit Gießen und Ausgeizen noch mehr tragen, aber dann wüssten wir eh nicht mehr wohin damit.
Im Topf sind sie allerdings wesentlich empfindlicher.

Alter Hut. Das Buch gibt es seit 3 Jahren.

bemerkenswerte wandlung der forumsmeinung

kann mich noch gut erinnern, welcher meinungszunami hereinbrach als khgs fiona meinte, sie würde auch paradeiser auf der terrasse kultivieren.
jetzt lässt sich sogar schon einer der oberspeisinger herab, im standard seine weisheiten durchs haarsieb zu ziehen.
st. bobostan schau obe!

Gregor Fauma gelang mit diesem Artikel, ich möchte eher meinen, mit diesem Werk, ein beachtlicher, journalistischer Wurf. Er hat sich mit diesen Zeilen einen sicheren Platz im Weltliteratenhimmel verdient. Ein Literaturnobelpreis ist ihm gewiss, Reich-Ranitzki hat ihm bereits das Du-Wort angeboten. Ach, wie schön, dass es noch wirkliche Qualitätsblätter gibt.

siehe

http://www.stekovics.at/paradeise... nzen-2012/

siehe auch chilis...

einfach toll, diese vielfalt.

nicht giessen ?

im seewinkel hab ich ein häusel, dort habe ich u.a. zucchini angepflanzt. paradeiser nicht (stekovics ist 10 luftkilometer weg) weil die nach 3 heissen tagen hin sind. heuer sind im august (ohne giessen, fast null regen) die zucchini die üblicherweise wie unkraut wachsen und im august eineinhalb meter durchmesser haben so gross gewesen wie ein salathäuptel....

einzig die himbeeren im unnädigen schatteneck an der mauer (nachbarn: des wird nix !)waren ein voller erfolg.

stimmt. bei den trockenperioden heuer ohne bewässerung ging sicher nicht gut.

Die Tücken des Paradeiser Anbau

Voriges Jahr: Frei nach Stekovic nicht gegossen - aber so richtig gediehen wollten sie dann auch nicht.

Heuer: Seltene Sorten aus eigenem Saatgut angebaut (Reisetomate, Weisser Pfirsich, Weisses Ochsenherz). Wenig gegossen. Nicht ausgegeizt und als Busch (kein Aufbinden) gezogen. Ergebnis: Total verbuscht, sehr viele Triebe, wenig Früchte. Beim Ochsenherz Braunfäule weil Regenwasser wegen der vielen Blätter nicht schnell genug trocknete.

Nächstes Jahr machen wir es wieder konventionell: Mäßig giessen (von unten), aufbinden und ausgeizen.

warum ihre tomaten - äh paradeiser - nicht so richtig gediehen sind?

es liegt an den reisetomaten. sie sind wahrscheinlich verreist.

Beim Namen is nix umstritten:

Der Paradeiser ist und bleibt der Paradeiser.

Nur in Deutschland erkennen sie das nicht. Aber wir sprechen auch kein Deutsch hier, sondern Österreichisch.

Wiener Name

Bitte nicht Wiener Ausdrücke und Ausdrücke aus dem angrenzenden NÖ mit Gesamtösterreich verwechseln.

In Salzburg werden Sie, wenn Sie auf der Schranne "Paradeiser" bestellen, sofort als Wiener bezeichnet.

Ich kenne auch keinen Oberösterreicher, keinen Tiroler und keinen Gsi, der "Paradeiser" sagt.

Auch wenn es richtig ist dass westlich von NÖ kaum jemand Paradaeiser verwendet wird diese Wort trotzdem nicht nur von "Wienern und angrenzenden NÖern" verwendet, sonder auch im Burgenland, zumindest Teilen der Steiermark... und somit in einem sehr wesentlichen (mehr als 50% der Österreicher leben hier) Teil.

Komisch. In meinem Maturzeugnis steht auch der Gegenstand Deutsch!

quatsch, sehen sie doch genau hin: auf frucht und wort! ist die frucht kugelrund, ist's eine t_o_mate, ist sie leicht eiförmig, ist's ein parad_ei_ser. in D waren die früchte ursprünglich kugelrund, daher hat sich trotz des verkaufs italienischer flaschentomaten die bezeichnung "tomate" erhalten.

mein hier ist hoffentlich dort wo du nie bist...

Geh bitte, ein für alle mal ins Stammbuch geschrieben, von Oberösterreich an westwärts heißen die Paradeiser in Österreich Tomaten.

Richtig, Österreicher haben große Schwi4erigkeiten mit der deutschen Sprache. Hören Sie doch mal genauer zu.

Es abenteuerlich, was da alles als "Mundart" oder "Dialekt" verkauft wird. Tatsächlich ist es HIER das breit angelegte Unvermögen die deutsche Sprache korrekt zu erlernen und zu sprechen.
Und übrigens, "Paradeis" ist doch nur das Verhunzen der französischen Bezeichnung "Pomme de Paradis". Was ist daran so "toll"
Im Original hießen sie DOMATL !
Also, wer ist jetzt näher dran ?

Das Wort Paradeiser ist doch eindeutig "deutscher" als Tomate...

Paradeis = Paradies
Ergo Paradeiser = Paradiesapfel
paradajz sagt man z.B. auch am Balkan
Im Ungarischen gibts auch ein ähnliches Wort
In Italien sagt man "Goldapfel"

das überlässt du bitte jedem selbst

dir deine paradeiser
mir meine tomate

und so ist jeder zufrieden, ok?

danke.

Was Österreich von Deutschland trennt, ist die gemeinsame Sprache.

* /.

* = sonne, / = schattenspender, . = paradeiser.

mehr braucht man net. net gießen, net düngen. unkraut entfernen, vor starkregen schützen. eine pflanze hat die kraut- und braunfäule erwischt. zum schutz der anderen gleich ausgerissen.

der schutz vor starkregen is jetzt unterm zwetschkenbaum, wo mein bester 2, 40 m höhe erreicht. nächstes jahr machen das fisolen auf schräger kletterhilfe.

> http://ipir.at/pagelb
> http://ipir.at/parot
> http://ipir.at/pabeide
> http://ipir.at/paacht

pagelb & parot und der rosane neben pagelb sind von der Arche. keine ahnung woher der rest kommt. die acht sorten werden - so es gut geht - nächstes jahr aus samen gezogen.

CU TOM

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