Weinsprech: Katzenpisse und Pferdeschweiß

Kolumne | Luzia Schrampf
9. September 2012, 16:08
  • Katzenpisse ("pipi de chat") und Pferdeschweiß sind Begriffe, 
bei deren Nennung Weinkenner wissend ihr Haupt wiegen.
    foto: apa/franziska kraufmann

    Katzenpisse ("pipi de chat") und Pferdeschweiß sind Begriffe, bei deren Nennung Weinkenner wissend ihr Haupt wiegen.

Weinsprache nervt viele, doch ganz ohne geht es auch nicht, meint Luzia Schrampf

Wein zu beschreiben ist keine einfache Sache. Um jemandem zu vermitteln, wie denn ein bestimmter Wein geschmeckt hat, auf dass diese Menschen auch einen Nutzen für sich daraus ziehen, hat sich über die Zeit eine eigene Sprache entwickelt, die in den einschlägigen Kursen "Weinansprache" genannt wird und dort unterrichtet wird.

Es ist eine Art Fachsprache, in der von Buketts und Körpern die Rede ist, gut stützende Säure und charmante Abgänge gelobt und Tertiäraromen als balsamisch gepriesen werden. Die Vergleiche übersteigen oft jegliche Nachvollziehbarkeit. Wie Sternfrucht und Guave schmecken, gehört sicher nicht zum geschmacklichen Allgemeingut, zeigt vor allem, dass der Verkoster diese Früchte bereits probieren konnte. Zuweilen wird es auch hochpoetisch mit weißen Frühlingsblüten, frisch gemähten Wiesen und frisch geöffneten Zedernholzkisten. Oder auch kulinarisch, wenn ein Verkostender jede auch nur ansatzweise assoziierte Aromenspur aufzählt, was sich dann nach Obstsalat mit acht bis 14 Sorten anhört.

"Pipi de chat"

Nicht zu vergessen sind animalische Geruchsbilder. Doch Katzenpisse, das als französisches "pipi de chat" doch deutlich freundlicher klingt, und Pferdeschweiß sind dabei tatsächlich Begriffe, bei deren Nennung dann Weinkenner wissend ihr Haupt wiegen. Denn genau aus diesem Grund sind Fachsprachen wieder ganz nützlich: Um Sachen dingfest zu machen, so auch die Aromen im Wein. Dass diese Sprache aber manche als reines Altherren-Speak einfach nur nervt und sie nichts damit zu tun haben möchten, ist auch gut nachvollziehbar.

Die absolute Steigerung wäre die reine Zahlenwertung, ganz ohne sprachliche Ergänzung. Doch was sagen 14,7 von 20 oder 87 von 100 kommentarlosen Punkten tatsächlich aus, die dann vielleicht in die nebulose Kategorisierung à la "guter bis sehr guter Wein" fallen.

Neben Farbe und Weinnamen ist gerade einmal nachzuvollziehen, dass Wein X zum Zeitpunkt der Verkostung besser ankam als Y. Weinblogs und Getwittere haben sehr geholfen, Barrieren abzubauen und jüngere Leute über ihre Medien anzulocken. Bei spannenden oder witzigen, jedenfalls nachvollziehbaren Beschreibungen besteht auch noch die Hoffnung, dass diese sich vielleicht auch anregen lassen, zu probieren und tatsächliches Interesse und Freude an Wein zu entwickeln. (Luzia Schrampf, Rondo, DER STANDARD, 7.9.2012)

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Mir ist auf einem Weinseminar gesagt worden, das Wichtigste bei einer Weinverkostung sei, wissend zu klingen. "Stützende Säure", "lange Abgang", "fruchtig" bzw. "blumig" machen sich immer gut ;-) Rotwein lässt man dann nach Beeren, Weichseln etc. schmecken, Weißwein eher nach Zitrusfrüchten oder Grasaromen...hauptsache, man beeindruckt sein Gegenüber :-)

spätestens nach dem 4. achterl kann ich die pipi de chat nicht mehr wahrnehmen (den pferdeschweiss mangels persönlicher erfahrung sowieso nicht). und dann schmeckt der wein so richtig gut!

"… von Buketts und Körpern die Rede ist, gut stützende Säure und charmante Abgänge ... dass der Verkoster diese Früchte bereits probieren konnte ..."
Also das klassische Setting bei der Weinverkostung:
Zuerst schwärmen sie noch Bukett und Körper an, doch sobald sie diese Früchte probieren konnten, machen sie den charmanten Abgang. Dann sind sie für gut stützende Begleitung zum Auto dankbar und der Gastgeber hofft, dass sie im Garten nicht allzuviel Säure hinterlassen.

;-). die säure im garten weckt nämlich sofort wieder erinnerungen an die strengwürzige pipi de chat!

am besten immer nach dem verkosten eines weines:

"das hätte ich mir nicht gedacht!"

Das ist Teil des klassischen Weinkostdreischritts:

Anschauen - "Na da schau her!"

Riechen - "Interessant!"

Kosten - "Hätt ich mir nicht gedenkt!"

langer Schlecker!

Also, ich finde, mein Wein schmeckt immer so nach Trauben ...

pah, oberflächlich! echte kenner unterscheiden zwischen perser, siamese, britisch kurzhaar etc. bzw. bei pferdeschweiß zumindest zwischen warm- und kaltblut.

"Spannende oder witzige, jedenfalls nachvollziehbaren Beschreibungen:" JA!

Selbstverliebte, sinnfreie Schwurbeleien eines Käptn Klimek vulgo Manfred Kork: ABER WIRKLICH NICHT!

Möge er weitersaufen, weiterbrabbeln oder sein Schiff gegen die Portes-Felsen steuern - ist uns allen egal, solange er sich ruhig verhält und nicht die Allgemeinheit mit seinen Erkenntnissen belästigt...

Herzelichst
Ihr Lappe

Was soll das denn ... Klimek ist wohl ein geschmähter Berufskollege ...

Pferdeschweiß ist schon eine zulässige Beschreibung, allerdings schmeckt irgendwie "animalisch" finde ich dann doch etwas passender. Kommt z.B. öfters bei Südafrikanischen Weinen vor und schmeckt jetzt nicht so schlimm wie es sich anhört :-)

und damit ist die volksdroge nr. 1 gut und legal ?

Sowohl legal als auch gut !!

wozu die "Wissenschaft"?

schmeckt
schmeckt nicht

der rest ist völlig irrelevant

Seit wann

reden Sie denn beim Wein auch noch mit. Dachte Kinder (mal sinds 3, mal 2, mal 4, weil eines verstorben), Abtreibung, Ehe, Hausfrauen, reaktionäres Wolkenkuckucksheim, verzopfte und hinterwäldlerische Ansichten und Orange wären Ihre Themen? *staun*

Achtung, das ist der männliche Freigeist.

Das

meint ein völlig ignoranter und indolenter Bekannter von uns auch.

tierurin zu trinken und tierschweiss zu lecken ist wohl ein ausdruck "besonderer" Intelligenz?

denn wenn sie das nicht haben, können sie es auch nicht beurteilen sondern geben blos wieder, was ihnen wer anderer eingeredet hat.

sie "geniessen" in diesem fall auch nichts, was ihnen schmeckt, sondern vielmehr, was ihnen wer gesagt hat was ihnen zu schmecken hat.

im gründe ist es mir egal, ob sie selbst solange tierurin verkostet haben, bis sie auf den katzenurin gekommen sind, oder ob sie die meinung anderer wiedergeben.

letztendlich werden auch sie nur wein kaufen der ihnen schmeckt, oder?

wer sich mit einem so hochkomplexen genussmittel wie wein nicht näher beschäftigt, wer seine nase und seinen gaumen nicht sensorisch schult, kann in der regel überhaupt nicht beurteilen, was ihm schmeckt und was nicht. auch genuss will gelernt sein!

was ist an wein "hochkomplex" im vergleich zu anderen getränken?

unsere geschmackliche wahrnehmung wird übrigens wesentlich stärker von der optischen wahrnehmung beeinflusst als von den geschmacksnerven im Mund.

was sie als "schulen" titulieren ist lediglich das anlernen bestimmter Bezeichnungen und diese dann als gut zu interpretieren:

schmeckt nach katzenurin -> folglich muss er gut sein, weil sie es so gelernt haben.

mal ehrlich, haben sie schon katzenurin getrunken oder pferdeschweiss geleckt um diese töne im wein beurteilen zu können? muss wohl so sein, sonst könnten sie es nicht beurteilen.

von wie vielen tieren muss man den schweiss lecken um sicher zu sein, dass es pferdeschweiss ist und wie viele Urinproben haben sie verkostet um ihren geschulten Gaumen darauf vorzubereiten?

"Katzenpisse"

Dieser Geruch kommt hauptsächlich bei Sauvignon Blanc vor. Und da wieder am häufigsten bei solchen aus dem Loiretal oder aus Neuseeland. Is jetzt ka Schmäh...

Wein ist tatsächlich komplexer

Es ist wissenschaftlich längst erwiesen, dass Wein eines der komplexesten Getränke der Welt ist. Mehr unterschiedliche Aromen hat nur Tee.

weiß nicht ...

wein hat etwa 1200 Inhaltsstoffe, Bier hat 8000!

Was redens da daher, wenns von Tuten und Blasen keine Ahnung haben??

Soviel Blödsinn auf einen Haufen muss man ja erst einmal schaffen. Niemand trinkt "Tierurin", Sie Kaschperl. Es geht erstens um ein Aroma, also einen Geruch. Zweitens um eine Assoziation, d.h. um einen Geruch, der halt -vage - an Katzenkisterl erinnert.

Grundsätzlich finde ich aber diese Beschreibung schwachsinnig, weil ich diese Assoziation noch nie hatte - ich hatte aber auch noch nie eine Katze.

Hättens den Artikel gelesen, hätttens eventuell auch bemerkt, dass da "aus diesem Grund sind Fachsprachen wieder ganz nützlich: Um Sachen dingfest zu machen, so auch die Aromen im Wein" steht.

Da die menschliche Sprache wenig genaue Beschreibungen für Gerüche und Geschmäcker hat - anders als für Farben - gibt es diese Hilfskonstruktionen

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