Fonds fürchten Überregulierung

  • Im Funds-Talk: Dietmar Rupar von der Vereinigung Österreichischer 
Investmentgesellschaften, Mathias Bauer von Raiffeisen Capital 
Management, Eric Frey vom Standard und Adam Lessing von Fidelity 
International in Österreich (v. li.).
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    Im Funds-Talk: Dietmar Rupar von der Vereinigung Österreichischer Investmentgesellschaften, Mathias Bauer von Raiffeisen Capital Management, Eric Frey vom Standard und Adam Lessing von Fidelity International in Österreich (v. li.).

Der Vertrieb leide unter dem Vertrauensverlust der Kunden. Der Dialog mit der Politik verschlechtere sich

Wien - Seit dem Kollaps der US-Investmentbank Lehman Brothers sind vier Jahre vergangen. Vier Jahre, in denen Anleger aus Angst vor weiteren Erschütterungen ihr Geld vom Markt abgezogen haben - auch Fonds haben phasenweise enorme Einbrüche hinnehmen müssen. "Von diesen Schocks haben wir uns in Wellenbewegungen gut erholt", sagte Mathias Bauer, Chef der Raiffeisen Capital Management, am Dienstag beim Funds-Talk der VWD-Group. Die Wellen würden nun kleiner, die Performance der Fonds zudem wieder überzeugender.

Kunden verunsichert

Dass der Fondsverkauf dennoch nicht voll zündet, macht Dietmar Rupar, Generalsekretär der Vereinigung Österreichischer Investmentgesellschaften, auch beim Vertrieb fest. Für die Fondsgesellschaften waren Banken bisher der Vertriebskanal Nummer eins. Seit der Finanz- und Wirtschaftskrise seien diese aber mit der Umsetzung von Regulatorien wie Basel III beschäftigt. Die Bedürfnisse des Vertriebs hätten sich mit der Krise ebenso verändert.

Die in den vergangenen Jahren teils heftigen Schwankungen an den Börsen einhergehend mit teils herben Kursverlusten seien vom Vertrieb vielfach nicht mehr erklärbar gewesen, weswegen das Vertrauen gelitten habe, ergänzte Adam Lessing, der das Österreich-Geschäft von Fidelity International leitet. Das wieder herzustellen sei "eine der schwierigsten Aufgaben", ergänzte Rupar.

Regulatorischer Papiertiger

Einigkeit herrschte bei der von Standard-Moderator Eric Frey geleiteten Diskussion bei dem Punkt Politik. Dass die seit April geltende Wertpapier-KESt Veranlagungen in Wertpapiere nicht attraktiver mache, sei unbestritten. Zumindest habe die Finanzbranche in Verhandlungen mit der Politik erreichen können, dass Verluste im Zuge der Wertpapier-KESt gegen gerechnet werden können.

Der Dialog mit der Politik habe zuletzt aber gelitten, die Branche werde mittlerweile überreguliert. Das Investmentfondsgesetzt sei Anfangs noch ein gutes Beispiel für "better regulation" gewesen - im Zuge der Krise sei "die gute Idee zum regulatorischen Tsunami geworden", sagte Bauer. Gleiches gelte für die AIFM-Richtlinie, mit der ursprünglich Hedgefonds reguliert werden sollten - mittlerweile fallen derart viele Produktgruppen unter diese Richtlinie, "dass uns", so Bauer, "der Papiertiger erschlagen wird". (Bettina Pfluger, DER STANDARD, 6.9.2012)

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