Betonlady auf gefährlicher Mission

Kopf des Tages | Verena Diethelm, 5. September 2012, 18:31
  • Pauline Marois wird Regierungschefin von Québec.
    foto: reuters/muschi

    Pauline Marois wird Regierungschefin von Québec.

Pauline Marois wird Regierungschefin von Québec

Es gibt kaum ein Regierungsamt in der kanadischen Provinz Québec, das Pau line Marois nicht bekleidet hat. In 30 Jahren Politik arbeitete Marois in 15 verschiedenen Départments, darunter im Finanz-, Bildungs- und Gesundheitsministerium. Nun wird die Politikveteranin und Siegerin bei den Regionalwahlen die erste weibliche Premierministerin der französischsprachigen Provinz. Sie war 2007 auch die erste Frau, die an die Spitze des linksgerichteten Parti Québécois gewählt wurde.

Der Erfolg war keineswegs programmiert. Die ehemalige Sozialarbeiterin, die in den 1970er-Jahren als Pressesprecherin des damaligen Finanzministers Jacques Parizeau in die Politik einstieg, kämpfte mit Imageproblemen - auch in den eigenen Reihen. Der in einer Arbeiterfamilie Geborenen wird ein Hang zum Luxus nachgesagt. Ihr Mann Claude Blanchet, den sie als 20-Jährige heiratete, kam durch Immobiliendeals zu Geld. Marois wird in kanadischen Medien gerne als Bianca Castafiore, die Opernsängerin aus dem Comic "Tintin" ("Tim und Struppi"), karikiert.

Den Triumph am Höhepunkt ihrer Karriere konnte Marois nicht lange auskosten. Eine Schießerei, bei der es zu einem Todesopfer kam, überschatte die Wahlparty des Parti Québécois am Dienstagabend.

Das Attentat steht offenbar in direkter Verbindung mit der Politik Marois'. Obwohl die Politikerin bisher als moderat und pragmatisch galt, hat sie sich zuletzt vor den Karren der Separatisten spannen lassen. Bei ihrer Rede zum Wahlsieg sprach sich Marois für die Zukunft Québecs als "souveränes Land" aus. Die englischsprachige Minderheit in Québec befürchtet, dass sich ihre Provinz von Kanada lossagen könnte.

Als Premierministerin wird Marois wohl ein neues Referendum über die Unabhängigkeit in die Wege leiten müssen. Vor der Wahl hatte sie den radikalen Unabhängigkeitsbefürwortern in ihrer Partei versprochen, eine Volksbefragung zu starten, wenn 15 Prozent der Wahlberechtigten eine solche Forderung unterschreiben.

Das Referendum käme allerdings einem Selbstmordkommando gleich. Nur ein Drittel der "Québecois" spricht sich für einen eigenen Staat aus. Zwei Unabhängigkeitsreferenden 1980 und 1995 scheiterten bereits.

Die vierfache Mutter wird sich von ihrem ambitionierten Plan wohl kaum abbringen lassen. Ihre Hartnäckigkeit brachte ihr den Beinamen "Dame de Béton" ein. (Verena Diethelm, DER STANDARD, 6.9.2012)

marois als ministerpraesidentin ist eine der unvorhergesehenen nebenwirkungen der studentenproteste, die ich eigentlich unterstuetzt hatte.

and diesem beispiel kann man sehr die grenzen der represaentativen demokratie sehen. denn wen soll man da noch wahlen?

leider ist es die marois geworde, wenigstens nur in einer minderheitsregierung.

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