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Giuseppe Gipali singt den Don Carlo.
Wien - Aus ihrem wohlverdienten Sommerschlaf erwacht, reckt und streckt die alte Dame Wiener Staatsoper ihre denkmalgeschützten Glieder, und das Getriebe in der Gesamtkunstwerkstatt, im "Wespennest" (Clemens Unterreiner), im "Narrenhaus" (Ildiko Raimondi), hebt wieder an. In der dritten Saison von Meyer/Welser-Möst offeriert die Wundertüte beachtliche 50 Opern. Mit zwei halben und drei ganzen Premieren, deren zeitlicher Bogen sich von Gluck bis Henze spannt, ist die Zahl der Neuinszenierungen wieder übersichtlich gehalten - ein Umstand, der wohl dem begrüßenswerten Ansinnen der intensiveren Repertoirepflege geschuldet ist.
Nach einem Tag der offenen Tür wurde die neue Saison mit der letzten Premiere der vergangenen eröffnet: mit Verdis Don Carlo in der vieraktigen Mailänder Fassung sowie im bunkerdüsteren Ambiente Graziano Gregoris und der statisch-musealen Sichtweise von Daniele Abbado. Wenn man nach Wochen des Fremdhörens in diversen Häusern wieder zurück an den Opernring kommt, überrascht, mit welcher Dominanz hier das wie auf dem Präsentierteller platzierte Orchester die akustische Szene beherrscht, wie fern die Sänger sind und wie leise.
Gut, Giuseppe Gipali, der Ersatz des Ersatzes von Roberto Alagna, ist diesbezüglich noch einmal ein Spezialfall: Er beherrscht die Titelpartie solide, klingt aber aufgrund seiner kleinen Stimme, als würde er den Don Carlo von einem der Balkone des Hotels Sacher singen. Die zweite Neubesetzung hat da weniger Lautstärkenprobleme: Ain Anger, die Allzweckwaffe fürs Tiefe am Haus, verleiht dem Grande Inquisitore Intensität und Wucht.
Mit ihrem matronenhaft statischen Agieren ist Luciana D'Intino als Eboli eine gewagte Besetzung; die vokale Bandbreite von Dezenz bis mezzowalkürenhafter Durchschlagskraft entschädigt dafür. René Pape ist als Filippo II. auch eine vokale Autorität, die nur minimal ihre Grenzen zum Forcieren streift; schlicht souverän in ihrer ausgewogenen Mischung aus Kontur und Kraft Krassimira Stoyanova als Elisabetta. Simon Keenlyside verausgabt sich als Rodrigo etwas zu sehr.
Franz Welser-Möst, der zwei Tage zuvor eine ambivalent rezipierte Tournee mit seinem Cleveland Orchestra in Grafenegg finalisierte, dirigiert nach einem unglücklichen Beginn (Herrenchor zu tief, Damenchor zu leise) das patent agierende Staatsopernorchester mit einer Mischung aus Präzision, Verve und subtiler Poesie. (Stefan Ender, DER STANDARD, 6.9.2012)
7., 10., 13. 9., 19.00
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eine etwas arrogant formulierte kritik.das dürfte in wien tradition haben.
aber ich schreib eigentlich aus einem anderen grund.
ich hab die übertragung auf dem karajanplatz gesehen.mir hat das sehr gut gefallen.der tenor war zwar ansich gut,aber-vor alle m im vergleich zu den anderen zu leise.das ist jetzt keine kritik an seiner subjektiven leistung.anonsten waren alle sänger hervorragend u. auch die inszenierung ist ansehnlich.
schrecklich war der programmverkaufer.so was hab ich noch nie gesehen.immer wieder hat er die am boden sitzenden woanders hingesetzt,da ist es um centimeter gegangen.ich schätze er ist an die 20x aktiv geworden.die brandgefahr vor der oper ist berüchtigt,man muss möglichst viele fluchtwege freihalten.
Corelli hat im Freundschaftsduett ein hohes C eingelegt, Carreras war der ideale Prinz trotz Höhenproblemen (ich habe ihn unter Karajan in Wien gesehen, nebst Freni, Baltsa, Cappuccilli, Ghiaurov- unwiederholbar), schöner als Jussi Björling 1950 an der Met hat den Don Carlos vermutlich nie einer gesungen, auch nicht Pavarotti an der Scala- wo sind diese Zeiten! Bestimmt kommt jetzt ein Opernfan und rügt mich, weil ich Domingo und Shicoff vergessen habe, und ...
Nun denn!
Im Corelli-"Don Carlo" (von 1973) war aber Shirley Verrett das Atout, bei seinen drei Auftritten 1963 war er noch unter seinesgleichen!
Und wenn schon "unwiederholbar", dann doch mit
Christoff oder Siepi (dessen Debut 1963 war wahrlich sensationell), Simionato oder Bumbry, Bastianini oder niemand sonst!, ebenso Jurinac, ebenso Hotter (als Großinquisitor!) - und als Protagonist der passend neurotische Jon Vickers (so Zampieri als inadäquat für die anderen vier Rollenträger gefunden wurde).
hätte man sich durch den damals gerade beginnenden Capuccilli ersetzt gewünscht, in der Staatsopernaufführung (63 ?) als Corelli und Cossotto den armen Bastianini 'am Brunnen im Garten der Königin' sosehr an die Wand sangen, daß man es ohne TV-Übertragung auf der Kärntnerstraße hören konnte....;-)
Der debütierte an der STOP erst 1966 (als Amonasro), seinen ersten Posa sang er hier im März 68; Bastianini gestaltete ihn letztmals im April 65 - und spätestens mit diesem Jahr ließ seine schwere Krankheit keine weiteren Auftritte mehr zu....
gab es im TV eine Aufzeichnung der Mailänder Aufführung aus 1991. Sehr eindrucksvoll.
Pavarotti at his best.
Aber auch in Wien gab es vor nicht all zu langer Zeit tolle Don Carlo Besetzungen
2005 war ich in einer Aufführung unter Phillipe Jordan
mit folgenden Protagonisten:
Paata Burchuladze | Filippo II.
Johan Botha | Don Carlo
Dmitri Hvorostovsky | Rodrigo
Stefan Kocán | Il Grande Inquisitore
Ain Anger | Un frate (Carlo V.)
Miriam Gauci | Elisabetta
Marianne Cornetti | Eboli
Ich habe weder davor noch danach jemals einen derartigen 4. Akt gesehen und gehört. 2 Bässe von hoher stimmlicher und gestalterischer Qualität.
Auch Botha ist stimmlich fast meine Rollen-Idealbesetzung, sein Defizit bleibt halt immer das Schauspielerische.
Die Aufzeichnung habe ich auch gesehen! Pavarotti hat sich gut geschlagen, obwohl der Don Carlos sicher nicht seine beste Partie war. Freuen wie uns auf seinen Nemorino, als den wir ihn, glaube ich, nächste Woche erleben werden. Botha habe ich in der heiklen Partie des Arrigo in den "Vespri siciliani" an der Staatsoper gesehen, die er souverän gemeistert hat, ideal erscheint er mir aber etwa als Kaiser in der Frau ohne Schatten oder auch als Apollo in der Daphne. Ein großartiger Sänger, zweifellos!
hat sich ja selbst mit den schwereren Rollen des Spintofaches Zurückhaltung auferlegt, um das Bel canto Fach nicht zu verlieren. Das hab ich ihn einmal selbst in einem Interview sagen hören.
Der Botha war (lange nicht mehr live erlebt drum "war") ein technisch perfekter Sänger mit einem langen Atem und einer äußerst ökonomischen Singtechnik.
Ich hab ihn als Florestan erlebt, wo er nach der an sich schon konsumierenden Arie Gott welch dunkel hier / In des Frühlings... die ganz selten aufgeführte Verlängerung dieser Arie (Beethoven hat da mehrere Versionen geschrieben) mühelos geschafft hat.
Da hat er mich stark an den Dermota erinnert der ja auch ein Perfektionist war, allerdings mit einer für den Florestan etwas zu kleinen Stimme.
Schlimmer als Pavarotti darstellerisch kann auch Botha nicht sein weil dieser wenigstens nicht so 'grimassiert'. Das Lob Ihres Vorposters über Carreras und die Kritik der Eboli erinnert mich an einen 'Carlos' in Barcelona: Dort war Carreras Partner seiner 'Großmütter': Caballe als Elisabetta und Obraszowa als Eboli (letztere sogar am Stock, weil sie sich den Fuß verstaucht hatte) Aber wer achtet bei solchem Stimmenfest auf diese Nebensächlichkeiten.-
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