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"Immer super", wenn Österreichs Kicker spielen: Stripteasetänzerin Alexis San in "Acht Millionen Fußballtrainer", Donnerstag, ORF 2, 21.05 Uhr.
Wien - Einen überraschenderen Einstieg kann es kaum geben: "Ich schau' mir so gern an, wenn die österreichische Nationalmannschaft spielt", sagt Alexis San und räkelt sich ins Bett vor dem Fernseher. "Das ist immer super." Wie bitte? Provokante These? Gestellte Szene? Der gespielte Witz?
Nichts von alledem, Alexis San ist es ernst. Die junge Dame, Stripteasetänzerin spanischer Herkunft und im Film Acht Millionen Fußballtrainer. Wie Österreich Weltmeister wird (Donnerstag, 21.05, ORF 2) von Werner Boote in ein rosa Badetuch gehüllte Fußballfanatikerin, meint in besagter Szene zwar konkret Matches gegen die Deutschen - aber im Grunde nimmt sie es nicht so eng. Sie ist stolz auf die Kicker, stolz auf das Land, das ihr seit Jahren Heimat ist.
Über den Umweg der viel beklagten mangelnden Performance der heimischen Profifußballer und dem schicksalshaften deutsch-österreichischen Kickkomplex nähert sich der Boote (Plastic Planet) der Frage, wie es in diesem Land um Nationalstolz und Vaterlandsliebe steht. Ein heikles Thema, denn beides erlaubt sich hierzulande schon traditionell kaum ein Mensch mit Anstand, weil jene ohne selbigem allzuoft in Überkompensation und "Mir-san-mir"-Gepolter kippen. Die letzte Chance bei den Olympischen Spielen blieb zum Üben ungenutzt. Die großartigen Erfolge bei den Paralympics lassen Misserfolge und Streiereien der Unversehrten in noch schlechterem Licht erscheinen.
Wie Werner Bootes Film zeigt, wird sich daran so schnell nichts ändern. Der Regisseur war in Wohnzimmern unterwegs, an Stammtischen, T-Shirt-Verkaufsständen, Fußballplätzen. Er hörte zu und fand jene acht Millionen Fußballtrainer, die dem Film den Titel gaben: Allesamt Experten, die wissen, wie es geht und dabei viel von eigenen Mentalitäten preis geben. Geschimpft wird generell auf "die da oben", Funktionäre, die Kicker selbst sind Opfer des Systems. Im Sinne der Identitätsstiftung bekommt jeder Interviewte ein Mikrofon mit ORF-Aufschrift in die Hand gedrückt - Fernsehen verbindet.
Zu Wort kommen euphorische und weniger euphorische Fußballfans. Die tun sich auch nicht leicht im Finden österreichische Eigenheiten auf die es stolz zu sein leicht fällt. Alles Vergangenheit, sagt einer: Von Cordoba, Habsburgern und Schönbrunn lebe Österreich. Das habe schon Franz Beckenbauer gesagt, ein Deutscher zwar, aber eben auch Kaiser - und das zählt was.
Die Mängelliste ist entsprechend lang: Einsatzbereitschaft, Charakter, technische wie körperliche Defizite, Tormannschwäche, Mutlosigkeit. Praktische Vorschläge: 16er-Liga und Motivationstraining in der Pause: Striptease im Schulmädchenkostüm. Und in Richtung Nachbar: Die Deutschen seien schon schlagbar, man müsse nur wissen wie.
Es gibt auch Positives zu berichten: In den Nischen wird in Österreich mit durchaus gesundem und erfrischendem Nationalstolz gekämpft. Im Tischfußball sind wir spitze! Die Neulengbacher Damenfußball-Auswahl hat Champions League-Erfahrung. Ihre Spiele tragen sie zumeist vor leeren Rängen aus. (Doris Priesching, DER STANDARD, 6.9.2012)
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