Vettel-Attacke auf Alonso mit Gänsehaut

Beim Großen Preis von Italien in Monza hat Sebastian Vettel die Chance, die Führung in der WM-Wertung zurückzuerobern

Köln/Monza - Die Belohnung wartet hoch oben über der Zielgeraden. Scheinbar schwebend, über Tausenden von Fans dürfen die Formel-1-Piloten auf dem Autodromo Nazionale di Monza in jedem Jahr ihre Erfolge feiern. "Das beste Podium der Welt" ist das für Sebastian Vettel - und genau dort will sich der zweimalige Weltmeister am Sonntag (14.00 Uhr/RTL und Sky) endgültig im Rennen um die WM zurückmelden. "Monza ist die Heimat des Motorsports, da bekomme ich einfach Gänsehaut. Wenn man dort auf dem Podest steht, ist man von all den Fans auf der Strecke überwältigt", sagte Vettel.

Um wieder ganz oben zu stehen, muss der Red-Bull-Pilot im Ferrari-Land den Druck hoch halten auf den Liebling der Tifosi, auf Spitzenreiter Fernando Alonso (Spanien) im roten Boliden. Läuft alles nach Wunsch für Vettel, könnte er sogar die Spitze des Klassements zurückerobern - auf einem Kurs, auf dem er einige der emotionalsten Momente seiner Karriere erlebte. Dazu müsste der Deutsche gewinnen und Alonso nicht in die Punkteränge fahren.

Schöne Erinnerungen

"Ich freue mich sehr auf Monza, die Strecke ist etwas Besonderes für mich", sagt Vettel. Denn Monza, das ist für ihn so etwas wie der Ausgangspunkt seiner Reise in die Weltspitze. Im September 2008 feierte er hier als 21-Jähriger im italienischen Regen seinen ersten Sieg. Im Toro Rosso, dem Farmteam von Red Bull, krönte er sich damals sensationell zum jüngsten Grand-Prix-Sieger der Formel-1-Geschichte.

Drei Jahre später stand er erneut ganz oben - und bei Vettel flossen die Tränen. Als amtierender Weltmeister hatte er seinen zweiten Sieg in Monza gefeiert, ein bedeutender Moment: Die erfolgreiche Titelverteidigung war ihm nach dem Großen Preis von Italien praktisch nicht mehr zu nehmen.

24 Punkte Rückstand

Auch jetzt hat Monza das Zeug auf einen prominenten Platz in Vettels Jahrbuch. Nach seinem zweiten Platz in Spa ist er erster Verfolger Alonsos, hat den Abstand auf den Spanier auf 24 Punkte (140:164) verkürzt. "Dieser Rückstand", sagt Red-Bull-Motorsportchef Helmut Marko, "ist aufholbar." Als Team sei man gereifter und daher besser als etwa 2010, im Jahr des ersten Vettel-Titels. Diese Parallele zu ziehen, bietet sich an aus Sicht der Bullen: Auch damals hatte Vettel zur Saisonhälfte einen Rückstand, holte diesen in den letzten Rennen auf und sicherte sich erst im dramatischen Finale den WM-Sieg beim Großen Preis von Abu Dhabi.

Ob eine solche Aufholjagd auch in diesem Jahr möglich ist, wird sich zeigen müssen. In Spa profitierte Vettel von Alonsos unverschuldetem Ausfall in der ersten Runde. "Man sollte daher mit Prognosen nach diesem Rennen noch vorsichtig sein", sagt Hans-Joachim Stuck, früherer Formel-1-Pilot und Präsident des Deutschen Motor Sport Bundes (DMSB). "Durch den Unfall zum Start wurde ja alles durcheinander gewirbelt."

Ferrari-Pilot Alonso war zuvor in 23 Rennen in Folge in die Punkte gefahren. Angesichts dieser Konstanz werde es "sehr schwierig für Vettel", sagt Stuck. Bislang stand der 25-Jährige Vettel in der laufenden Saison nie zweimal in Folge auf dem Treppchen, hatte besonders im Qualifying häufig Probleme. "Aber wir wissen, dass er in der Lage ist, konstant starke, taktisch gute Rennen abzuliefern", sagt Stuck. Dies müsse er im Endspurt nun wieder zeigen. Am besten gleich auf dem traditionsreichen Highspeed-Kurs im königlichen Park von Monza. Als Belohnung winkt das beste Podium der Welt. (SID, 5.9.2012)

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