Ein Drittel weniger Schwangere im vorzeitigen Mutterschutz

Katrin Burgstaller
7. September 2012, 10:21

In Wien und Kärnten hat sich nach einer Gesetzesnovelle die Zahl von 2010 auf 2011 sogar halbiert - Ärztekammer fordert Maßnahmen

"Das Vereinbarkeitsproblem zwischen Kind und Karriere beginnt oft schon in der Schwangerschaft, nicht erst, wenn das Kind da ist", sagt Judith Schwentner, Frauensprecherin der Grünen. Sie wollte nach Inkrafttreten einer Gesetzesnovelle in einer parlamentarischen Anfragen wissen, wie sich die Zahl der Frauen im vorzeitigen Mutterschutz entwickelt hat und wie oft das Arbeitsinspektorat die Arbeitsplätze von Schwangeren überprüft. Die Zahl jener Frauen, die den vorzeitigen Mutterschutz in Anspruch nahmen, ist demnach österreichweit von 2010 auf 2011 um knapp ein Drittel zurückgegangen. Während im Jahr 2010 noch 23.866 Frauen vorzeitiges Wochengeld bezogen, waren es 2011 nur mehr 16.516. Das zeigt die Anfragebeantwortung durch das Gesundheitsministerium

Verschärfung des Gesetzes

Grund für den starken Rückgang dürfte eine Gesetzesnovelle sein, die am 1. Jänner 2011 in Kraft trat. Darin wurde genau definiert, welche Beschwerden vorliegen müssen, damit der vorzeitige Mutterschutz gewährt wird. Schwangeren, die Komplikationen wie Blutungen, starke Migräne oder niedrigen Blutdruck mit Kollapsgefahr aufweisen, steht seither der vorzeitige Mutterschutz nicht mehr zu. Vor der Novelle wurde ein vorzeitiges Beschäftigungsverbot bei solchen Beschwerden meist genehmigt.

Die aus der strengeren Regelung resultierenden Einsparungen sind beträchtlich, wie das Beispiel der Kärntner Gebietskrankenkasse (KGKK) zeigt. Im Jahr 2010 gab die KGKK für 2.526 Frauen im vorzeitigen Mutterschutz noch mehr als 12,5 Millionen Euro aus. 2011 wandte sie für nur noch 1.278 Fälle 7,1 Millionen Euro auf. Dieser Trend setzt sich auch heuer fort. Im ersten Halbjahr 2012 gewährte die KGKK 652 Frauen vorzeitigen Mutterschutz bei Ausgaben von 2,5 Millionen Euro.

Strenge Kassen

Ein Blick in die Statistik zeigt allerdings, dass die neun Gebietskrankenkassen bei der Gewährung des Mutterschutzes unterschiedliche Maßstäbe anlegen dürften. Auffallend stark ist der Rückgang bei der Kärntner und der Wiener Gebietskrankenkasse: Die Zahl werdender Mütter, die vorzeitig Wochengeld bezogen, ging in Wien und in Kärnten von 2010 auf 2011 um ganze 50 Prozent zurück. Den geringsten Rückgang verzeichnete die Niederösterreichische Gebietskrankenkasse mit rund elf Prozent.

Die Wiener Gebietskrankenkasse verweist auf Nachfrage nach den Gründen dafür auf die Wiener Ärztekammer. Diese sieht die Ursache für den starken Rückgang in der Bundeshauptstadt in der angespannten Situation am Arbeitsmarkt. "Aus Angst, den Arbeitsplatz zu verlieren, trauen sich vielleicht manche Schwangere nicht, vorzeitig in Mutterschutz zu gehen", sagt Thomas Szekeres, der Präsident der Wiener Ärztekammer, im Gespräch mit derStandard.at. Sollte das der Fall sein, sei das eine "bedenkliche Entwicklung", die untersucht gehöre und gegen die man Maßnahmen setzen müsse.

Jeder dritte Arbeitsplatz nicht schwangerengerecht

"Besonders alarmierend sind die Zahlen der Beanstandungen durch das Arbeitsinspektorat", sagt Schwentner. Werdenden und stillenden Müttern muss die Möglichkeit gegeben werden, sich während der Arbeitszeit hinzulegen und auszuruhen. Bei 7.511 Überprüfungen beanstandeten die Arbeitsinspektoren im vergangenen Jahr 2.387 Arbeitsplätze. In 14 Fällen erfolgte eine Strafanzeige, wie aus der Anfragenbeantwortung des Sozialministeriums hervorgeht.

Schwentner schließt aus den Zahlen: "Fast jede dritte werdende Mutter muss an einem Arbeitsplatz arbeiten, der nicht gesetzeskonform ist." Im Gespräch mit derStandard.at fordert sie strengere Kontrollen der Arbeitsplätze von schwangeren Frauen. Auch der starke Rückgang der Zahl von Frauen im vorzeitigen Mutterschutz müsse evaluiert werden.

Schwentner fordert Betriebshilfe

Für eine schwangere Frau, die aufgrund der Arbeitsschutzbestimmungen ihre Tätigkeiten zum Teil oder zur Gänze nicht mehr ausüben darf, muss im Unternehmen ein Ersatzarbeitsplatz eingerichtet werden. Schwentner vermutet, dass in der Vergangenheit viele Unternehmen hier Schlupflöcher genutzt und Schwangere in den vorzeitigen Mutterschutz geschickt haben. Die Kosten dafür müssen die Sozialversicherungen tragen.

Viele, vor allem kleinere Unternehmen, stellt das aber auch vor Schwierigkeiten: "Vor allem für soziale Vereine, deren Förderbudget sehr begrenzt ist, und für kleine Unternehmen mit wenigen Beschäftigten verursacht der Ausfall einer ganzen Arbeitskraft große Probleme", sagt Schwentner. Doch für schwangerschaftsbedingte Risiken müsse ein gesellschaftlicher Ausgleich gefunden werden. Schwentner schlägt daher eine Betriebshilfe vor, die Firmen gewährt werden soll, wenn ihre Mitarbeiterinnen aufgrund einer Schwangerschaft teilweise oder ganz ausfallen. Bezahlt werden solle diese Betriebshilfe aus den Mitteln der Allgemeinen Unfallsversicherungsanstalt. (Katrin Burgstaller, derStandard.at, 7.9.2012)

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Ob das wirklich Kosten gespart werden kann

Ob das wirklich Kosten gespart werden kann, muss man die Kosten nach der Geburt des Kindes und die aufgewendeten Kosten gegenüberstellen, dann weiß man ob das wirklich bringt. Allein ein Zeitschnitt vor der Geburt die Kosten betrachten ja, aber gesamte Betrachtung kann auch teuer werden...

hm.

Sparen hier, sparen da. Sparen bei Kindern, Schulbildung, Gesundheit, Müttern. Wundern über Geburtenrückgängen.

Wenn ich mal vom Thema abweichen darf.
Wenn eine Frau gerne Kinder möchte und dafür mit einem Job als Sekretärin, Putzfrau was auch immer zufrieden ist wird ihr vorgeworfen die Emanzipation zu verraten.
Wenn eine Frau max. 1 Kind will und Karriere machen will, wird ihr vorgeworfen schuld daran zu sein das wir keinen Nachwuchs haben.

HALLO GEHTS NOCH??

Wenn man ein Kind bekommt und in den Wochen vor der Schwangerschaft Komplikationen egal welcher Natur auftreten, muss man sehr wohl vorsichtig sein. Es geht um die Gesundheit des Kindes UND (um es ja nicht zu vergessen ja) DER MUTTER!!!

eh, nur da kann man ja auch in den krankenstand gehen.

leider wurde der vorzeitige mutterschutz von einer menge von frauen ausgenutzt, die keine gründe für eine freistellung hatten. es gab reihenweise fraunärzte, die routinemäßig frauen gefragt haben, ob sie eine freistellung möchten.

das wurde jetzt halt abgestellt. leidtragende sind frauen, die sehr wohl beschwerden und komplikationen haben, die aber nicht unter die liste fallen und die jetzt keine freistellung mehr bekommen.

es ist so wie immer: eine reihe von leuten nutzt das system aus und dann wird es zu lasten der bedürftigen verschärft. bedanken darf man sich bei den schmarotzern, die das system für sich mißbraucht haben.

Freistellen darf aber trotzdem nur der Amtsarzt auf Empfehung eines Arztes

Bei meiner Frau war es der Orthopäde, da sie eine Athrose an der Wirbelsäule hat und sie einen stehenden Job hat (Bei einem großen Fetzentandler, nicht die Tätigkeit am Strassenrand ;-))

na immerhin scheint offenbar der Missbrauch eines an sich sehr löblichen

Instruments des Sozialstaats zurückgedrängt worden zu sein. Es kriegen jetzt eben in höherem Ausmaß als bisher jene Frauen den VORZEITIGEN Mutterschutz die ihn wirklich benötigen als vorher.

Klingt doch sehr erfreulich.

Schwangerschaft ist keine Krankheit

Leider gibt es immer wieder Frauen, die sich bei Schwangerschaft so benehmen wie bei einer schweren Krankheit, zumeist aus Unsicherheit. Übelkeit in der Schwangerschaft liegt meistens an Vitamin und Flüssigkeitsmangel.
Ich finde nicht, dass es so dramatisch ist, nicht sofort freigestellt zu werden. Schließlich entscheidet der Arzt, ob man zu krank ist, um zu arbeiten und nur sehr wenige Arbeitgeber nehmen auf eine Schwangere keine Rücksicht. Die Freistellung sollte letztendlich nur dann erfolgen, wenn echte medizinische Gründe bestehen.

Übelkeit

Lieber Moondancer! Das find ich spannend, was du da schreibst. Bin Hebamme und meines Wissens nach liegt die Übelkeit in der Schwangerschaft nicht an einem Vitamin und Flüssigkeitsmangel. Die Frage ist halt, wo die Grenze ist. Weil übergibt dich mal mehrmals am Tag über Wochen, verbunden mit Müdigkeit und Co. und dann sag ob du dich arbeitsfähig fühlst.

für die fälle gibt es einen krankenstand. das ist kein grund für eine freistellung!! freistellung kann es nur geben, wenn ein weiterarbeiten eine schwere gefährdung des kindes oder der mutter verursachen würde. sich wegen übelkeit nicht arbeitsfähig fühlen gehört da definitiv nicht dazu.

arbeitsfähigkeit is der gesetzlichen krankenversicherung ist kein ausschließlich subjektiver zustand - sonst müsste die kv zb jedem, der am vortag zuviel gefeiert und heute mit einem kater das speiben hat, einkommensersatz zahlen.

wenn ich mich arbeitsunfähig fühle, muss ich mich und diesen zustand zu arzt bringen, der dann eine medizinisch begründete einschätzung abzugeben hat, ob mein gefühl und der objektive krankheitsbefund so weit übereinstimmen, dass ich zu hause bleiben kann.

das ist auch schwangeren zumutbar.

Saufen gehen mit einer Schwangerschaft zu vergleichen

ist aber ein ganz schwacher Versuch..

also irgendwie ist das doch alles einfach blabla, oder?

es ist doch jedem hier klar, dass nirgendwo in österreich eine schwangere die gerade blutungen hat nicht vom arzt nach hause geschickt wird, oder?

und eine schwangere die mit blutungen zu hause liegt wird auch ganz sicher nicht gekündigt! einzele versuche da und dort von einem deppenarbeitgeber mags gegeben haben...aber das kann mir doch keiner erzählen, dass das vorm arbeitsgericht durchgeht...

und wie sol das gehn: Werdenden und stillenden Müttern muss die Möglichkeit gegeben werden, sich während der Arbeitszeit hinzulegen und auszuruhen

entweder sie können noch arbeiten oder sie sollen nach hause...alles andre ist einfach eine erzwungene irgendwas lösung die allen schadet...vor allem kleinen unternehmern..

hier geht´s ja drum, ob man freigestellt wird - also fix nicht mehr arbeiten muß bis zur geburt und da schon wochengeld bekommt und der dienstgeber eine ersatzkraft einstellen kann oder ob man halt in den krankenstand geht und wieder arbeiten gehen muß, wenn es einem besser geht und der dienstgeber entgelt fortzahlen muß und niemand anderen einstellen kann. klar ist erste varinate für die schwangere und den dienstgeber die attraktivere. nur, die ist nur für echte problemfälle da und nicht wenn man sich hin und wieder schonen muß.

Weniger Mutterschutz, mehr Rettungsschirm

so stelle ich mir Kapitalismus vor. Wieviel Millarden sollen nächste Woche ins Ausland fliessen?

milliarden

ins ausland ... wenn ich das schon hör: wir sind immerhin teil der union die da gerettet werden soll... außerdem: nachrechnen wieviel uns die hypo kostet...

abgesehen davon werden damit UNSERE banken bezahlt, bei denen die griechen schulden haben.

sonst täts die politik vermutlich eh nicht jucken.

kein grieche sieht davon jemals was.

Ausnutzung des Systems...

meine postings sind schon zu lange her...also:

Ich hab nachgerechnet (Daten von statistik.at), kurz zusammengefaßt:

In Kärnten wurden im Jahr 2010 54,5 % der Schwangeren in vorzeitigen Mutterschutz geschickt, im Jahr 2011 immer noch 28%.

In Wien:
2010: 36,4 % 2011: 17 %

In Vorarlberg:
2010: 6,5 % 2011: 5,3 %.

Österreich (Durchschnitt):
2010: 27,2 % 2011: 18,1 %

Der vorzeitige Mutterschutz ist wichtig für jene, die eine Risikoschwangerschaft durchleiden müssen. Es gibt aber viele, die sich ein paar Wochen nicht wohlfühlen, die sollen in den Krankenstand!

Aber es ist ein Zeichen unserer Zeit, daß man alles haben will, möglichst umsonst. Und die Politiker sind erpressbar oder gehen mit schlechtem Beispiel voran.

Utopie: Wir schreiben das Jahr 2052

Auszug aus den Besprechungsprotokollen der Kommission zum Arbeits-Missbrauch von Schwangeren.

Die Schädlichkeit von Stress für den Embryo war ja schon 2012 bekannt.
Man hätte die Stressbelastung am Arbeitsplatz messen müssen, um beurteilen zu können, ob er für Schwangere geeignet ist.
Die Erstellung einer Positiv-Liste mit Indikationen für vorzeitigeMutterschutz war ein Humbug, das wusste man damals schon.
Wer hat die Liste erstellt ?
Die unabhängigen Experten erster Wahl haben nicht an der Erstellung mitgewirkt.
Die Liste wurde von Angestellten der Krankenkasse erstellt, die mehr die Kostenreduktion als das Wohl von Kind und Mutter im Auge hatten.

das ist natürlich haarsträubender schwachsinn.

außerdem kommt der erlass (!) mit der klarstellung der freistellungsgründe aus dem arbeitsinspektorat und nicht von den krankenkassen.

aber faktenfrei herumsudern ist in den standard-foren ja nicht gerade etwas völlig undenkbares, oder?

sie und alle anderen empörten hier scheinen zu denken, dass frauen ab dem ersten positiven schwangerschaftstest auf kosten aller anderen gar nichts mehr tun müssen sollten.

fazit:

Erstellen einer Positivliste, was alles zu tun ist, um ja keinen Fehler zu machen. Aber da wird's dann auch wieder stressig, wenn man diese Liste abarbeiten muss!

hackeln bis zum umfallen

Schwangere mit Bauch und unter 50 werden alle wieder repariert wie die Autos in Kuba

die Haftung für den Euro erfordert halt Opfer, alternativlos

oh mann, das wär toll gewesen: starke blutungen aufgrund plazenta praevia mitten auf der süd in der linie 261 und anschliessender notkaiserschnitt im iz nö süd. da hätt ich meinen kindern aber was zu erzählen gehabt!

so etwas ist auch jetzt noch ein freistellungsgrund...

als ob ein arzt das risiko eingehen würde und sie mit blutungen in die arbeit schickt...

da können die da rumheulen was sie wollen, das glaub ich einfach nicht...

allein schon weil ich davon noch nie was in der krone gelesen habe...

und wenns echt so im gesetz steht, dann gibts trotzdem sicher genug möglichkeiten die der arzt anführen kann, dass die trotzdem in mutterschutz geht...dann sagt er halt "risikoschwangerschaft" oder so...

aber bitte zeigt mir den arbeitsplatz wo eine schwangere mit akuten blutungen arbeitet...dann schicken wir das der krone und das ist bis montag gegessen....da wär das schundblatt wenigstens mal nützlich

Wenn ich mir die Postings hier so durchlese, weiß ich nicht, wie meine Kolleginnen und ich das alles überlebt haben.

Als freischaffende Musikerin habe ich noch 3 Tage vor der Entbindung gearbeitet und eine Woche nach der Entbindung wieder.

KEIN Mutterschutz, KEIN Karenzgeld.
(Damals gab es noch kein Kindergeld, da das bekantlich erst von schwarz-blau eingeführt wurde.)

Es geht vielleicht auch nicht allen gleich gut oder schlecht...

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