Testosteron als möglicher Biomarker der Gesundheit

Männer mit Testosterondefizit weisen eine geringere Lebenserwartung und ein erhöhtes Risiko für Bluthochdruck sowie Typ-2-Diabetes auf

Bonn/Mannheim - Männer mit niedrigen Testosteronwerten sind Studien zufolge besonders anfällig für Bluthochdruck oder Diabetes Typ 2. Hormone sind Botenstoffe, die nahezu an allen Regulationsvorgängen und Prozessen des Körpers beteiligt sind und zahlreiche Abläufe in unterschiedlichen Geweben und Organen steuern. Sowohl manifeste Stoffwechselerkrankungen als auch gesundheitliche Risikosituationen weisen häufig charakteristische Störungen der Hormonsekretion auf. Die Konzentrationsbestimmung von Hormonen im Blut und anderen Körperflüssigkeiten ist eine wichtige Grundlage bei der Diagnostik, Verlaufsbeurteilung und Therapie vieler Stoffwechselerkrankungen. Zu den am häufigsten untersuchten Hormonen zählt das Sexualhormon Testosteron, das bei Männern und Frauen vorkommt, sich aber in Konzentration und Wirkungsweise bei beiden Geschlechtern deutlich unterscheidet. Die vielfältigen biologischen Funktionen umfassen neben dem sexuellen Verlangen und Lustempfinden auch eine Beeinflussung des Protein- und Muskelstoffwechsels, den Knochenaufbau und die Fortpflanzung.

Möglicher Indikator für Krankheiten

Studien deuten darauf hin, dass die Testosteron-Konzentration im Blut von Männern auch Hinweise auf Erkrankungen geben kann. So zeigte eine Untersuchung an rund 2000 männlichen Einwohnern aus Mecklenburg-Vorpommern, die im Kontext der Gesundheitsstudie Study of Health in Pomerania (SHIP) untersucht wurden, dass das Sexualhormon eng mit der Blutdruckregulation verknüpft ist. Demnach gehen niedrige Testosteronwerte mit einer um fast 20 Prozent erhöhten Gefahr für zu hohen Blutdruck einher. Bluthochdruck ist einer der wichtigsten Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie etwa Herzinfarkt oder Schlaganfall.

Typ-2-Diabetes und Testosteron

Bei SHIP handelt es sich um eine Bevölkerungsstudie mit umfangreichen Untersuchungen sowie Blut- und Urinproben, die seit über zehn Jahren mit über 4000 Probanden durchgeführt wird. In einer weiteren Studie, die ebenfalls auf den SHIP-Daten basiert, zeigte sich, dass geringe Konzentrationen des Hormons bei Männern mit einer um das Dreifache erhöhten Gefahr für die Entstehung von Typ-2-Diabetes verbunden ist. Eine dritte Untersuchung deutet sogar darauf hin, dass ein Testosterondefizit auch mit einer geringeren Lebenserwartung einhergeht."Unklar ist allerdings bislang, ob geringe Testosteronkonzentrationen solche Gesundheitsprobleme verursachen oder ob sie lediglich als Biomarker auf diese Risiken hinweisen", betont Henri Wallaschofski vom Institut für Klinische Chemie und Laboratoriumsmedizin der Universitätsmedizin Greifswald.

Aktuelle Problemfelder

Der Experte gibt außerdem zu bedenken, dass die aktuelle Analytik noch Limitationen durch die unzureichende Harmonisierung oder Standardisierung von unterschiedlichen Immunoassays oder die Frage adäquater Referenzbereiche aufweist. Zudem werden präanalytische Einflussfaktoren bei der Interpretation der Befunde unzureichend beachtet. Trotz ihrer Limitationen werden diese Verfahren durch ihre weite Verbreitung und leichten Automatisierbarkeit auch in den nächsten Jahren eine wesentliche Rolle spielen. Möglichkeiten und Grenzen von Sexualhormon-Untersuchungen erörtern Experten auf der 9. Jahrestagung der DGKL, die vom 26. bis 29. September 2012 in Mannheim stattfindet. (red, derStandard.at, 5.9.2012)

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16 Postings
"Eine dritte Untersuchung deutet sogar darauf hin, dass ein Testosterondefizit auch mit einer geringeren Lebenserwartung einhergeht..."

Wie wäre diese Behauptung mit der Tatsache vereinbar, dass Eunuchen (die ja massive Testosterondefizite haben) 10-15 Jahre länger leben als ein Durchschnittsman.

Wie kann man diese Behauptung mit einer anderen,

ebenfalls in Standard/Gesundheits-Themen veröffentlichter Studie, nämlich über die Eunuchen vereinbaren, die so 15-20 Jahre länger leben, mit garantiert niedrigem Testosteron-Spiegel?

als ich am fenster stand und gähnte

ich protestiere heftigst gegen das unauthorisierte Verwenden eines Schnappschusses aus dem Hinterhalt

Der Typ am Bild hat aber die Muckis nicht nur vom Testosteron.

Nein, durch hartes konsequentes Training und gelegentliches Naschen von Primobolan und/oder Deca Durabolin

Woher wissen Sie, ...

... wo ich meine Muckis her hab?

LG Der Typ am Bild :-)

Vom Obst ...

... kommen die Kinder: Obst ihn 'drin lässt, oder nicht ...

Man lebt nicht nur länger, auch das Überleben der Gene ist besser gesichert.

Da liegt aber ein Hund begraben...

Hoch-normale (nicht überhöhte!) Testosteronwerte sind ein Marker für einen guten Körperbau, d.h. wenig Fett (welches das Testosteron in weibl. Hormone umwandeln würde) und viele Muskeln (die Nährstoffe brauchen und dementsprechend vor allerlei Zivilisationskrankheiten schützen. DAS sind die Faktoren, die das Überleben verlängern.
Die gleichen Testosteronwerte ohne den guten Körperbau würden vermutlich eher Schaden anrichten, indem sie etwa das Cholesterin im Blut erhöhen, welches aber nicht gebraucht wird (weil kein Muskelaufbau stattfindet) und sich in den Gefäßen ablagert --> Herzinfarkt.

Nur, hohe Testowerte führen eben immer zu mehr Muskelmasse, auch ganz ohne Training!

Wie wollen Sie die ohne externe Gabe erreichen?

Testogel? Nö, Scherz, ich wollte nur klarstellen, dass Testosteron Muskelmasse und Kraft zur Folge hat, ganz egal, wo es her stammt.
Bei hoher, externer Gabe sind etwaig erhöhte Cholesterin-Werte das kleinste Problem fürs Herz.

Sehr gut angesprochen

Wissenschaft will gelernt sein. Die Kausalitäten zu erkennen, das schaffen eben nicht viele. Ich sehe das auch so, dass die geringe Testosteronkonzentration einen Biomarker darstellen.

Dann müssten gedopte Bodybuilder ja ubsterblich sein :))))

die fallen wohl eher in die kategorie "überhöhte testosteronwerte"

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