London: Der Start-up-Mix aus dem Sandwich-Store

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    foto: alois pumhösel

Im vergangenen Jahrzehnt haben sich im Londoner East End immer mehr IT-Start-ups angesiedelt

"Es ist mein viertes Business", sagt Alex Berezovskiy über sein Projekt letolab.com. "Wir helfen anderen Start-ups, Ideen umzusetzen, sie zu entwickeln und zu verkaufen", so der Selbstentwurf. "Grundsätzlich sind wir aber Softwareentwickler."

"Kaum 30-jährige Russen aus Sibirien"

Das Unternehmen des "kaum 30-jährigen Russen aus Sibirien", wie er selbstbewusst zum STANDARD sagt, ist selbst ein Start-up und knapp ein Jahr alt, beschäftigt aber bereits an die zehn Mitarbeiter in London und weitere 30 Webentwickler in Russland. Zudem gibt es Niederlassungen in den USA und in Kasachstan. Warum er nach London gekommen ist? Es sei der zweitbeste Platz für Start-ups nach San Francisco. Oder der drittbeste nach New York.

Das Hauptquartier von Berezovskiys Unternehmen ist im Stadtteil Shoreditch in Hackney, East London, beheimatet, in einer Büroanlage, die ihre Einrichtungen schreibtischweise und kurzfristig vermietet. Hier im "Hoxton Mix", wie die Einrichtung heißt, arbeiten Start-ups vom Einzelunternehmer bis zur größeren Social-Media-Agentur auf wenigen hundert Quadratmetern zusammen.

Kaspersky

Die Büroanlage selbst ist nur ein Nebenprojekt eines anderen IT-Unternehmens. Es begann, als Webentwickler Ben Rometsch mit seinem Start-up Solid State Group expandieren wollte, vor vier Jahren in ein zu großes Büro zog und per Zettel im Sandwich-Store um die Ecke Arbeitsplätze anbot. Die Idee billiger Arbeitsplätze im aufstrebenden Kreativviertel Londons wuchs weiter. The Hoxton Mix beherbergt heute an die 20 Unternehmen, darunter auch eine Niederlassung des russischen Sicherheitsdienstleisters Kaspersky. Alle zwei Monate würden hier Networking-Events stattfinden, sagt Rometsch dem STANDARD.

Einrichtungen wie Hoxton Mix werden zwar von der öffentlichen Hand nicht offiziell gefördert, aber eine eigens geschaffene Institution, die Tech City Investment Organisation (TCIO), kümmert sich hier um die Entwicklung der Kreativszene. Als Teil der Handelskammer versucht die TCIO, mittels mehrerer Events pro Monat Start-ups mit Investoren zusammenzubringen, größere Konzerne anzusiedeln und Kooperationen mit Schulen und Universitäten zu organisieren.

Marketingschulung

Mentoring-Events sollen dafür sorgen, dass die Start-ups nicht nur die Sprache der Technik, sondern auch jene der Wirtschaft sprechen, um Investoren anlocken zu können. Unternehmen wie Google oder Vodafone sollen dazu gebracht werden, in den Stadtteil zu investieren.

Seit etwa drei Jahren wird so die örtliche Szene unterstützt, die schon vor knapp einem Jahrzehnt begonnen hat, sich in dieser traditionell ärmeren Gegend Londons anzusiedeln. Gemeinsam mit dem nahegelegenen Stradford hat das East End dem West End zumindest punkto Coolness den Rang abgelaufen und ist zur momentan angesagtesten Gegend Londons geworden. (Alois Pumhösel, DER STANDARD, 05.09. 2012)

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