Kampf gegen einen unbekannten Feind

Mirjam Harmtodt
12. September 2012, 16:57

Die Welt ist eklig! Überall lauern Bakterien und Allergene. Aber wir haben den Kampf gegen die kleinen Biester noch nicht verloren!

Wer nur ein klein wenig Wert auf die grundlegendsten Anforderung an Sauberkeit legt, putzt dreimal täglich seine Wohnung mit Reinigungsessenzen, die Bakterien zu 99,9 Prozent abtöten, wäscht seine Wäsche mit alles Lebendige vernichtenden Waschmitteln, versprüht keimtötende Duftwässer in den Zimmern und bringt seinen Kindern beizeiten bei, sich lang und ausgiebig die Hände zu waschen. Natürlich ohne dabei die krankmachenden Seifen oder Seifenspender zu berühren.

Was aber machen Hotelgäste? Sie sind völlig schutzlos einer unkontrollierbaren Flut an Kleinstlebewesen ausgeliefert. Badezimmer, Matratzen, Sitzmöbel und Fernbedienung strotzen vor Bakterien und Krankheitserregern. Abhilfe schafft das Best Western Premier Kaiserhof in Wien. In einer Presseaussendung informierte es dieser Tage darüber, endlich zwei "Allergiker-Zimmer" eingerichtet zu haben, in denen vom Parkettboden über die Anti-Milben-Bezüge bis zu vorgeschriebenen Reinigungsmethoden in allen Details darauf geachtet wird, eine sichere Umgebung zu schaffen. Dafür gab's sogar eine Auszeichnung mit dem ECARF-Qualitätssiegel für "allergikerfreundliche Produkte und Dienstleistungen".

Die Zahl der Allergiker nimmt zu. Nachweislich. Möglicherweise sollten wir uns zurückerinnern an die Zeiten, als wir noch bis zu den Knöcheln im Misthaufen standen, Joghurt mit frischer Erde "gekocht" - und gegessen - und Eiszapfen gelutscht haben oder beim "Butterwalken"* von Spinnen, Ameisen und Mücken gestochen wurden. Bis auf ein paar Pusteln und ein entsetzliches Odeur haben die meisten keine gröberen Schäden davongetragen. Ein Körper, der den Angreifer kennt, kann auch eine Strategie gegen ihn entwickeln. (Mirjam Harmtodt, derStandard.at, 12.9.2012)

* Beim Butterwalken geht es darum, sich ausgestreckt quer einen Hang hinunterrollen zu lassen. Begegnungen mit Maulwurfshügeln, Kuhfladen und Spinnennestern gelten dabei als Herausforderung und nicht als Hinderungsgrund.

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16 Postings

Danke, hab mich erinnert, dass wir als Kinder auch quer durch die Botanik gerollt sind, im Gatsch gespielt haben, Eiszapfen abgebrochen und gelutscht haben....
War herrlich!

Es gibt noch einen Hacken, die Kläranlagenkulturen mögen das ganze unnötige Antibac Putz Zeugs auch nicht wirklich, sollte nur mehr in der Apotheke abgegeben werden da für den Hausgebrauch schlicht unnötig.

Haken

Butterwalken

danke, war ein herzlicher Lacher - werde ich meinen (potenziellen) Kindern empfehlen! ;-)

vor allem leute, die wirklich unter hausstaubmilbenallergie leiden und sich vor jeder nacht in einem hotelzimmer mit antihystaminen zuballern müssen weil sie sonst alle zustände bekommen werden dieses artikelchen lieben.

Der Artikel richtet sich nun aber wirklich nicht gegen solche Leute.

naja der 2te absatz ist schon eher nach dem motto: "diese mimöschen sollen sich nicht so anstellen".

bin übrigends am land aufgewachsen ( im unterschied zur autorin haben wir uns allerdings nie freiwillig im "kuhfladen" gewälzt ;) und finde das der übertriebene hygienewahn für verstärktes auftreten von allergien mitverantwortlich ist, daher ist es bestimmt nicht schlecht wenn die kleinen ein wenig im dreck spielen.

und ein allergiker, der in seinen urlaub eigens bettüberzüge etc mitnehmen muss findet den hinweis: "Möglicherweise sollten wir uns zurückerinnern an die Zeiten,...." nicht wirklich hilfreich.

Hmm. Vielleicht würde es dir helfen, klarer zwischen Hysterie und Histaminen zu trennen?

ich spreche hier nicht von mir, kenne aber personen die unter einer hausstaubmilben allergie leiden, und das ist weit weniger lustig als sich das so manch ahnungsloser vorstellt.

und danke für deine ignoranz.

Schon meine Oma sagte:

Kinder müssen im Dreck spielen, dann bleiben sie gesund!

den kampf gewinnt man am ehesten, indem man

aufhört panisch anti-bakteriell leben zu wollen.

Dreck und Allergien, nur eine Theorie

Eindeutig belegt ist ein erhöhtes Allergierisiko für Kinder, bei denen entweder ein oder beide Elternteile Allergiker sind. Offensichtlich spielen aber mehrere genetische Faktoren zusammen, es gibt also nicht das eine „Allergie-Gen“, und es scheinen auch die unterschiedlichen Krankheitsformen (Asthma, Atopische Dermatitis) unterschiedlich genetisch determiniert zu sein.

Den Kampf ...

... haben wir komplett vergeigt. Wenn ich mich recht erinnere, ist in einem Brei gequirlter Menschen (bitte nicht zu hause nachmachen) der Anteil an Menschlichem irgendwo im Promille Bereich. Der Rest sind Bakterien und deren Ausscheidungen und Viren.

Quantitativ ja. Es leben im Körper eines Menschen zahlenmäßig mehr Bakterien als Körperzellen (Mit Hautoberfläche nochmal deutlich mehr). Das liegt aber u.a. daran, dass Bakterien doch deutlich kleiner sind :)

hehehe

...und das ist gut so, jeder, der eine Antibiotika-brutal-kur gemacht hat, weiss, dass danach das verdauen nicht wirklich funktioniert hat. Wir brauchen die biester, sonst funktionieren wir nicht. Und wer als Elternteil seine Kinder "anti-mikrobiell" aufzieht, der schenkt seinem Nachwuchs mit zunemender Wahrscheinlichkeit ein bis mehrere Allergien. Danke Super-saubere-Mama! ;-)

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