Italiens Regierung verkauft ihre Prunkbauten

  • Das aus dem 13. Jahrhundert stammende Castello Orsini in Soriano soll ebenfalls verkauft werden.
    foto: wikipedia/gruppospadaccini

    Das aus dem 13. Jahrhundert stammende Castello Orsini in Soriano soll ebenfalls verkauft werden.

Palazzi in Venedig und Burg bei Rom sollen für insgesamt 1,5 Milliarden Euro den Besitzer wechseln

Die Regierung Monti macht Ernst mit dem Verkauf von Staatsbesitz. Eine erste Liste von 350 Schlössern, Palazzi und geschichtsträchtigen Bauten soll 1,5 Milliarden Euro in die darbenden Staatskassen spülen. Mit dabei das aus dem 13. Jahrhundert stammende Castello Orsini in Soriano nördlich von Rom.

Für 19 Millionen steht der klassizistische Palazzo Diedo an Venedigs Canal Grande zum Verkauf, für 31 Millionen der 5000 Quadratmeter umfassende Palazzo Bolis Gualdo im Herzen der Mailänder Altstadt, für 11,5 Millionen die als Theater genutzte königliche Hofreitschule Cavallerizza Reale in Turin. Auf der Liste stehen auch zahlreiche verlockende Militärareale: riesige Kasernen in bester Lage wie jene in unmittelbarer Nachbarschaft von Zaha Hadids Maxxi-Museum in Rom, die mächtige Festung Forte Boccea, das Luxusrestaurant Casina Valadier auf dem Pincio-Hügel über der Piazza di Spagna, der Palazzo des ehemaligen Staatsmonopols im malerischen Trastevere-Viertel.

Keine Paläste für Ministerien

Geht es nach dem Willen der Regierung, müssen das Verkehrs-, Landwirtschafts- und Wirtschaftsministerium in andere staatliche Gebäude übersiedeln - ihre Palazzi sollen ebenso veräußert werden wie das Gelände der aufgelassenen Erzmine auf der Insel Elba, das ehemalige Gefängnis von Vigevano oder der 1450 in der römischen Innenstadt von Johannes Burckardt errichtete "Palazzetto del Burcardo".

Der Zeitpunkt für den Verkauf der Gebäude ist für den Staat eher ungünstig - wegen der Rezession sind die Immobilienpreise um durchschnittlich 16 Prozent gefallen. Zudem stehen die meisten Objekte unter Denkmalschutz, ihre Restaurierung ist oft aufwändig. Finanzminister Vittorio Grilli will in den nächsten fünf Jahren dennoch durch den Verkauf von Liegenschaften und staatlichen und kommunalen Beteiligungen ca. 100 Milliarden in die Staatskassen bringen.

Auch zahlreiche Gemeinden sehen sich aus akutem Geldmangel zur Veräußerung von Prachtbauten gezwungen: Venedig hat die berühmte Cá Corner an die Prada-Stiftung abgetreten, Florenz das kunsthistorisch wertvolle Ospedale di San Giovanni an Private veräußert, und auch der 1568 von Giorgio Vasari als "unvergleichlich" gepriesene Palazzo San Clamente soll in ein Hotel umgewandelt werden. (Gerhard Mumelter aus Rom, DER STANDARD, 5.9.2012)

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