Gedenken an die Opfer von München '72

Nach der Debatte in London deutsch-israelische Feierlichkeiten in Fürstenfeldbruck

München - Mit einer Gedenkfeier wird heute, Mittwoch, an den Terroranschlag bei den Olympischen Spielen vor 40 Jahren in München erinnert. Neben deutschen und israelischen Spitzenpolitikern werden dazu auch Hinterbliebene ermordeter Sportler und Überlebende erwartet.

Am 5. September 1972 hatten palästinensische Terroristen israelische Olympioniken im olympischen Dorf als Geiseln genommen, um in Israel Gefangene freizupressen. Der Anschlag endete auf dem Fliegerhorst Fürstenfeldbruck nach einer dilettantischen Befreiungsaktion mit einem Blutbad, bei dem neun Geiseln getötet wurden. Zuvor hatten die Attentäter in München bereits zwei Sportler erschossen. Insgesamt gab es 17 Tote. Neben fünf Terroristen starb auch ein deutscher Polizist.

Bei der Eröffnung der diesjährigen Spiele in London hatte das Internationale Olympische Komitee (IOC) auf eine Gedenkminute für die Opfer des Attentats vor 40 Jahren verzichtet, was jüdische Organisationen scharf kritisierten. Ankie Spitzer, die Witwe des ermordeten Fechttrainers André Spitzer, schleuderte dem IOC-Präsidenten Jacques Rogge bei einer Gedenkveranstaltung für die israelischen Terroropfer in London entgegen: "Schande über dich!"

Keine "heiteren Spiele"

Deutschland wollte sich 1972 knapp 30 Jahre nach Kriegsende wieder als ehrenwertes Mitglied der Weltgemeinschaft präsentieren. Es sollten "heitere Spiele" werden. Auf scharfe Sicherheitsvorkehrungen wurde weitgehend verzichtet. So konnte das Terrorkommando einfach in die Unterkunft der israelischen Sportler gelangen. Im Februar sagte Shaul Paul Ladany, einer der Überlebenden Sportler, im Standard-Interview: "Ich hatte keine Zweifel daran, dass die Geiseln befreit werden. Und ich hoffte, dass die deutsche Regierung alles dafür unternehmen würde." Es kam anders.

Ladany, einer der damals weltbesten Geher und einer der Protagonisten der Dokumentation des deutschen Biography Channel über die Überlebenden von 1972, ist der Ansicht, dass einige Umstände des Attentats noch immer nicht geklärt seien. Aber: "Das ist heute nicht mehr wichtig." Die Doku wird heute, Mittwoch, um 20 Uhr auf dem Biography Channel ausgestrahlt. (dpa, pra, DER STANDARD, 5.9.2012)

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