"Ich war halt der Dummy"

Interview |
  • "Was denkbar ist, ist machbar", lautet der Leitspruch von Pepo Puch. " Ich bin eigentlich ein untalentierter Reiter", sagt er über sich selbst. Und jetzt steht dieser Reiter mit zwei Medaillen da.
    foto: apa/epa/kenny

    "Was denkbar ist, ist machbar", lautet der Leitspruch von Pepo Puch. " Ich bin eigentlich ein untalentierter Reiter", sagt er über sich selbst. Und jetzt steht dieser Reiter mit zwei Medaillen da.

Pepo Puch, Österreichs erster Goldmedaillist in London, über seinen Unfall, seine Motivation und die Besonderheiten der paralympischen Reiterei

Standard: Sie heißen Josef, werden aber nur Pepo genannt, scheinen auch als Pepo in den Ergebnislisten auf. Ist das nicht eine zumindest ungewöhnliche Schreibweise?

Puch: Da, wo ich herkomme, in Oberzeiring, hat es zu viele Josefs oder Seppen in der Schule gegeben. Auf Josef hör ich gar nicht.

Standard: Ihre Stute, Fine Feeling, hört auf Musik, beim Goldritt auf Strauß-Melodien. Dieser Ritt hat auch für einen Laien gut ausgesehen. War Ihnen gleich klar, dass das eine Medaille werden könnte?

Puch: Zunächst ist in der Reiterei zumeist gut, was gefällt. Es ist eine Frage der Ästhetik. Und ja, ich habe gleich gespürt, dass das ein guter Ritt wird. Fine Feeling liebt die Musik, und sie hat getanzt. Ich war nur mehr Passagier.

Standard: Sie waren Vielseitigkeitsreiter, sind nach einem Reitunfall seit fast genau vier Jahren inkomplett querschnittgelähmt. Hatten Sie Angst davor, nach dem Unfall wieder zu reiten?

Puch: Nein, weil es nicht am Pferd lag, sondern durch ein technisches Gebrechen passierte. Ich habe mich immer bemüht, unseren Sport sicherer zu machen, war sogar Sicherheitsbeauftragter des Weltverbandes. Also habe ich bei einem Turnier in Scheneberg, Hamburg, eine Airbag-Weste getragen. Die ist durch einen Materialfehler explodiert, das Pferd hat gescheut, ich bin runtergefallen, konnte wegen der Weste nicht abrollen. Heute wird die Weste, ein verbessertes Modell, viel verwendet. Ich war halt der Dummy.

Standard: Sie verwenden oft die Wendung, dass machbar ist, was denkbar ist. War das der Leitsatz Ihrer Rehabilitation?

Puch: Sicher, aber das hat für mich schon viel früher gegolten. Durch unser Dorf sind oft Lkws der Firma Funder gefahren, auf denen ist dieser Satz gestanden. Ich habe als Rauchfangkehrer Betriebe in Judenburg und Korneuburg, ich habe eine Tochter, habe eine Frau, die aus einer Reiterfamilie kommt. Mein Schwiegervater ist ein echter Horseman, Alfred Schwarzenbach, der für die Schweiz bei Olympischen Spielen geritten ist. Und ich bin selber Reiter, bin die größten Turniere geritten. Nach meinem Unfall galt besonders: "Was denkbar ist, ist machbar."

Standard: Warum besonders?

Puch: Meine Behinderung ist mit der von Samuel Koch vergleichbar, der bei Wetten, dass ...? verunglückt ist. Meine Leitungen waren gekappt. Ich gehe aber mit Stock, obwohl ich meine Beine nicht fühle, wie bei einem Hendl, dem man den Kopf abgeschlagen hat. Ich denke gehen. Ich bin aber gleich nach meinem Unfall großartig versorgt worden. Schon am Tag danach wurde daran gearbeitet, dass meine Muskeln nicht verkümmern. Nach ein paar Wochen konnte ich dann einen großen Zeh bewegen, nach vier Monaten konnte ich mir mit der Hand ins Gesicht greifen.

Standard: Sind Sie nie in ein mentales Loch gefallen, einfach verzweifelt gewesen?

Puch: Ich hatte eine hervorragende Mentalarbeit in Zürich. Ich lag in einem Zimmer zusammen mit einem verunglückten Paraglider, einem Mann, dem bei einem Autounfall ein Wildschwein durch die Windschutzscheibe gekommen ist, und einem Radfahrer, den ein rückwärts aus der Garage schiebender Lkw erwischt hat. Wir waren eine starke Truppe. Und dann hatte ich ein eineinhalbjähriges Kind, das ich am Anfang nur anschauen konnte.

Standard: War das Kind Ihre größte Motivation?

Puch: Man hat mir geraten, dass ich mir doch einen von den kommoden Rollstühlen zulegen soll. Aber das wollte ich nicht. Ich wollte nicht, dass meine Tochter dieses Bild mitbekommt: ich, im Rollstuhl sitzend, unter dem Christbaum. Ich wollte aufrecht beim Christbaum stehen. Das ist mir dann auch gelungen. Auch wenn ich zuerst wie so ein Bauarbeiterdreibein ausgesehen habe, wie einer, der auf seiner Schaufel lehnt.

Standard: Sie haben nach Ihrer Goldenen den englischen Favoriten Lee Pearson, der nur Dritter wurde, besonders gelobt, ihn als unerreichbares Vorbild bezeichnet. Hatten Sie sich da nicht schon zuvor selbst widerlegt?

Puch: Lee war sehr enttäuscht, dass er nicht gewonnen hat. Aber er hat natürlich gratuliert. Er ist eine Ikone, hat schon neun Goldmedaillen. Er ist ein Vorbild darin, wie man eine schwere Behinderung beim Reiten kompensieren kann. Er sieht auf dem Pferd wie ein Nichtbehinderter aus, kann auf das Pferd perfekt einwirken. Gerade hier war sein Druck besonders groß, er ist ein Aushängeschild der Londoner Paralympics. Man ist eben ewig auf der Suche nach mentaler Stärke.

Standard: In dieser Beziehung waren Sie zuletzt besonders gefordert.

Puch: Meine Schwiegermutter ist gestorben. Ich habe es unmittelbar nach meiner Bronzemedaille am Freitag erfahren - einmal oben, dann wieder ganz unten. Sie war sehr wichtig für die Familie. Ich habe die ganze Zeit nachgedacht, einen Plan gemacht. Weil - ich bin ja eigentlich ein untalentierter Reiter. Das Pferd ist viel wichtiger. Und ich durfte es nicht spüren lassen, dass mit mir nicht alles in Ordnung ist. Ich kann es ja nur durch meine Stimme und meine Balance lenken.

Standard: Was sind Ihre weiteren Pläne nach diesem Erfolg?

Puch: Jetzt möchte ich einmal nach Hause. Meine Frau und meine Tochter sind ja gleich abgereist. Meine Tochter kommt jetzt in die Schule. Ich möchte ihr das Einmaleins beibringen. (Sigi Lützow, DER STANDARD, 5.9. 2012)

Zur Person:

Pepo Puch (46) gewann bei den XIV. Paralympics in London Dressur-Gold im Freestyle und Bronze im Individual. Der Steirer ritt nach einem Streit mit dem Verband bis 2008 Vielseitigkeit für Kroatien, etwa auch bei Olympia 2004 in Athen. Puch ist verheiratet mit Michelle, seine Tochter heißt Lou. Er lebt mit der Familie in Erlenbach am Zürichsee.

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Skandal!

Wieder mal wurde das einzig interessante Posting (meins natürlich) von den Troglodyten gelöscht.

Für einen kurzen Moment, dachte ich...

dass es sich um Mel Gibson handelt.

:)

Er trägt kein rot-blau kariertes Hemd und die langen Haare fehlen. Aber die Gesichtszüge.. die GESICHTSZÜGE!

es ist schon auffällig...

...wie viele erfolgreiche sportler sich in AUT mit ihren jeweiligen Verbänden streiten...

wo steht das ? habe ich da was überlesen ?

Ganz unten bei: "Zur Person"

es ist schon lustig, bei der olympiade gabs einen

medaillenspiegel, obwohl wir keine einzige gewonnen haben.

bei den paralympics gibts keinen medaillenspiegel, obwohl schon mehrere nach aut heimgeholt wurden.

mir geht der nationalistische medaillenrummel sonstwo vorbei, aber der unterschied ist schon zum schmunzeln.

Hier ist der offizielle Medaillenspiegel!

http://www.london2012.com/paralympi... dal-count/

genau deshalb ...

finde ich es schade, dass die Paraolympics in den Medien nicht mehr Beachtung geschenkt bekommen.

Alle diese Athleten machen was aus Ihrem Schicksal, während wir "Gesunden" uns über die lächerlichsten Dinge aufregen und schon jammern, wenn uns eine Gelse sticht.

Wir können sooooviel von diesen Athleten lernen

endlich bleibt mal wieder

der mund offen vor staunen und respekt, ein seltes ereignis, sowas zu lesen.

ich bin sehr beeindruckt.

Sehr beeindruckend, vor allem auch ob der Worte. Respekt! Alles Gute Herr Pepo!

Herr Pepo? Dieser Mann ist kein Friseur!

interview lesen und dann stricherl warad wos... somal das gleich am anfang vorkommt!

ein toller Mensch

und Sportsmann, Hut ab vor seiner Leistung und seiner Einstellung!

gratuliere

hut ab, solche Menschen brauchen wir öfters, ein hoch auf Österreich und seine wirkliche Olympische sportler !

Beeindruckend!

Ich habe wieder einmal gelernt, dass ich meine Möglichkeiten nur mangelhaft nutze.

Ihr nPosting hat mich sehr berührt - danke.

Herzlichste Gratulation!
Das ist das Lächeln eines Menschen der sich wirklich freut.

Respekt! Mein Pferd würde mit Stimme und Balance allein schnurstracks zum nächsten Grasstück spazieren und ordentlich reinmampfen.

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